Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Spurensuche an alten Klostermauern

Spurensuche an alten Klostermauern

Exakt ausgerichtet ziehen sich die Vermessungs-Markierungen über die hellen Mauerreste, entlang sorgsam ausgeschachteter Gruben, die farblich scharf abgetrennte Bodenschichten offenlegen und in denen kleine Gefäße mit schmutzverkrusteten Scherben liegen.

Altenburg.

 

 

 

Altenburger Geschichte zum Anfassen, mindestens 800 Jahre alt.

 

Seit Ende April haben die Experten des Weimarer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie den Platz zwischen dem neuen Areal am Markt auf der einen Seite und der Brüderkirche und dem Ernestinum auf der anderen in ihren Besitz genommen. Noch bis Juli haben sie Zeit, auf der etwa 25 mal 40 Meter großen Fläche nachzuforschen, wie die Altenburger hier Jahrhunderte zuvor lebten. Danach werden moderne Versorgungsleitungen verlegt, der Platz neu gestaltet - und alles darunter wird für lange, lange Zeit nicht mehr zugänglich sein.

 

"Die Voraussetzungen sind sehr gut, in diesem Areal fündig zu werden", kann Dr. Ines Spazier, Gebietsreferentin der Behörde für Ostthüringen, ihre Vorfreude kaum bremsen. Schließlich darf nun exakt jene Fläche erforscht werden, die einst direkt vor dem Eingang des Franziskanerkloster lag, aber innerhalb der Stadtmauern, nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt, in Blickrichtung der Roten Spitzen. "Und das Altenburger Franziskanerkloster gehörte neben denen in Weida und Saalfeld zu den wichtigsten in Ostthüringen", so Ines Spazier.

 

Antworten auf drei wichtige Fragen erhoffen sich die Archäologen: Wann wurde das Kloster gebaut, gleich nach Ankunft der Franziskaner 1230 oder erst gut 50 Jahre später? Wo war der Friedhof des Klosters, außerhalb oder innerhalb der Mauern? Und gibt es Belege für städtische Gebäude, die bereits in dieser Zeit unmittelbar an die Klostermauern grenzten?

 

Zumindest die letzte Frage ist inzwischen durch freigelegte, überraschend gut erhaltene Mauerreste klar beantwortet. Und weil keine Gebeine gefunden wurden, wird der Friedhof wohl im Bereich des einstigen Kloster-Kreuzganges liegen, dort, wo jetzt das Ernestinum steht. Was das Baudatum betrifft, gibt es zumindest Anlass zur Hoffnung: Es wurden zahlreiche Keramikscherben ausgegraben, und weil sich damals gerade die "Technologie" änderte, kann ihre Beschaffenheit relativ eindeutig bestimmten Zeitpunkten zugeordnet werden.

 

Unmittelbar nach Abschluss der Grabungen auf dem Platz vor der Brüderkirche werden sich die Archäologen übrigens in der Teichstraße das Gelände vornehmen, auf dem die Altenburger Wohnungsgenossenschaft ein größeres Projekt plant. "Wir haben uns mit der AWG gut geeinigt", betont Ines Spazier.

 

Was durchaus nicht selbstverständlich ist. Denn die Grabungen kosten immer Geld und Zeit, was regelmäßig zu Unmut und Vorwürfen von Kommunalpolitikern und Investoren führt (OVZ berichtete). Doch dafür haben wiederum Archäologen und Denkmalpfleger kein Verständnis. "Die archäologischen Untersuchungen sind gesetzlich geregelt und werden meist zu 80 Prozent, manchmal sogar vollständig gefördert", sagt Jürgen Fröhlich, Chef der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg. "Es muss natürlich vernünftige Absprachen geben, und nur langfristig läuft so etwas gut."

 

Ines Spazier macht außerdem auf zwei weitere Aspekte des Problems aufmerksam: Erstens betragen die archäologischen Untersuchungen in der Regel nur einen geringen Teil der Gesamtkosten der jeweiligen Investition. Und zweitens werden die Mitarbeiter, die für diese Grabungen auf Zeit eingestellt werden, "selbstverständlich nach Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt". Schließlich handele es sich um Fachkräfte, die oft Fach- oder Hochschulabschlüsse haben. "Und die außerdem fast alle aus der jeweiligen Region kommen." © Kommentar

Günter Neumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
Von Redakteur Gabriele Neumann

Außenansicht der Agneskirche
Ein Spaziergang durch die Region Altenburg
  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Am 10. Dezember eröffnete Deutschlands größte Bahnbaustelle, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 - hier gibt es Infos, Hintergründe und Foto... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr