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Stadtwerkechef Thomas Reimann erläutert die jüngsten Entscheidungen des ESS

Stadtwerkechef Thomas Reimann erläutert die jüngsten Entscheidungen des ESS

Investitionen, bei denen die Bürger zur Kasse gebeten werden, eingebrochene Kanäle und ein Nein zu Annäherungsversuchen durch den ZAL haben in den vergangenen Wochen für Diskussionen um den Meuselwitzer Eigenbetrieb Stadtwerke Schnaudertal (ESS) gesorgt.

Meuselwitz.

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Reimann: Die Investitionen in Falkenhain und der Ringstraße sind ganz normale Maßnahmen, wie sie im Versorgungsgebiet an der Tagesordnung sind. Ich erinnere an ähnliche Arbeiten in Waltersdorf, Brossen und Wintersdorf. Und es ist auch normal, dass diese Investitionen im Wasser- und Abwasserbereich mit Straßenbaumaßnahmen einhergehen. In der Ringstraße werden zum Beispiel außer dem Trink- und Abwassernetz auch noch 16 Blei-Hausanschlüsse erneuert. Ich kann verstehen, dass die Bürger nach dem Sinn von Maßnahmen fragen, wenn die Straßen durch Oberflächenbehandlung in einem kurzzeitig guten Zustand versetzt worden sind. Man sieht aber nicht, dass sich darunter das Wasser- und Abwassernetz in einem desolaten Zustand befindet. Gesetzlich sind wir dazu verpflichtet, die Regeln der Technik, wozu auch die Dichtheit von Abwasserkanälen gehört, einzuhalten. Die Maßnahme in Falkenhain wurde bereits häufig erläutert. Ich möchte aber nochmals darauf hinweisen, wir hatten sie für die nächsten Jahre nicht im Plan. Aufgrund der Schließung des Kraftwerkes in Mumsdorf und damit des Rusendorfer Sees waren wir gezwungen, die Abwasserentsorgung des Ortes generell neu zu planen. Wir sind froh, dass wir für dieses Vorhaben noch Fördermittel bekommen haben. Die Bürger müssen aber nicht tiefer in die Tasche greifen, da wir eine Globalberechnung haben und so in unserem Versorgungsgebiet alle die gleichen Abwasserbeiträge zahlen.

In Meuselwitz sind seit Monaten zwei Straßen teilweise gesperrt, weil Kanäle eingebrochen sind. Wie sehen die Kanäle unter der Stadt Meuselwitz überhaupt aus?

Das ist richtig. Der Zustand des Kanalnetzes in der Altstadt ist sehr schlecht. Die Freiligrathstraße wird noch in diesem Jahr durch den Eigenbetrieb in dem Abschnitt instand gesetzt. Die notwendigen Mittel stehen im Reparaturfonds zur Verfügung. Die Fritz-Kramer-Straße wird 2012 gemeinsam mit der Stadt Meuselwitz grundhaft ausgebaut. Damit wäre dann das Gebiet um diese Straße komplett saniert. Es weiß keiner, wann der nächste Kanal einbricht, denn manche liegen schon rund 100 Jahre. Der Eigenbetrieb hat den Ist-Zustand des Wasser- und Abwassernetzes untersucht. Daraus geht hervor, dass allein die Sanierung des Netzes in der Altstadt mehr als vier Millionen Euro kosten würde.

Es ist geplant, weitere Ortsteile an die zentrale Kläranlage anzuschließen. Damit ist ein enormer Kostenaufwand für den ESS verbunden. Wäre das Errichten von dezentralen Kleinkläranlagen nicht preiswerter?

Mit der Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes erreichen wir, dass für Ruppersdorf, Neubraunshain und einzelne Häuser in der Luckaer Straße erst einmal alles so bleibt, wie es ist. Die Bürger hätten sonst in den nächsten fünf Jahren eine vollbiologische Kläranlage auf ihren Grundstücken errichten müssen. Wir haben uns mit diesem Beschluss die Freiheit geschaffen, gerade wegen der demografischen Entwicklung in den nächsten 15 Jahren über Einzellösungen zu reden. Schließlich ist das Konzept ein flexibles Instrument, das an die Erfordernisse angepasst werden kann. Wir sind natürlich an einer Auslastung der Kläranlage interessiert, da ja jede nicht ausgelastete Kläranlage Kosten verursacht, die sich in den Gebühren für die Bürger niederschlagen.

Es hat den Anschein, dass mit diesem Vorhaben die Auslastung des großzügig dimensionierten Meuselwitzer Klärwerks in Zukunft gesichert ist und den sinkenden Einwohnerzahlen entgegengewirkt werden soll - koste es, was es wolle.

Es stimmt nicht, dass die Kläranlage überdimensioniert ist. Die Argumentation stammt aus den 90er-Jahren, als man Lucka mit anschließen wollte. Warum sollten wir sonst in diesem Jahr den Schlammspeicher für rund 600 000 Euro erweitern. Diese Teile sind damals nicht mit gebaut worden und fehlen uns heute.

Die Stadtwerke schreiben seit mehreren Jahren schwarze Zahlen. Warum gibt man die Gewinne nicht an die Bürger weiter und senkt die Preise?

Der Stadtrat hat beschlossen, dass die Gewinne für Investitionen verwendet werden. Und das ist sinnvoll, wenn ich mir das Netz in der Stadt Meuselwitz anschaue.

Sie selbst haben mehrfach größere Einheiten bei Abwasser- und Wasserverbänden gefordert. Warum bekam der ZAL dann einen Korb beim Versuch, sich mit dem ESS zusammenzutun?

Das war eine demokratische Entscheidung des Betriebsausschusses. Natürlich hat man aber auch mich nach meiner Meinung gefragt. Schauen Sie sich doch nur die zerklüftete Gebietsstruktur des ZAL an. Ich habe immer bekundet, dass ich hinter größeren Einheiten stehe. Aber das heißt nicht, der ZAL und die Stadtwerke Schnaudertal gehen zusammen, sondern dass man alles prüfen lassen muss. Es gibt die Stadt Altenburg, die Stadt Schmölln und andere Gemeinden, die wasser- und abwasserwirtschaftlich noch selbstständig sind. Es gibt aber noch eine Vielzahl anderer Argumente. Wir schreiben schwarze Zahlen, können unproblematisch auf Erfordernisse reagieren und verfügen über ein klares Entwicklungskonzept. Meiner Meinung nach zäumt man das Pferd von hinten auf. Es ist doch sinnvoller, dass man als Erstes die Länderreform, als Nächstes die Kreisreform und dann die Gebietsreform macht.Wenn man dann endlich weiß, welche Gebiete zusammengehören, kann man sicherlich auch über Änderungen der Verbandsstrukturen reden und auch größere Einheiten bilden.

Wo sehen Sie in den nächsten Jahren die Zukunft des Eigenbetriebes?

Darüber muss der Stadtrat entscheiden. Es gibt aber einige Möglichkeiten, das Geschäftsfeld zu erweitern. Das lässt unsere Satzung auch zu. Da wäre zum Beispiel die Gewinnung alternativer Energie durch Solaranlagen auf dem Gebäude des Eigenbetriebs. Wir sind für alles offen, wenn es Sinn macht und unsere Bürger nicht mehr Geld kostet. Im Zusammengehen nur mit dem ZAL sehe ich derzeit keine Zukunft. Interview: Marlies Neumann

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