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20:33 13.05.2013
Beschenkt die Altenburger mit einem Konzert der Extra-Klasse - Christopher Ward. Fotos: Jens Paul Taubert Quelle: Jens Paul Taubert

Generalintendant Kay Kuntze will die mehr als peinliche Situation einer zweijährigen (!) Suche zum Schluss dieser Spielzeit beenden und einen neuen musikalischen Chef bekannt geben. Ward dürfte nach seinem Auftritt vermutlich keine schlechten Chancen haben.

Denn das 7. Philharmonische Konzert brachte mit der Programmgestaltung wie mit dem Kandidaten Außergewöhnliches. Der erste Teil war ganz Barockmusik und hatte als Schwerpunkte zwei Trompetenkonzerte von Georg Friedrich Händel und Johann Baptist Georg Neruda, einem böhmischen Komponisten und langjährigem Violinisten der damaligen Dresdner Hofkapelle. Ergänzt wurden diese beiden Konzerte durch Ausschnitte aus einer Suite der Ballettkomödie "Der Bürger als Edelmann" von Jean-Baptiste Lully, reine höfische Ergebenheitsmusik für den französischen König Ludwig XIV.

Als Kandidat für die Chefdirigenten-Stelle fungierte der junge Engländer Christopher Ward, zurzeit tätig als Kapellmeister an der Münchener Staatsoper. Schon in diesem ersten Teil des Konzertes leitete er sehr konzentriert das verkleinerte Orchester, machte den unterschiedlichen Charakter der einzelnen Suitenteile deutlich und war dem international schon sehr bekannten Trompetensolisten Gabor Boldoczki aus Ungarn ein sehr aufmerksamer Partner.

Dieser weiß um die Strahlkraft seines Instrumentes. Er setzte diese jedoch sehr geschmackvoll ein und lief nie Gefahr, gegen das ihn begleitende Orchester aufzutrumpfen und die auf Ausgewogenheit bedachte Balance zu gefährden. Der Solist vermied übertriebene Virtuosität und ordnete dieser eine geschmeidig ausgesungenen Kantabilität unter. Allein in der Zugabe nach stürmischem Applaus, einem Vivace von Telemann, gab er den Tonkaskaden außergewöhnlich technische Konturen.

Nach der Pause stand dann Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92 auf dem Programm, deren Richard Wagners Bezeichnung als "Apotheose des Tanzes" dem gesamten Konzert den Namen gab. Dies ist ein Werk von beeindruckender Größe. Es vereint gewaltige Energie und bewegende Poesie zu einem harmonischen Ganzen. Beiden Seiten wurde Ward in seiner Interpretation gerecht. Er zerlegte die Themen und legte die ihnen innewohnende musikalische Energie frei. Das geschah durch das Orchester mit einer Intensität und Qualität, die gewohnte Grenzen überschritt. Schon mit der langen Einleitung des ersten Satzes nahm der erst 33-jährige Dirigent das Orchester in seinen Griff und ließ es bis zum letzten Akkord nicht mehr los. Mit einer Energieleistung ohnegleichen lieferte er mit dem Orchester eine Interpretation dieser beethovenschen Sinfonie, die die Zuhörer überwältigte.

Im zweiten Satz, dem Allegretto, der wohl erhabensten Musik Beethovens, legte Ward mit den Streichern Schicht auf Schicht und steigerte diesen Trauermarsch mit einer Intensität ohnegleichen zu einem ergreifenden Stimmungsbild. Auch die Scherzoteile des dritten Satzes steuerten zielstrebig durch stürmische See. Nichts geschah zum musikalischen Selbstzweck. Und so unwiderstehlich stürzte sich das Orchester, angetrieben vom Dirigenten, in das temporeiche Finale. Das war eine Aufführung unter Hochspannung, eine tolle Konzentrationsleistung mit Seltenheitswert in einer musikalischen Qualität, die Staunen macht. Eine Sternstunde für alle, die dabei waren.

So viel Jubel, Bravorufe und Trampeln bei Philharmonischen Konzerten sind in Altenburg selten. Aber außergewöhnliche Leistungen sichern außergewöhnliche Belohnung.

iDer letzte Bewerber für die GMD-Stelle, Markus Huber aus Pforzheim, dirigiert am 26. Mai, 14.30 Uhr, in Gera die Schostakowitsch-Oper "Lady Macbeth von Mzensk". Karten unter % 03447 585160.

Hainich, Manfred

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