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Stadt will Fußball konzentrieren - Kritik an Schließung des Sportplatzes Oberzetzscha

Stadt will Fußball konzentrieren - Kritik an Schließung des Sportplatzes Oberzetzscha

Die Stadt Altenburg macht ernst und forciert ihre Pläne, den Fußball in der Skatbank-Arena und auf den angrenzenden Plätzen in der Zwickauer Straße zu konzentrieren.

Altenburg.

Erstes Opfer ist der Sportplatz Oberzetzscha, der seit 1. Juli dicht ist. Das können Anwohner nicht verstehen und kritisieren diese Entscheidung als kurzsichtig. Auch die betroffenen Vereine Aufbau Altenburg und FC Altenburg sind alles andere als zufrieden. Weitere Probleme drohen, wenn der nächste Platz geschlossen wird.

 

Das Schild "Platz gesperrt" hängt auf halb acht. Die Schrift lässt sich kaum noch lesen, so verwittert ist sie. In seinem Kaputtsein symbolisiert es den Gesamtzustand des Sportplatzes in Oberzetzscha. Der Rasen steht zentimeterhoch, gleicht eher einer Wiese, deren Grashalme sich in alle Himmelsrichtungen biegen. Dazwischen haben es sich Blumen bequem gemacht. Ein Tor steht links des Spielfeldes und wartet darauf, abgeholt zu werden. Die übrigen Geräte sind bereits weg. Und auf dem Parkplatz zeugt nur noch ein Haufen Müll von dem Leben, das sich hier bis vor wenigen Wochen abspielte.

 

Ein Zustand, der Rita Schäfer stört - nicht nur, weil ihr Vater das Gelände vor ziemlich genau 80 Jahren mit aufgebaut hat. "Der Platz wurde bisher rege genutzt und auch wenn wir jetzt weniger Kinder haben als vor 20 Jahren, so werden es doch auch wieder mehr oder es sollen mehr werden", sagt die 63-Jährige. "Kinder sind unsere Zukunft und Menschen, die wir brauchen." Durch Maßnahmen wie die Schließung des Platzes schaffe man keine Perspektiven und bewege niemanden, nach Altenburg zurückzukommen.

 

"Das ist kurzsichtig und sehr traurig von der Stadt, dass man Dorfkindern einen Sportplatz vorenthält", kritisiert die Zetzschaerin weiter. "Denn nicht alle Eltern können es sich leisten, nach Altenburg reinzufahren, um zwei Stunden den Sportplatz zu nutzen." Zudem stößt ihr sauer auf, dass die Schließung im Vorfeld nicht öffentlich gemacht wurde. "So haben wir als Bewohner keine Möglichkeit der Mitsprache gehabt", empört sich Rita Schäfer. Das sei jammerschade. "Wenn die Stadt die restlichen Jugendlichen auch noch vertreiben will, muss sie das selbst wissen."

 

Mit ihrer Kritik steht Rita Schäfer nicht alleine da. Bereits in der Stadtratssitzung Ende Mai, auf der die Schließung bekannt wurde, hatten unter anderem Birgit Klaubert (Linke) und Peter Müller (Pro Altenburg) ihren Unmut darüber und über den Umgang mit dem Thema Luft gemacht. Geändert hat das aber nichts.

 

"Im gesamten Stadtgebiet ist der Spiel- und Trainingsbetrieb seit Jahren rückläufig", erklärte Rathaussprecher Christian Bettels nun auf Nachfrage. Speziell beim Fußball sei die Zahl der aktiven Mannschaften im Verlauf der letzten Jahre kleiner geworden, es gebe daher Fusionen. "Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die leere Stadtkasse strebt die Verwaltung eine Bündelung des Spielstätten-Betriebs in der Skatbank-Arena an." Dort stünden drei Rasenplätze, einschließlich des Waldspielplatzes, und der Kunstrasenplatz zur Verfügung. "Die Stadt kann den Vereinen dort gute Bedingungen bieten."

 

Tendenziell stimmt das, doch der Teufel steckt im Detail. "Wir haben am alten Waldspielplatz kein Vereinshaus mehr und nichts, wo wir uns mal hinsetzen können", beklagt Peter Köster, der die sportliche Leitung beim neuen FC Altenburg innehat. "Darunter leidet das Vereinsleben." Zwar bestätigte er, dass die Stadt dem Verein im Frühjahr angeboten hat, den Sportplatz in Eigenregie zu betreiben, kritisiert aber zugleich die starre Haltung. "Wenn mit uns anders geredet worden wäre, wäre sicher etwas möglich gewesen. Die komplette Kostenübernahme ist aber nicht drin."

 

Kein Wunder, möchte man meinen. Denn laut Stadtverwaltung belaufen sich die reinen Betriebskosten für Strom, Gas und Wasser im Jahr auf rund 6000 Euro. Hinzu kommen etwa 12 000 Euro für den Grundstückserhalt, also für Dinge wie etwa das Rasenmähen und die Platzpflege. Nach OVZ-Informationen sind diese jährlich aufzubringenden 18 000 Euro jedoch nur ein Mittelwert. Denn zwischen 2008 und 2012 bewegten sich die Kosten für den Platz in Oberzetzscha zwischen 15 500 und 20 400 Euro. Selbst bei Abstrichen und viel Eigenleistung blieben etwa 8000 bis 10 000 Euro für den Verein übrig.

 

Deshalb, und weil sich ein Großteil der Kicker dem neuen FC anschloss, kam auch für Aufbau Altenburg eine Übernahme nicht infrage. Die inzwischen wieder auf 30 Leute angewachsene Fußball-Abteilung hat nun aber ein Problem. Denn auf dem Sportplatz in der Münsaer Straße, wo die vornehmlich älteren Herren trainieren und spielen, kommt es zu Überschneidungen mit den Kickern von Einheit Altenburg. "Deswegen ist der Platz bisher nur vage und es wird noch nach anderen Alternativen geschaut", sagte Aufbau-Geschäftsführer Mirko Weigel. Dieses Problem könnte sich in den nächsten Jahren verschärfen, wenn die Stadt weitere Plätze schließt. Nach OVZ-Informationen hat etwa das Plateau nur noch eine Galgenfrist.

 

Doch das hilft Rita Schäfer mit Blick auf Oberzetzscha herzlich wenig - vor allem, weil sie auch ihre Hoffnung begraben muss, dass das Areal als Bolzplatz erhalten bleibt. "Es wird geprüft, ob sich die Fläche als Eigenheimstandort eignet", so Bettels. "Vom Ergebnis dieser Prüfung hängt auch ab, was mit dem vorhandenen Gebäude und der Beleuchtungsanlage wird." In der Zwischenzeit wird der ehemalige Sportplatz weiter verwildern - bis Gras über ihn und die ganze Sache gewachsen ist.

Thomas Haegeler

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