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"Stiefkind" im Rampenlicht - Das Altenburger Lindenau-Museum widmet der Grafik ein umfangreiches Wochenend-Programm

"Stiefkind" im Rampenlicht - Das Altenburger Lindenau-Museum widmet der Grafik ein umfangreiches Wochenend-Programm

Warteschlangen vor einer grafischen Sammlung? Gemeinhin sicher kein übliches Bild, nicht einmal an großen Häusern. Am Sonnabendnachmittag indes sind sie im Lindenau-Museum zu erleben.

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Der Leiter der Grafischen Sammlung, Thomas Matuszak (l.), weiß in der Kunstbibliothek Lindenaus viel Interessantes zu erzählen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Von Frank Engelmann

Und das im wahrsten Sinne des Wortes, aus teils gutem Grund. Grafische Blätter sind äußerst licht- und staubempfindlich. Daher können sie einer breiteren Öffentlichkeit stets nur für überschaubare Zeiträume präsentiert werden, ehe sie zurückkehren zu fachgerechter, konservatorisch überwachter Lagerung in den Depots. Andererseits gilt die Grafik auch in der Wahrnehmung und Wertschätzung vieler Museumsbesucher, gar bei Kunstfreunden als Stiefkind. Im Vergleich zur Attraktivität einer Gemäldeausstellung verblasst die Grafik, zumal oft kleinformatig oder gar schwarz-weiß, eben allzu leicht.

"Der Grafik ergeht es wie der Lyrik im Vergleich zum Roman", fasst der Leiter der rund 50 000 Objekte umfassenden Grafischen Sammlung, Thomas Matuszak, seine Erfahrungen zusammen - und freut sich umso mehr, dass an diesem Nachmittag just vor seiner Tür besagte Wartegemeinschaften auf Einlass harren. In zwei Gruppen müssen die Interessierten an einer Führung durch sein Depot aufgeteilt werden - und weil die Gäste Fragen über Fragen haben, werden aus den geplanten Zwanzig-Minuten-Runden weitaus längere. Doch auch Gruppe zwei kommt nach einer Geduldsprobe schließlich in den Genuss exklusiver Ausführungen des Grafikexperten, der am Ende weit über anderthalb Stunden über die Grafik an sich, über Techniken, Werkgruppen, Inventarbücher und vieles mehr gesprochen hat.

Was die meisten der Besucher erstaunt: "Grafische Sammlungen, auch bei uns, sind grundsätzlich öffentlich", betont Matuszak. Jeder könne auf Voranmeldung die Blätter seiner Wahl in Augenschein nehmen und das jederzeit. Allerdings geschehe dies viel zu selten. Oftmals sind es Studenten oder Wissenschaftler, die sich im Lindenau-Museum zu Arbeitszwecken einfinden.

Dieser "Unwissenheit" in Sachen Grafik und der weit verbreiteten Zurückhaltung gegenüber diesem Teilbereich der bildenden Kunst will auch Julia Nauhaus, die neue Direktorin des Hauses, begegnen. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass sich das Museum in diesem Jahr erstmals an solch einem Wochenende der Grafik beteiligt. 2009, im damaligen "Jahr der Grafik", ins Leben gerufen, wird die Veranstaltung seitdem jeweils am zweiten Wochenende im November in entsprechenden Sammlungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz durchgeführt.

Wie viele Einrichtungen sich tatsächlich beteiligen, kann die Kunsthistorikerin nicht sagen. "Das heute hier ist wirklich ein Testballon. Wir mussten uns überraschen lassen, in welcher Zahl Publikum zu uns kommt. Ich bin aber sehr erfreut, dass es gleich beim ersten Versuch so viele und vor allem so sehr interessierte Gäste sind", bilanziert die Museumsdirektorin am Ende des ersten Tages, dessen Programm eher im Zeichen der Theorie stand.

Dass die Resonanz am Sonntag zum Familientag, der über die Begegnung mit Grafiken hinaus zahlreiche Kreativ-, Mitmach- und Schauangebote bereit hält, noch weitaus stärker ausfällt, war zu erwarten. Allein durch die Einbindung des Studios Bildende Kunst ist für Turbulenz und Zuspruch gesorgt. Dass freilich durch eine offensivere und vor allem frühzeitigere Werbung noch deutlich mehr Leute zu mobilisieren wären, ist Julia Nauhaus bewusst. "In diesem Jahr haben wir uns sehr kurzfristig zu solch einem Wochenende entschlossen. Da mir die Grafik und unsere Sammlung aber sehr am Herzen liegen, bin ich daran interessiert, ihr den gebührenden Stellenwert einzuräumen."

Im Förderkreis "Freunde des Lindenau-Museums" hat die Museumsdirektorin in dieser Sache wohl verlässliche Mitstreiter, denn die Liebe zur Grafik ist in diesem Gremium seit Langem stark ausgeprägt. "Wir werden jetzt zweistellig", frohlocken die Vorstandsmitglieder Helge Klein und Lutz Woitke, als sie im Rahmen des Wochenendprogramms ihre neueste, die mittlerweile zehnte Grafik-Literatur-Edition erstmals der Öffentlichkeit präsentierten. Die enthält eine Radierung des Gerhard-Altenbourg-Preisträgers Michael Morgner und einen Text des Chemnitzer Arztes Mathias Jähnig. Der Verkaufserlös fließt in gewohnter Weise in die Unterstützung der Arbeit des Museums, dessen Ankaufsetat gen Null tendiert. "Was in der Gegenwart an Neuerwerbungen hinzukommt, sind im Wesentlichen nur noch Schenkungen", bestätigt Thomas Matuszak für seine Sammlung.

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