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Sparkasse Altenburger Land setzt auf Nachhaltigkeit

Sparkasse Altenburger Land setzt auf Nachhaltigkeit

Millionen-Gewinne, trotzdem Sparmaßnahmen, Hunderttausende Euro Sponsoring für die Region bei gleichzeitiger Stärkung der eigenen Kapitaldecke: Bernd Wannenwetsch (44) und Daniel Höhn (38), die beiden neuen Vorstände der Sparkasse Altenburger Land, ziehen nach gut 100 Tagen im Amt eine erste Bilanz und erläutern ihre Strategie.

Altenburg.

 

OVZ: Wo steht die Sparkasse Altenburger Land, gemessen an Ihren Aufgaben und der Konkurrenz?

 

Bernd Wannenwetsch: Wir sind stabil, und obwohl die gesamte Branche vor riesigen Herausforderungen aufgrund der Niedrigzinsphase steht, können wir ein zufriedenstellendes, nachhaltiges Ergebnis vorweisen. Schon jetzt erfüllen wir beispielsweise die Eigenkapitalquote, die erst 2019 von uns verlangt wird. Wir haben eine stabile Kapital- und Ertragssituation, die uns weiterhin Wachstum, vor allem im mittelständischen Kreditgeschäft erlaubt.

 

Wie sehen die Zahlen aus?

 

Daniel Höhn: Im Firmenkundengeschäft haben wir seit einigen Jahren ein gutes Wachstum. Im privaten Wohnungsbau ist es dagegen eher rückläufig, aber im gesamten Landkreis liegt die Zahl der Baugenehmigungen für neue Eigenheime auch nur noch bei etwa 30 im Jahr. So gibt es insgesamt einen leichten Rückgang im Privatkundengeschäft. Die Kunden-Forderungen liegen im aktuellen Jahresabschluss bei 276 Millionen Euro, die Kunden-Einlagen bei 786 Millionen Euro. Da kommen dann noch Wertpapiere und Fondsbestände von rund 100 Millionen dazu. Die Bilanzsumme beträgt 968 Millionen Euro.

 

Damit sind Sie ...

 

Bernd Wannenwetsch: ... eine kleine bis mittlere Sparkasse im Deutschland-Maßstab. Und an Einwohnerzahl und Kaufkraft des Landkreises gemessen eine gut positionierte Sparkasse mit einem guten Marktanteil.

 

Der wie groß ist?

 

Bernd Wannenwetsch: Je nach Kennziffer beispielsweise mehr als die Hälfte der Privatkunden im Landkreis. In absoluten Zahlen sind das rund 45 000 Privat-Girokonten und 3000 Geschäfts-Girokonten.

 

Und was macht die Sparkasse für Gewinne?

 

Bernd Wannenwetsch: Wir haben eine stabile Ertragssituation, die seit Jahren bei rund einer Million Euro liegt.

 

Daniel Höhn: Das ist die Zahl unterm Strich, also nach Spenden, Sponsoring und Zustiftungen sowie Steuern. Für Spenden und Sponsoring haben wir 500 000 Euro zur Verfügung gestellt und das Kapital der beiden Stiftungen mit 340 000 Euro gestärkt.

 

Wie hat sich die Mitarbeiterzahl entwickelt?

 

Daniel Höhn: Sie liegt im Wesentlichen seit Jahren konstant bei etwa 250. Etwa 70 übrigens in Teilzeit, nicht zuletzt auf Wunsch der Mitarbeiter. Da gibt es sehr individuelle Modelle. Das Durchschnittsalter beträgt 41 Jahre.

 

Das erspart Personalabbau?

 

Daniel Höhn: Wir sind auf einem guten Weg, um beispielsweise auch durch Altersteilzeit bis Ende nächsten Jahres auf unsere Zielgröße zu kommen. Dazu hat es schon in den vergangenen Jahren Umverteilungen gegeben beispielsweise zwischen Vertriebs-, Stabs- und Betriebsbereichen. Viele interne Prozesse werden automatisiert.

 

Welche neuen Akzente setzt die neuen Führungsspitze der Sparkasse, was bleibt, was fliegt über Bord?

