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Stadtwerke Schmölln erhöhen Preise für Fernwärme

Abzocke? Stadtwerke Schmölln erhöhen Preise für Fernwärme

Still und leise habe die Schmöllner Stadtwerke ihre Preise für Fernwärme erhöht. Offizielle Gründe dafür gibt es nicht. Die großen Wohnungsverwalter üben Kritik, fordern die Einhaltung der Verträge und die Rückkehr zu den alten Beträgen. Auch Bürgermeister Sven Schrade (SPD) äußert Unverständnis

Die Biogasanlage hat zu wenig Ausbeute.

Quelle: Mario Jahn

Schmölln. Die Preis für Öl und Gas sinken auf ungeahnte Tiefstände, Verbraucher freuen sich. Nur die Schmöllner Mieter gucken in die Röhre. Für sie hat sich seit dem letzten Quartal die Fernwärme verteuert. Der Versorger sind die Stadtwerke Schmölln, eine 100-prozentige Tochter der Sprottestadt. Bislang mussten die Verbraucher 78 Euro pro Megawattstunde zahlen, fortan sind es 81,50 Euro, eine Erhöhung um rund 3,8 Prozent.

Die meisten Mieter werden dies wohl noch gar nicht gemerkt haben. Kein Wunder, es wurde auch nicht offiziell angekündigt. Auf der Internetseite weist lediglich die Bemerkung in einer Klammer „ab IV. Quartal 2015“ darauf hin, dass Wärme in Schmölln teurer wird.

Die Schmöllner Stadträtin und Linken-Kreisvorsitzende Ute Lukasch bezeichnet diese heimliche Erhöhung als Schweinerei. Dazu zähle auch, dass die Geschäftsführung die Öffentlichkeit nicht über die Gründe unterrichtet und vielleicht darüber aufgeklärt hat, warum in Zeiten, wo der Gaspreis sinkt, die Fernwärme teurer wird. Lukasch vermutet, dass die Verbraucher auf diese Art und Weise die Defizite der unrentabel arbeitenden Biogasanlage ausgleichen müssen.

Eigentlich sollten mit dem über diese Anlage produzierten Gas die Kosten für die Fernwärmeproduktion in der Stadt gesenkt werden. Das Gegenteil scheint nun der Fall zu sein.

Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) dementierte gegenüber der OVZ, dass die Verbraucher die Defizite der Biogasanlage bezahlen müssten. Allerdings bezeichnete er den Ertrag der Anlage als nicht zufriedenstellend. Dass sich nun die Preise erhöhen, „gefällt mir auch nicht“, sagte der Bürgermeister, der über die Gründe von Stadtwerke-Chef Jürgen Ronneburger nicht informiert wurde. Schrade bezeichnete die Verteuerung als ernsthaftes Problem, denn er sieht die Gefahr, dass sich die Großabnehmer neue Wärmezulieferer suchen könnten.

Noch ist es nicht so weit. Doch nachgedacht wird darüber schon. Beispielsweise in der Vokus-Hausverwaltung, dem größten privaten Unternehmen dieser Art in der Stadt. Geschäftsführer Volker Kutzner pocht auf die Einhaltung des gültigen Abnehmervertrages und verlangt, dass die Preise zumindest auf das Ausgangsniveau gesenkt werden. Angesichts der deutlich gesunkenen Einkaufspreise hätte er eigentlich mit einem Rückgang der Kosten gerechnet. Die jetzige Entwicklung bezeichnet Kutzner deshalb als nicht nachvollziehbar und nicht hinnehmbar.

Ähnlich sieht dies Kristian Blum, Geschäftsführer der in kommunalem Besitz befindlichen Wohnungsverwaltung, dem größten Vermieter der Stadt. Er sieht ebenso einen Verstoß gegen den noch vier Jahre laufenden Abnehmervertrag. Danach seien Preisanstiege nur möglich, wenn sich Bezugs- und Personalkosten oder der Kapitaldienst erhöht habe. Dies treffe nicht zu, und Gas könne man sogar billiger einkaufen. Der ihm bekannte Grund für die Verteuerung sei ein anderer, erklärte Blum. Danach habe Ronneburger den Anstieg mit den über Jahre sinkenden Abnahmemengen begründet.

Eine Stellungnahme von Jürgen Ronneburger war nicht zu erhalten. Der Geschäftsführer hat eine schriftliche Anfrage der OVZ vom 1. Februar bislang nicht beantwortet.

Von Jens Rosenkranz

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