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Starkenberger Einbrecherquartett: Kleine Beute, drastische Strafen

Prozess vor dem Altenburger Amtsgericht Starkenberger Einbrecherquartett: Kleine Beute, drastische Strafen

Damit hatten Nadine R., Perez C., Marcel R. und Marco J. nicht gerechnet: Wegen schwerem gewerbsmäßigen Diebstahls verhängte am Montag das Amtsgericht Altenburg Freiheitsstrafen – die längste zwei Jahre und acht Monate, die kürzeste ein Jahr und vier Monate. Ohne Bewährung.

Vor dem Amtsgericht Altenburg wurden am Montag Haftstrafen ausgesprochen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Damit hatten Nadine R., Perez C., Marcel R. und Marco J. nicht gerechnet: Wegen schwerem gewerbsmäßigen Diebstahls verhängte am Montag das Amtsgericht Altenburg Freiheitsstrafen – die längste zwei Jahre und acht Monate, die kürzeste ein Jahr und vier Monate. Ohne Bewährung. Fanden die vier Angeklagten während des Prozesses noch Gründe zur Erheiterung, verging ihnen zur Urteilsverkündung das Lachen. Dabei blieb das Gericht in allen Fällen unter dem beantragten Strafmaß der Staatsanwaltschaft.

Die Anklagebehörde hatte für die Einbruchserie Anfang 2016 Gefängnisaufenthalte von einem Jahr und zehn Monaten bis hin zu dreieinhalb Jahren gefordert. Es seien durchaus ungewöhnlich hohe Forderungen, räumte Staatsanwalt Frank Erdt ein. Doch die Dreistigkeit, mit der das Quartett seinen Lebensunterhalt und den Drogenkonsum mit Diebeszügen über Wochen hinweg bestritt, wiegen schwer. Auch die Tatsache, dass die Täter unbeeindruckt blieben – von den beinahe täglichen Polizeibesuchen in der Wohnung, von Tatzeugen und nicht zuletzt vom Groll der Starkenberger Bürgerschaft.

Letztere war im Januar und Februar 2016 drauf und daran, eine Bürgerwehr zu gründen, um der dorfbekannten Bande endlich Einhalt zu gebieten. Alles das sowie die Vorstrafen rechtfertigen, ja verlangen ein hohes Strafmaß, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Nicht zuletzt auch, weil die Justiz in solchen Fällen der Aufgabe einer gewissen Generalprävention gerecht werden müsse.

Dieser Argumentation schloss sich das Gericht weitestgehend an. „Generalprävention hin oder her: Sie haben über lange Zeit ein Dorf in Angst und Schrecken versetzt, was Ihnen überhaupt nicht klar zu sein scheint. Für sie war das alles irgendwie ein Happening, die Einbrüche und auch die Verhandlung“, sagte der Vorsitzende Richter Sandy Reichenbach am Ende des Prozesses zu der 30-jährigen Frau und den Männern im Alter zwischen 23, 27 und 37 Jahren. Wie Reichenbach in seiner Urteilsbegründung erklärte, sei zu berücksichtigen gewesen, dass jeder in dem Quartett vorbelastet ist, wenn auch nicht immer einschlägig.

Zugute hielt das Gericht den Tätern, dass sie umfänglich gestanden haben. Ohne diese Einlassungen hätte auch eine Verurteilung wegen bandenmäßigen Diebstahls im Raum gestanden, wo das Gesetz für jedes einzelne der rund 20 Delikte eine Mindeststrafe von einem Jahr vorschreibt. Was auch noch nicht vom Tisch sei, weil gegen das Urteil Rechtsmittel möglich sind.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidiger könnten die nächste Instanz bemühen. Letztere hatten, wie es ihre Aufgabe ist, für die Mandanten Partei ergriffen und deutlich geringere Strafen gefordert. So argumentierte etwa der Verteidiger von Marcel R., dass doch die Generalprävention kein Maßstab für die Urteilsfindung sein könne. Das Wesen der Justiz sei es, unabhängig und nur auf Basis der Gesetze Recht zu sprechen. Darüber hinaus verwiesen die Anwälte auf die teils schwierigen familiären Verhältnisse und den hohen Drogenkonsum der Angeklagten.

Das Quartett hatte im vergangenen Jahr von Starkenberg aus Lauben, das Sportlerheim, eine Kneipe und diverse Keller regelmäßig heimgesucht und dort meist Lebensmittel im Wert unter 50 Euro mitgehen lassen. Bei Gelegenheit steckten die Diebe auch mehr oder weniger wertvolles technisches Gerät ein. Die vier Freunde lebten bis etwa Mitte vergangenen Jahres in einem Mietshaus-Block in Starkenberg.

Von Jörg Reuter

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