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Altenburg Staatssekretär stellt die digitale Umgestaltung auf dem Prüfstand
Region Altenburg Staatssekretär stellt die digitale Umgestaltung auf dem Prüfstand
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00:33 24.02.2018
Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert (r.) lässt sich im Finanzamt Altenburg von Leiter Robert Schrörs einem Datenraum zeigen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Es gibt keinerlei Pläne, Finanzämter zu schließen. Also auch keine Pläne, den Standort in Altenburg aufzugeben. Das erklärte Hartmut Schubert, Finanzstaatssekretär des Freistaates Thüringen, am Montag in Altenburg. Jedoch, so Schubert weiter, würden gerade die Strukturen der Finanzverwaltung des Freistaates vom dreistufigen zum zweistufigen Modell umgebaut. Die mittlere Ebene werde abgeschafft, dafür die untere, zu der auch das Finanzamt Altenburg zählt, gestärkt und enger mit dem Finanzministerium verknüpft. Das sei wichtig für die Skatstadt, denn das Altenburger Finanzamt zähle in Ostthüringen zu den größeren Behörden und sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, schätzte der Staatssekretär ein. Immerhin: Die hiesige Behörde beschäftigt derzeit 137 Mitarbeitern und zehn Azubis.

Ausbildungsoffensive in der Thüringer Finanzverwaltung

Seit 2016 bilde sein Haus wieder Finanzwirte aus, was in den 90er-Jahren eingestellt wurde, so Finanzamtsvorsteher Robert Schrörs. In den kommenden Jahren, ergänzt Schubert, plane Thüringen, die Zahl der Ausbildungsplätze in den Finanzämtern von momentan 75 landesweit auf 150 im Jahr 2021 zu erhöhen. Damit soll dem sich abzeichnenden altersbedingten Personalnotstand begegnet werden. Was aber in Altenburg noch kein Problem sei – das Finanzamt habe aktuell das Personal, das es brauche, stellte Schrörs klar.

Weil aber die Zeiten, in denen die Bewerber Schlange standen, vorbei seien, werde mit dem Titel „Das Finanzamt sucht dich“ intensiv auf dem Ausbildungsmarkt nach Nachwuchs gefahndet. Angesprochen sollen sich nicht zuletzt Abiturienten fühlen, weil zukünftig mehr Leute im gehobenen Dienst benötigt werden. Schrörs erklärte: In Zeiten der Digitalisierung veränderten sich die Anforderungen an die Mitarbeiter deutlich. Einfache Arbeiten wie das Übertragen von Daten fallen weg, dafür müssen mehr komplexere Tätigkeiten erledigt werden. „Zum Beispiel haben unsere Mitarbeiter als Folge der Digitalisierung mehr Zeit, um endlich intensiver Steuererklärungen nachzuprüfen“, nennt der Finanzamtschef ein Beispiel für veränderte Aufgabenfelder.

Die über 70 Prozent der Steuererklärungen gehen digital ein

Bei allen positiven Effekten – beispielsweise können Steuerpflichtige für das Ausfüllen ihrer Steuererklärung mit dem Elster-Programm arbeiten, wo auch verschiedene Daten gewissermaßen automatisch eingepflegt werden können – birgt diese Technik auch Risiken. „Als CIO des Freistaats interessiere ich mich deshalb auch sehr für die Erstellung eines IT-Sicherheitskonzeptes für die Thüringer Finanzämter“, nennt Chief Information Officer (CIO) oder einfach Leiter der Informationstechnik, Hartmut Schubert, den zweiten Grund für die Stippvisite in Altenburg.

Immerhin werden im Verantwortungsbereich des Altenburger Finanzamtes, zu dem das Altenburger Land und der südliche Teil des Kreises Greiz zählen, mittlerweile fast 73 Prozent der Steuererklärung elektronisch abgegeben. „Der Kreis liegt damit über dem Landesdurchschnitt, der reichlich 70 Prozent beträgt.“ Mit diesem Wert sei Thüringen im übrigen bundesweit Spitzenreiter, sagte Schubert.

Vor Ort interessierte sich der CIO dann vor allem für Fragen rund um die physische Sicherheit. „Da geht es darum, wie einbruchssicher die Behörde ist, wer Zugang zu den Servern hat, aber auch darum, wie Computer und Server gegen Feuer- oder Wasserschäden geschützt sind, sodass auf diese Weise keine Daten verloren gehen können“, erläutert Schubert.

Zwei Rechner pro Arbeitsplatz für mehr Sicherheit

Softwareseitiger Datenklau könne derweil nicht über das Einhacken in das Altenburger Finanzamt erfolgen. „Das ist praktisch ausgeschlossen“, so Schubert. Denn die Rechner, mit denen Mitarbeiter im Internet recherchieren, hätten keinen Zugriff auf die Steuerdaten. Die Computer, mit den die Steuererklärung bearbeite werden, hätten wiederum keinen Internetzugang, sondern hingen direkt am Landesdatennetz, wo auch die Daten der Steuerzahler zentral gespeichert werden. „Unsere Sachbearbeiter haben deshalb zwei Computer am Platz“, so Schrörs.

Erstmals mehr als 250 Millionen Euro Steuern

Im Jahr 2017 nahm das Altenburger Finanzamt erstmals Steuern von mehr als 250 Millionen Euro ein. Allein die abgeführte Lohnsteuer betrug 133 Millionen Euro. Insgesamt verbuchte das Finanzamt Altenburg in seinem Zuständigkeitsbereich im Altenburger Land und dem südlichen Teil des Kreises Greiz so einen Steuerzuwachs von 8,5 Prozent. Laut Information der Behörde gingen 2016 noch 236 Millionen Euro Steuern ein.

Für den Finanzstaatssekretär des Freistaates spiegeln sich im Steuerzuwachs die verbesserte wirtschaftliche Situation und die positiven Arbeitsmarktzahlen wieder.

Von Jörg Reuter

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