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Stadtwerke Schmölln verschmutzen mit Gewerbe-Abwässern Köthelbach

Amt verhängt Einleitestopp Stadtwerke Schmölln verschmutzen mit Gewerbe-Abwässern Köthelbach

Seit mehreren Monaten wird Schmutzwasser aus dem Schmöllner Gewerbegebiet Nitzschka in den Köthelbach eingeleitet. Ursache dafür ist die Überlastung des veralteten Regenrückhaltesystems, vor allem bei Starkregen und dem Anfall zu großer Abwassermengen. Der zuständige Fachdienst des Landratsamts verhängte am Dienstag einen Einleitestopp.

Hier fließt das schmutzige Abwasser in den Jägerfließ.

Quelle: Jens Rosenkranz

Schmölln. Der Köthelgrund, ein langgestrecktes schmales Wäldchen zwischen Schmölln und dem Ortsteil Zschernitzsch, ist ein kleines Naturparadies, durch das sich ein gleichnamiger Bach schlängelt. Wer Glück hat, kann Eisvögel beobachten oder den Zaunkönig, im Wasser tummelten sich Stichlinge. Diese Idylle ist seit Spätsommer vergangenen Jahres zu Ende. Etwa im September wurde ungeklärtes Abwasser eine Zeitlang aus dem Industriegebiet Nitzschka in den Köthelbach geleitet. Von dort landete es in der Sprotte und später in der Pleiße.

Dieser Vorgang hat sich in den letzten Wochen wiederholt. OVZ-Recherchen vor Ort ergaben, dass über ein Rohr stinkende Abwässer aus dem Gewerbe-Areal über den Jägerfließ, ein klitzekleines Bächlein, in den Köthelbach flossen, an einem Tag mehr, am nächsten weniger. Aber immer so viel, dass sich ein übler Geruch auf die Gegend legte und das Wasser mit einer milchigen Flüssigkeit verschmutzt wurde. An der Einleitestelle verdreckt eine schmierige graue Paste Steine und Gräser. Von dort zieht sich die Brühe bis zum Bach, dessen klares Wasser sich fortan eintrübt. Spaziergänger dort haben wenig Freude am Geplätscher, das nicht nur mies aussieht, sondern gehörig riecht. Doch nicht nur das. Der Köthelgrund liegt in der Trinkwasserschutzzone, weil sich dort die Tiefbrunnen für die Wasserversorgung von Schmölln befinden.

Der von der OVZ über diese Vorfälle informierte Fachdienst im Landratsamt hat darauf reagiert. Verantwortlich für die Verschmutzung sind die Stadtwerke Schmölln. Diese erhielten am Dienstag eine Anordnung, die Einleitung des Abwassers sofort zu stoppen. Darüber informierte Fachdienstleiterin Birgit Seiler die OVZ. Sollten die Stadtwerke der Unterlassungsanordnung nicht nachkommen, droht ein Zwangsgeld von 5000 Euro.

Die stark verunreinigten Abwässer haben nichts im Köthelbach zu suchen, betont Birgit Seiler. Faktisch müssten sie über das vorhandene Kanalsystem zum Klärwerk bei Zschernitzsch transportiert werden. Warum das nicht passiert, wisse man nicht. Ebenso unklar sei, wie lange und wie viel Schmutzbrühe bereits eingeleitet wurde. Den Stadtwerken wurde außerdem auferlegt, den verdreckten Jägerfließ und den verschmutzten Köthelbach zu sanieren.

Seltsam ist allerdings nicht allein die illegale Einleitung, sondern ebenso ein völlig verdreckter und übel riechender Regenüberlauf-Teich am Rande des Industriegebietes auf dem Gelände der Stadtwerke, von dem das ungeklärte Abwasser offensichtlich direkt in den Bach abfließt. Solche extrem mit organischen Stoffen belasteten Abwässer haben in einem solchen Teich nichts zu suchen, erklärt Birgit Seiler. Denn dieser Teich dient eigentlich dazu, Oberflächenwasser bei Starkregen aufzufangen, um die Kanalisation nicht zu überlasten.

Doch das Anfang der 90er-Jahre errichtete Abwasser-System im Gewerbegebiet funktioniert nicht mehr richtig. Überdeutlich wurde dies bei einer Havarie in einem großen Lebensmittel-Hersteller im September 2016, als große Mengen verdünnten Abwassers auf einmal abgeleitet werden mussten. Nach OVZ-Informationen handelt es sich dabei um die Burkhardt Feinkostwerke, einer der größten Abwassererzeuger in Schmölln.

Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) bezeichnete die Verschmutzung als ärgerlich und nicht hinnehmbar. Er sicherte sowohl den Einleitestopp als auch die Bachsanierung zu. Grund der Einleitung sei, dass die Kapazität des Regenüberlaufsystem im älteren Teil des Gewerbegebietes nicht ausreicht. Bei Regen oder dem Anfall großer Abwassermengen, beispielsweise von den Feinkostwerken, würde Mischwasser in den Regenüberlaufteich abgeschlagen. Allerdings dürfe dies nur stark verdünnt sein. Diese Verdünnung sei jedoch nicht erreicht worden.

Von Jens Rosenkranz

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