 

Bernd Wannenwetsch: Eine der größten Herausforderungen ist es momentan, bei diesem Zinsniveau, das die gesamte Finanzbranche sehr belastet, unser Haus in eine sichere Zukunft zu führen. Und die zweite Herausforderung ist, dabei als modernes, universelles Kreditinstitut weiterhin den Bedürfnissen unserer privaten und Unternehmenskunden zu entsprechen. Das bedeutet Schnelligkeit, Flexibilität und Qualität, die beim Kunden ankommen müssen. Unser Hauptvertriebsweg sind nach wie vor unsere Filialen. Unsere Sparkasse ist und bleibt eine Sparkasse vor Ort.

 

Was wird sich trotzdem ändern?

 

Bernd Wannenwetsch: Vieles, vor allem in den Strukturen. Immer mehr Menschen sind online unterwegs. Der bargeldlose Zahlungsverkehr hat deutlich zugenommen. Wir werden also unseren Bereich Internetbanking weiter ausbauen. Da gehört auch die App fürs Smartphone dazu. Mit dieser Technologie sind wir Sparkassen führend. Aber jeder Kunde, der im Netz unterwegs ist, muss mit seinem Berater verbunden sein. Und das ist es, was uns von den reinen Internetbanken unterscheidet.

 

Und die Folge ist dann Abbau bei den Filialen?

 

Bernd Wannenwetsch: Wir werden unseren stationären Vertrieb den neuen Bedingungen anpassen müssen. Zum 1. Juli wird die Ein-Mann-Filiale in Ponitz geschlossen, die Kunden werden künftig in Gößnitz betreut. Hier wären jetzt aus sicherheitstechnischen Gründen Investitionen von bis zu 500 000 Euro nötig geworden, das ist nicht mehr darstellbar. Das Gleiche betrifft die Selbstbedienungsstelle in Treben. Sie ist von der Flut zerstört worden, aber wir hätten sie unabhängig davon sowieso zum 1. Juli geschlossen. Ende des Jahres werden dann noch die Geldautomaten in Saara und in Schmölln-Heimstätte abgebaut. Dennoch werden wir nach diesen Schließungen noch über 30 Geldautomaten im Landkreis vorhalten. Und Filialen wie in Langenleuba-Niederhain, Nobitz, Rositz und Wintersdorf werden wir mit angepassten Öffnungszeiten erhalten, meist sind wir dort die einzigen Anbieter, und in der Regel werden wir dort auch in neueste Technik investieren.

 

Warum rationalisieren Sie gerade die Automaten weg, damit wird doch kein Personal gespart?

 

Daniel Höhn: Geld kosten sie trotzdem. Vor allem ist der Bedarf einfach nicht mehr da. Überall gibt es heute Geldbezugsquellen, die es noch vor gar nicht langer Zeit nicht gab. Man bekommt seine Euros an vielen Tankstellen und in Supermärkten, viele Geschäfte und Restaurants akzeptieren Karten. Der Bargeldumlauf ist deutlich zurückgegangen, und unsere Statistiken zeigen ganz konkret, wo. Darauf basieren die Entscheidungen, da ist nichts willkürlich.

 

Bedeutet das alles in allem nun eine grundlegenden Kurskorrektur an der Geschäftspolitik der Sparkasse oder nur eine geringfügige?

 

Bernd Wannenwetsch: Wir bleiben eine Sparkasse. Das heißt, wir unterscheiden uns weiterhin von der Konkurrenz in ganz wesentlichen Punkten. Der Region geht kein Cent verloren, wir sind auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit ausgerichtet. Wir können das, weil wir selbstständig und unabhängig agieren. Uns schreibt kein "Mutterhaus" unser Denken und Handeln vor. Wir sind in der Region verwurzelt und für die Region da, wir haben ein ureigenstes Interesse, dass es der Region gut geht. Was wir als Gewinn verdienen, stärkt entweder die eigene wirtschaftliche Basis oder geht in Form von Spenden und Sponsoring an die Bürger der Region zurück. Und an diesen Maßstäben gemessen, sind unsere aktuellen Maßnahmen eher marginale Anpassungen an einen sich verändernden Markt, also etwas, was jedes gutes Unternehmen tut.

