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Stadt Altenburg entschärft Problem-Rohr in Blauer Flut

Hochwassergefahr Stadt Altenburg entschärft Problem-Rohr in Blauer Flut

Durch Zufall und Spürsinn hat Peter Wunderlich in der Blauen Flut ein Rohr gefunden, das die Hochwassersituation in der Altenburger Wallstraße verschärft. Auch wenn sich seine Theorie nicht ganz bestätigte, reagiert die Stadt dennoch und rückt nun dem Rohr zu Leibe.

Dieses Rohr, das die Hochwassersituation in der Altenburger Wallstraße verschärft, rückt die Stadtverwaltung nun zu Leibe.

Quelle: Peter Wunderlich

Altenburg. Eigentlich wollte sich Peter Wunderlich wegen eines Unwetters nur unterstellen. Doch kaum hatte der Altenburger bei Radio Syrbe in der Wallstraße Unterschlupf gefunden, traute er seinen Augen kaum. So sah er, wie nicht nur die vor ihm liegende Straße Anfang Juni von Wassermassen überflutet wurde, sondern auch, wie Wasser aus einem Gully kurz vor der VR Bank blubberte und die Situation verschärfte. Das und der Fakt, dass er gleichzeitig Fäkalgeruch wahrnahm, ließen ihn nicht los.

„Als Hauptursache betrachte ich ein Rohr, mit welchem das Regenwasser in die Blaue Flut eingeleitet werden soll“, erklärt Wunderlich nach Gesprächen mit Fachleuten einige Wochen später bei einem Vor-Ort-Termin seine Theorie. Dieses münde in einem Winkel von 90 Grad zur Flussrichtung in den Bach. „Bei Starkregen steigt der Wasserspiegel des Baches über die Oberkante des Rohres und die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers baut in dem Abwasserrohr einen Gegendruck auf, der verhindert, dass das Regenwasser aus der Wallstraße abläuft.“

Daher vermutet Wunderlich, dass der Gegendruck auch dafür sorgt, dass Wasser aus der Kanalisation zurück in die Wallstraße gedrängt wird. Eigentlich müsste das Rohr, das genau im Scheitelpunkt einer Kurve an einer Holzbrücke liegt, zur Flussrichtung in einem Winkel von 15 Grad angebracht werden, habe ihm ein Experte erklärt. Ihn interessiert nun, wie sich das Problem, das bereits mehrfach auftrat, beheben lässt.

Das ist zunächst einmal eine Frage der Verantwortlichkeit. Nach einigem Hin und Her war jedoch klar, dass die Stadt zuständig ist, weil es sich um eine Anlage zur Straßenentwässerung handelt, die laut Wasserver- und Abwasserentsorgungsbetrieb keine Verbindung zum Mischwasserkanal besitzt. Das bestätigt Denis Anders, Referatsleiter Stadtwirtschaft.

Mehr noch. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass das Rohr überhaupt eine Verbindung bis zum Gully auf der Wallstraße hat“, sagte Anders. Es führe nur bis zu einem Abfluss auf halber Strecke. „Aber wir prüfen das noch mal.“ Das Blubbern am Gully entstehe bei Starkregen durch Verstopfungen oder Engstellen. „Irgendwann kann die Leitung das Wasser nicht mehr aufnehmen – und dann ist es wie bei einem Waschbecken.“

Nichtsdestotrotz tut die Stadt etwas. So wird demnächst eine Kröpfung an das Rohr angebaut. Das heißt, es wird um 1,5 bis 2 Meter flussabwärts verlängert. Dadurch ändert man den Einflusswinkel und bringt es zugleich aus dem Scheitelpunkt der Kurve, so dass keine Gegenströmung mehr entsteht. „Zusätzlich werden wir die Mauer an der Brücke durchbohren und ein kleines Rohr durchlegen, um das Wasser aus der Senke vor der Brücke besser abfließen zu lassen“, erklärte Anders. Besser wäre es aber, wenn das Flussbett breiter würde und links wie rechts einen Grünstreifen von fünf Metern erhielte. Dafür müssten allerdings die jeweiligen Grundstückseigentümer Opfer bringen.

Angesichts des Hochwasserschutzkonzepts, an dem die Stadt derzeit arbeitet, ist Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) dankbar für sachliche Hinweise wie diesem. „Das erweitert unsere Kenntnisse, die wir in das Konzept einfließen lassen können.“ Zugleich bat er jedoch um Verständnis, dass man nicht alles sofort beheben kann. „Der Hochwasserschutz ist eine Herkulesaufgabe, die sich lange aufgebaut hat, weshalb sie sich nicht kurzfristig lösen lässt.“ Dass man fieberhaft daran arbeite, unterstrich er mit Verweis auf die Abflussverbesserung am Großen Teich. „Wir können den Schutz der Altstadt aber nur gewährleisten, wenn Niederschlagswasser bereits auf Landwirtschaftsflächen versickert, wir es zwischen Schlöpitz und Kosma zurückhalten und Maßnahmen in benachbarten Kommunen umgesetzt werden.“

Von Thomas Haegeler

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