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Staffelwechsel bei den Meistern von Brot und Torten - Romy Strobel übernimmt die Leitung des Altenburger Familienunternehmens in vierter Generation

Staffelwechsel bei den Meistern von Brot und Torten - Romy Strobel übernimmt die Leitung des Altenburger Familienunternehmens in vierter Generation

Offiziell hat Romy Strobel im Familiengeschäft seit Montag dieser Woche den Hut auf. In vierter Generation leitet sie nun die Geschicke der Familienbäckerei am Altenburger Markt, die dort schon seit 93 Jahren etabliert ist.

Altenburg.

 

"Es ist bei uns Tradition, den Staffelstab immer am 1. Oktober weiterzugeben. Denn am 1. Oktober 1919 haben Frieda und Paul Strobel das Geschäft eröffnet", erzählt die junge Konditormeisterin, die Urenkelin der Gründer.

Den Hut im Familienbetrieb hat Romy Strobel aber nicht erst seit Montag auf, sondern schon seit Anfang Mai. Als Vater Rainer Strobel, der in dritter Generation das Geschäft 33 Jahre führte, über Nacht schwer erkrankte, musste die Tochter sofort kommissarisch übernehmen. "Klar war das ein Sprung ins kalte Wasser für mich", bekennt die 34-Jährige. "Vielleicht hatte dieser plötzliche Wechsel aber sogar etwas Gutes." Denn so tragisch es auch klingt: Ein Abschied auf Raten aus der Verantwortung für das Geschäft wäre dem Vater sicher sehr viel schwerer gefallen. "Das Bäckerhandwerk liegt uns allen wohl irgendwie in den Genen", lacht Romy Strobel.

Mittlerweile hat der 60-jährige Altmeister erfolgreich eine Reha absolviert. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. "Mir ist durch die Krankheit ziemlich schnell klar geworden, dass ich diesen schweren Beruf und die Verantwortung als Firmenchef nicht mehr ausüben kann", sagt Rainer Strobel.

Noch dazu, wo er wusste, dass seine Jüngste sozusagen in ihren Beruf und die Verantwortung hineingewachsen war. "Ja, ich bin schon ein richtiges Handwerkerkind, denn ich bin hier im Betrieb groß geworden", bestätigt die Tochter, die schon im Jahr 2000 ihre Prüfung zur Konditormeisterin erfolgreich bestanden hat und im In- und Ausland berufliche Erfahrungen sammelte.

"Jetzt ist Romy dran und daran halte ich mich auch", sagt Rainer Strobel. Wirklich? "Naja, anfangs, als ich nach dem Krankenhaus-Aufenthalt wieder zu Hause war, lag ich manchmal schon wach und habe darauf gewartet, dass früh um drei Uhr der Ofen angeworfen wird", erzählt der Altenburger mit einem Schmunzeln. Einmal sei er sogar ins Parterre hinabgestiegen, um nach dem Rechten zu schauen - ihm war es zu ruhig vorgekommen. Von seiner Tochter kam daraufhin eine klare Ansage: entweder du oder ich. "Ja, sie ist die Chefin und die Bäckerei in guten Händen", fügt er hinzu, und es schwingt väterlicher Stolz in seiner Stimme. "Mittlerweile kann ich ruhig durchschlafen, weil ich sicher bin, dass alles läuft."

Romy Strobel will das Unternehmen mit seinen sechs Mitarbeitern in der bewährten Familientradition fortführen. "Ich bin eine Strobel und will auch eine bleiben. Und darauf bin ich stolz", sagt sie bestimmt. Dass eine Konditormeisterin, mithin eine Expertin für die süßen Köstlichkeiten, einer Feinbäckerei vorsteht, ist für sie kein Nachteil. "Ich habe ja zuerst eine Ausbildung zum Bäcker absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Also weiß ich sehr wohl mit Sauerteig und den herzhaften Sachen umzugehen."

Während Vater Rainer gesundheitsbedingt ganz aussteigen muss, wird Mutter Marion weiter im Geschäft dabei sein. Sowohl im Laden als auch hinter den Kulissen, wo sie für den "Papierkram" zuständig ist. "Man hat zu so einem Familienbetrieb eine besonders enge Bindung, noch dazu, wenn man unter seinem Dach wohnt", sagt sie.

Auch Romy und ihr Lebensgefährte leben in dem altehrwürdigen Haus am Markt. Und mit ihnen Tochter Edda (5) und Sohn Theo (2) - vielleicht die fünfte und nächste Generation der Bäcker- und Konditorendynastie Strobel? Das weiß man heute natürlich noch nicht. Aber sicher ist, dass Romy Strobels Antritt als Chefin heute ein wenig gefeiert werden soll - mit der treuen Kundschaft.

Jörg Wolf

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