 

Daniel Höhn: Es gibt keinen signifikanten Kurswechsel. Wir wollen uns durch Qualität vom Wettbewerber abheben, egal wie er heißt. Wir wollen diese stabile Sparkasse in vielen Jahren noch haben. Wir werden wie in der Vergangenheit nur Produkte und Dienstleistungen anbieten, die wir verstehen und bei denen wir einschätzen, dass die Risiken beherrschbar sind.

 

Was bedeutet das für Ihre Geschäftskunden, für die Mittelständler, die das wirtschaftliche Rückgrat der Region bilden?

 

Bernd Wannenwetsch: Unsere Planung für das Kreditgeschäft ist nach wie vor auf Wachstum ausgerichtet. Und wir freuen uns, die Mittelständler in der Region finanzieren zu können. Wenn es unserer Region gut geht, wenn hier investiert wird und Arbeitsplätze entstehen, geht es auch unserer Sparkasse gut. Ich bin überzeugt, dass uns das in den vergangenen Jahren gut gelungen ist. Wir hatten ein stetiges Wachstum. Und mir sind auch keine Klagen bekannt, dass wir den Mittelstand nicht ausreichend unterstützen würden.

 

Daniel Höhn: Das Firmenkundengeschäft der Sparkasse ist ja 2005/2006 durchaus hin und wieder kritisiert worden. Wir haben interne Prozesse neu sortiert, das Team personell verstärkt und eine klare Akquisitionsstrategie umgesetzt. Es gibt im Landkreis nur circa 125 Unternehmen, die mehr als eine Million Euro Umsatz im Jahr erzielen. Die haben wir fast alle aufgesucht, und viele sind am Ende bei uns Kunde geworden. Zum Teil mit nicht unerheblichen Beträgen - entweder im Anlage- oder Kreditbereich. Künftig setzen wir zudem verstärkt auf kleinere und mittlere Unternehmen. Mir sind aus den letzten Jahren nur ganz, ganz wenige Fälle bekannt, wo wir Investitionsvorhaben nicht begleiten konnten. Und mir sind keine Fälle bekannt, wo sich ein Kunde noch mal beschwert hat.

 

Bernd Wannenwetsch: Kreditgeschäft bedeutet immer, Risiken einzugehen. Dafür braucht man Kapital, und das haben wir. Wir sind eine der eigenkapitalstärksten Sparkassen überhaupt. Das ist die Basis für eine Finanzierung des Mittelstandes, auch in Krisenzeiten.

 

Knapp eine Million Euro "Ausschüttung" für Sponsoring und die Finanzierung von Stiftungen kommen ebenfalls der Region zugute. Stimmt das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Wohltaten?

 

Bernd Wannenwetsch: Es ist sparkassentypisch. Wir haben allein vergangenes Jahr aus der halben Million unter vielen anderen den Weißen Ring und den Kreisfeuerwehrverband unterstützt, das Kinderheim Sonnenland und die Leichtathleten vom TSV Treben. Außerdem flossen 340 000 Euro in die Stärkung des Kapitals der Sparkassen- und Bürgerstiftung.

 

Daniel Höhn: Wir konnten in den vergangenen Jahren jeweils rund eine Million Euro Gewinn erzielen und dieses Geld zur Stärkung des Eigenkapitals verwenden. In diesem Punkt werden die Anforderungen an die Banken wachsen, und es ist wichtig vorzusorgen, so lange man es kann. Spenden- und Sponsoringbeträge sind flexibel, aber die Million brauchen wir.

 

In Thüringen gilt das Prinzip ein Landkreis - eine Sparkasse. Nach einer Gebietsreform zu einem Großkreis wäre deshalb demnächst Schluss mit den Wohltaten fürs Altenburger Land?

 

Bernd Wannenwetsch: Zwangsläufig. Eine Gebietsreform hätte nach jetziger Rechtslage auch eine Fusion der Sparkassen zur Folge. Unser Ziel ist deshalb, unsere Arbeit als selbstständiges Institut im Altenburger Land so lange wie möglich fortzuführen. Denn wir sind überzeugt, dass Größe nicht gleich Stabilität heißt und automatisch gut ist. Der Landkreis würde eine ganze Reihe von Vorteilen verlieren, wenn die Sparkasse nicht mehr eigenständig wäre.

Günter Neumann

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