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Städte und Dörfer melden: Land unter

Städte und Dörfer melden: Land unter

Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Landkreis gestern am frühen Nachmittag eine Unwetterwarnung herausgegeben. Es sei mit Starkregen mit Wassermengen von bis zu 40 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde, örtlich auch von bis zu 60 Litern zu rechnen, hieß es.

Altenburg.

Ob es am Ende soviel geworden sind, ließ sich gestern noch nicht klären. Auf jeden Fall war es mehr als genug. Das Altenburger Land meldete vielerorts Land unter.

 

Als erste Feuerwehr muss die Schmöllner ausrücken. Dort hat das Unwetter die Straßen unter den Bahnbrücken geflutet - wieder einmal. Mindestens ein Auto muss die Feuerwehr aus den fast einen Meter hoch stehenden Wassermassen holen. "Dann kamen die Alarmierungen regelrecht im Minutentakt", so Heiko Freyer vom Fachdienst Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt. In Altkirchen laufen ebenso Keller voll und stehen Straßen unter Wasser wie in Vollmershain. Parallel dazu fließt Schlamm in Gößnitz auf Teile der B 93 im Bereich der Tankstelle und der Gärtnerei. Kurze Zeit später erreicht das Unwettertief Rositz, wo neben Kellern auch die Talstraße sowie Fichtenhainichen unter Wasser gesetzt werden. Schwer suchen die heftigen Regengüsse ebenso Nobitz, Zehma, Burkersdorf, Mockern und Lehndorf heim. "Es ist ziemlich schlimm, besonders in Gleina ", so der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD). Dort hat das Wasser die Straße durch den Ort auf einer Breite von einigen Metern regelrecht aufgerissen "Das sieht aus wie nach einem Erdbeben. Wie das passiert ist, kann ich noch nicht sagen", so Läbe.

 

Und auch die Meuselwitzer bleiben nicht verschont. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, hat der Blitz in der Friedrich-Ebert-Straße in das Dach eines Hauses eingeschlagen. Näheres zu Schäden ist bislang nicht bekannt. Zudem dringt Wasser ins Schüler-Jugend-Freizeit-Zentrum, in die Kitas Wintersdorf und "August Fröhlich" in Meuselwitz sowie in Gebäude der Ackerstraße und der Mühlgasse ein. In letzterem muss die dort untergebrachte Meldestelle geschlossen werden.

 

In Windischleuba sind im Gewerbegebiet unter anderem der Obi-Baumarkt und Möbel-Schröter betroffen, hier stehen die LKW bis zu den Stoßstangen im Wasser.

 

In Altenburg erwischt es einmal mehr die Leipziger Straße an der Eisenbahnbrücke. Auch hier kommt ein PKW aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Das Bahnhofscenter muss wegen massiven Wassereinbruchs schließen - das hat es bislang noch nie gegeben. Ebenso arg betroffen ist das Kaufland in Altenburg-Nord. Das Wasser läuft vom überfluteten Parkplatz direkt in den Supermarkt. An der Kreuzung Stauffenbergstraße/Kauerndorfer Allee saufen zwei Autos ab. Sie müssen später abgeschleppt werden. Stark in Mitleidenschaft gezogen ist zudem der Richard-Wagner-Platz. Und im Keller des gerade neu errichteten Medicums vom Klinikum Altenburger Land steht ebenfalls Wasser, weshalb das Café geschlossen werden muss.

 

Besonders arg getroffen hat es zum wiederholten Mal die Wallstraße und die hier ansässigen Geschäftsleute. Ob bei Fritz & Kids, in der Bank oder der Apotheke - überall sind die Keller vollgelaufen und die Geschäftsräume in Mitleidenschaft gezogen. In der VR-Bank-Filiale stehen Vorstand Holger Schmidt und seine Mitarbeiter mit hochgekrempelten Anzughosen barfuß im Wasser und versuchen, mit Besen und Wischern das Wasser wieder auf die Straße zu befördern. "Morgen müssen wir auf jeden Fall schließen und Fachleute den Schaden beurteilen lassen. Fußböden, Teppiche, Elektrik, Möbel - alles ist nass oder verdreckt. Auch müssen wir den Geruch wieder aus den Räumen kriegen", so der Bank-Chef.

 

In der benachbarten Apotheke ist man ebenfalls schwer am Saubermachen. "Zum Glück habe ich vom letzten Mal die Sandsäcke aufgehoben. Die haben mich diesmal vor Schlimmerem bewahrt", erzählt Apothekerin Gabriele Gumprecht.Ungeschoren ist sie dennoch nicht davon gekommen angesichts der Wassermassen, die sogar einen großen Gullydeckel wegschwemmen. Die Feuerwehrmänner haben ihn suchen müssen.

 

Angesichts dieser Zustände hat die Berufsfeuerwehr zusätzlich alle freiwilligen Kameraden alarmiert, um Schritt für Schritt die Unwetterschäden abzuarbeiten. Insgesamt werden wohl rund 150 Einsätze der Feuerwehren zusammenkommen, schätzt Heiko Freyer ein. "Es ist überall das gleiche Bild. Überschwemmungen und vollgelaufene Keller."

 

"Wir müssen jetzt alles nach Prioritätenliste abarbeiten", ergänzt ein Sprecher der Altenburger Berufsfeuerwehr, der die massiven Schäden allein im Stadtgebiet bestätigt. "Um die 80 Einsätze liegen aktuell an", sagte er gegen 18 Uhr. Das werde wohl bis in die Nacht hinein gehen.

Ellen Paul, Jörg Wolf und Jens

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