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Altenburg St. Petersburger Kammerphilharmonie eröffnet Altenburger Musikfestival
Region Altenburg St. Petersburger Kammerphilharmonie eröffnet Altenburger Musikfestival
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06:16 14.08.2018
Violinen-Solist Vadim Tsibulevsky und die Kammerphilharmonie St. Petersburg unter Leitung von Juri Gilbo beim diesjährigen Altenburger Musikfestival. Quelle: Jens Paul Taubert
Altenburg

Das eigentliche Eröffnungskonzert des diesjährigen Musikfestivals fand am Freitagabend statt und brachte alte Bekannte in den Festsaal des Residenzschlosses: die Russische Kammerphilharmonie aus St. Petersburg unter Leitung eines alten Freundes des Musikfestivals, des Dirigenten Juri Gilbo. Vor rund zehn Jahren bereicherte er durch einige Gastspiele dieses Altenburger Musikereignis.

Musikalischer Sturm statt lauem Lüftchen

Nun war er wieder angekündigt mit einer „Russischen Nacht“, und wer den Namen genau nimmt, stellt sich ein auf Abendserenaden, bei denen man sich entspannt zurücklehnen und die Augen schließen kann. Man erwartete nur ein laues Lüftchen und wurde von einem musikalischen Sturm überrascht, der durch den Festsaal fegte, von dem man noch lange sprechen wird.

Das war ein weiterer Hochkarätiger in der diesjährigen Liste von Spitzenorchestern, die im Festsaal gastierten, und wenn man weiß, dass Juri Gilbo mit seinem Orchester in diesem Jahr schon sein Debüt in der Hamburger Elbphilharmonie gab, dann ist sein Gastspiel zum Altenburger Musikfestival nur „folgerichtig“.

Auslotung der Möglichkeiten

Dafür hatte Gilbo kein übliches Programm für ein Sinfoniekonzert mit drei Musiken erarbeitet, sondern eine reiche Auswahl von bekannten Stücken russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts. Man könnte meinen, es wäre ein Wunschkonzert, zusammengestellt vom Publikum – ein interessanter Konzertabend.

Los ging es mit der schwungvollen Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ludmila“ von Michail Glinka. Bei dieser mitreißenden Interpretation machte Gilbo deutlich, wohin die musikalische Reise an diesem Abend gehen wird: in die dramatische Auslotung der Musik und das Aufspüren aller kraftvollen Möglichkeiten der Interpretation.

Alles sitzt auf Anhieb

Das wurde sofort praktiziert bei der Wiedergabe des 1. Satzes aus Tschaikowskis Konzert für Violine und Orchester D-Dur mit dem Solisten Vadim Tsibulevsky. Seine Interpretation ist ungemein schwungvoll und fulminant, bei der Wiedergabe des Hauptthemas fast herrisch und bestimmend klangvoll und überwältigend die Wirkung, wenn das Thema vom ganzen Orchester aufgenommen wird. Beim Finale stockt einem der Atem.

Ähnlich ging es weiter mit dem „Tanz der Gaukler“ und dem Blumenwalzer des gleichen Komponisten, den „Polowetzer Tänzen“ von Alexander Borodin und endete mit dem Säbeltanz aus dem Ballett „Gajaneh“ von Acham Chatschaturjan.

Bei diesem Orchester sitzt alles auf Anhieb: Nicht eine Unaufmerksamkeit der Musikerinnen und Musiker bei der Wiedergabe des Programms, dafür eine ausgefeilte Präzision und ein gutes Klangempfinden vor allem auch als Begleitung bei den Liedern und den Stücken für Violine solo. Dafür verantwortlich ist Dirigent Gilbo. Er führt das Orchester agil, mit unbändigem Körpereinsatz auf der Bühne und ist insgesamt die Seele des ganzen Unternehmens.

Lyrischer Ausgleich im Programm

Würdigen muss man auch die Sopranistin Diana Darnea, die mit ihren Liedern einen Hauptteil des Programms und die vielen Zugaben bestritt. Sie brachte den lyrischen Ausgleich in das etwas überbordende Orchesterprogramm.

Mit der bekannten „Vokalise“ von Rachmaninow, ein ohne Worte gesungenes Lied, konnte sie ihre vorzügliche Stimme mit Schönheit und Klarheit vorstellen, mit der Romanze „Die Nachtigall“ von Alexander Aljabjew ihre Höhensicherheit beweisen und mit dem Lied „Schwarze Augen“ ihre Gestaltungskunst zeigen. Bei einigen Stücken fand sie sichere begleitende Unterstützung durch den Geiger Vadim Tsibulevsky.

Die Begeisterung des Publikums stieg stetig von Titel zu Titel, wollte dabei fast kein Ende nehmen und fand schließlich ihren Höhepunkt in Standing Ovations. Die Besucher nahmen ihr Entzücken mit und trugen es nachts vom Schloss hinunter in die Stadt.

Von Manfred Hainich

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