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Altenburg Stadtrat Altenburg ebnet trotz Widerstand und Risiken den Weg für Millionen-Bau
Region Altenburg Stadtrat Altenburg ebnet trotz Widerstand und Risiken den Weg für Millionen-Bau
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04:28 27.10.2018
Für das Baufeld für den Wohnpark Lindenau hat die SWG bereits Bäume fällen lassen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Manchmal reicht ein leichter Knopfdruck auf der Fernbedienung, damit große Dinge weitergehen. Am Donnerstag spätabends drückten im Ratssaal 22 Stadträte auf Grün. Mit ihrer Zustimmung zu einem Bebauungsplan nimmt nun mit knapp 20 Millionen Euro eines der größten Bauprojekte der jüngeren Altenburger Geschichte seinen Lauf – der Wohnpark Lindenau. Auf einem 1,6-Hektar-Grundstück zwischen Kaufland, Südstraße und Günthers Gärten sollen neun Häuser mit 96 Wohnungen entstehen. Bauherr ist die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG).

Nicht alle drücken auf Grün

Aber längst nicht alle Ratsherren und -damen tippten auf Grün. Zwölf betätigten die Stopptaste. Auch Peter Müller, Fraktionschef von Pro Altenburg, drückte auf Rot. Er hätte es nie für möglich gehalten, dass bei ihm im Laufe der Zeit solch große Bedenken entstehen, sagte er. Das Ziel einer Innenstadt-Belebung werde verfehlt, denn das Gebiet sei keine City-Lage. Der Fraktionschef warnte davor, dass die SWG als Investor die nächsten fünf Jahre in der Innenstadt nicht zur Verfügung stehe und sich beim Wohnpark Lindenau übernimmt. Laut neuestem Plan will das Unternehmen von 96 Wohnungen 40 selbst behalten und die übrigen einzeln oder in Paketen bis hin zu ganzen Häusern verkaufen und sich damit wieder flüssig machen. „Nur wird die SWG wirklich verkaufen?“, fragte Müller. Er forderte, das Projekt zu überdenken. „Das ist nicht der richtige Weg.“

Kein gutes Signal für Innenstadt

Das meinte auch Stadtratsvorsitzender Alexander Büring (CDU). An dieser Stelle und durch die SWG zu investieren, sei völlig falsch. Wenn Altenburg weiterentwickelt werden soll, müssen man sich in erster Linie um die Kernstadt kümmern. Dass vom Wohnpark Lindenau aus die Innenstadt belebt werde, bezeichnete Büring als abwegig.

Als entschiedenster Gegner brachte sich die Fraktion Stadtforum/Grüne in Stellung, die mit einem sechsseitigen Papier gegen die Pläne zu Felde zog. Darin wird vermerkt, dass für diese Wohnungen der Bedarf in Altenburg fehle, die Mieten von bis zu neun Euro viel zu hoch seien und dieses Gebiet besser als Eigenheimstandort vermarktet werden solle. Denn solche fehlten. Weit schwerer wiegt für das Stadtforum/Grüne allerdings, dass die SWG als wichtiger Investor in der Innenstadt ausfällt. „Damit würde ein mühsam begonnener Weg mit langsam sichtbaren Erfolgen abrupt enden“, was kein gutes Signal für die Innenstadt sei, heißt es im Papier. Denn durch die Sanierungen und Lückenschließungen mittels Neubauten konnten wichtige Projekte zur Rettung alter erhaltenswerter Gebäude und der städtebaulichen Stabilisierung von historischen Stadtstrukturen umgesetzt und damit private Hausbesitzer motiviert werden. Dies könnte die SWG nun an prominenter Stelle fortsetzen, nämlich im Quartier zwischen Spiegelgasse und Josephinum. Hier könnte die SWG ihre eigenen 40 Wohnungen, die sie in Südost plant, ebenso errichten. Das wäre für Altenburg und für die Gesellschaft sinnvoller und nachhaltiger.

Gegner sind in der Minderheit

Mit diesen Argumenten waren die Gegner des Wohnparks allerdings in der Minderheit. Für die Mehrheit sprach Nikolaus Dorsch (SPD). Für ihn sei Südost der Stadtteil mit dem höchstem Entwicklungspotenzial. Der dortige Wohnpark sei mitnichten zentrumsfern oder innenstadtfeindlich und habe mit guten Einkaufsmöglichkeiten, Busanbindung, Kindergärten und der Nähe zum Klinikum hervorragende Standfaktoren. „Mach’ mers endlich und pack’ mers an“, forderte Dorsch.

Dem schloss sich Harald Stegmann (Linke) an, der den Grünen vorwarf, alles in Frage zu stellen und Halbwahrheiten zu verbreiten. Der Wohnpark erfülle die Ziele der Stadtentwicklung, sei bedarfsgerecht und bezahlbar. Mit ihm habe die SWG nun ein bislang fehlendes Angebot im Portfolio. Jetzt umzuschwenken gehe nicht mehr, es seien bereits zu viele Vorleistungen erzielt worden. Allein der Stadtrat habe sich in 18 Sitzungen damit befasst, betonte Stegmann.

OB verteidigt Vorhaben

Das letzte Wort bekam der Oberbürgermeister. André Neumann (CDU) erinnerte daran, dass die SGW sehr viel für die Innenstadt getan habe. „Da haben wir uns nichts vorzuwerfen.“ Der Wohnpark sei der Beginn der Entwicklung der Südstraße, bei der man bislang nicht vorankam. Und selbst wenn der Lindenau-Park heute beerdigt werden würde, könnte die SWG morgen längst nicht in der Spiegelgasse bauen, erläuterte Neumann. Baureife dort bestehe in vier Jahren. Bis dahin sei die SWG in Südost in der Endphase und habe dann die Kraft, in der Innenstadt weiter zu investieren.

Von Jens Rosenkranz

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