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Spielerisch Grenzen überwinden - Ungewöhnliche Kooperation des Altenburg-Geraer Theaters mit dem westafrikanischen Burkina Faso

Spielerisch Grenzen überwinden - Ungewöhnliche Kooperation des Altenburg-Geraer Theaters mit dem westafrikanischen Burkina Faso

Theater kann mehr als jeder andere Ort spielerisch Grenzen überwinden, Vorurteile abbauen und neue Welten aufmachen - davon ist der neue Schauspieldirektor Bernhard Stengele überzeugt.

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Rasmata Rachelle Ouedragaogo, Mahamoudou Tapsoba und Ouelgo Téné (v.l.) vorm Landestheater in Altenburg.

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg/Gera. Von Jule Eicke

Das Publikum erwartet deshalb einige in Form und Inhalt ungewöhnliche Inszenierungen. Den Anfang der Zusammenarbeit zwischen drei Künstlern aus Burkina Faso macht am 16. November im Theater unterm Dach in Altenburg ein Programm mit Märchen und Sagen aus Afrika und Europa. Unter dem Titel "Nicht nur zur Weihnachtszeit" steht die Tradition des Griots, des Geschichtenerzählers, wie er in weiten Teilen Afrikas vorkommt, im Vordergrund. Auf diese Weise werden die alten Geschichten, die nirgendwo aufgeschrieben stehen, wieder lebendig.

Von dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit ist auch das diesjährige Weihnachtsmärchen "Ayana Rabenschwester" geprägt, dessen Ursprünge von Zentral- und Westafrika bis ins Deutschland der Brüder Grimm reichen. Mona Becker und Bernhard Stengele haben ein Stück für Kinder ab fünf Jahre geschrieben, in dem es um Familie und Freundschaft geht und um die Erkenntnis, dass, wer teilt und gibt, am Ende immer der Gewinner ist. Es darf getrommelt und getanzt werden. Stillsitzen und nichts sagen ist hier nicht erwünscht. Premiere ist am 6. Dezember im Landestheater.

Schauspieler und Theaterpädagogen sind bereits an Schulen und Kindergärten in und um Altenburg unterwegs, um die jungen Zuschauer spielend, tanzend und singend auf das Stück vorzubereiten. So können die Mädchen und Jungen Passagen schon im Voraus erlernen und am Aufführungstag aktiv mitwirken.

Im kommenden Frühjahr wird dann mit "Freitag & Robinson" ein Klassenzimmer-Stück Premiere feiern, das die berühmte Geschichte von Daniel Defoe vom Wilden und seinem weißen Erzieher aus der Perspektive des Freitag neu erzählt. Dabei wird nun Robinson als unwissender und merkwürdiger "Wilder" karikiert. In dieser Inszenierung wird ein Bukinabé mit einem Deutschen auf der Bühne stehen. Bei Bedarf kann selbstverständlich auch dieses Stück an den Schulen vorbereitet werden.

"Ich bin Leben, das leben will" - mit diesem Projekt gedenkt das Landestheater Altenburg des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer, der vor 100 Jahren sein Urwaldhospital in Afrika gründete. Schweitzer, dessen Arbeit zeitlebens von seiner Philosophie "Ehrfurcht vor dem Leben" geprägt war, wird an einem Ort gewürdigt, den er als leidenschaftlicher und berühmter Organist so sehr zu schätzen wüsste: In der Brüderkirche wird mit den Mitteln des afrikanischen Erzähltheaters und der Musik Bachs und Mendelssohns ein Stück präsentiert, das in Anlehnung an den kirchlichen Wechselgesang Darsteller und Publikum gemeinsam entwickeln sollen. Die Uraufführung ist am 16. Januar 2013 geplant, danach geht die Inszenierung auf Gastspielreise durch ganz Deutschland.

Mit diesen ungewöhnlichen Projekten lernen die Besucher des Altenburg-Geraer Theaters in dieser Spielzeit drei Künstler aus Burkina Faso kennen, mit denen Schauspieldirektor Bernhard Stengele bereits in anderen Projekten zusammenarbeitete: Rasmata Rachelle E. Ouedraogo, Mahamoudou Tapsoba und Quelgo Téné. Die drei sind übrigens schon am 17. November in Gera und am 1. Dezember in Altenburg mit deutschen Schauspieler-Kollegen bei Lesungen in privaten Wohnungen unterwegs. Denn das Theater legt in dieser Spielzeit ein ganz neues Format auf: Literarische Salons.

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