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Stift, Papier und Brille liegen bei Luise Perchner immer griffbereit

Mundartdichterin wird 90 Stift, Papier und Brille liegen bei Luise Perchner immer griffbereit

Die in Meuselwitz lebende Mundartdichterin Luise Perchner feiert am 30. Oktober ihren 90. Geburtstag. Wie viele Gedichte sie in den vergangenen Jahrzehnten zu Papier gebracht hat, kann sie nicht genau sagen, aber einige Hundert sind es auf jeden Fall. Und noch immer ist die Jubilarin kreativ.

Luise Perchner wird am 30. Oktober 90 Jahre alt.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Meuselwitz.  „Mor fahlt izt nar dos eene, naue Beene“, sagt Luise Perchner, die am Sonntag ihren 90. Geburtstag feiert, als sie nach ihren Wünschen gefragt wird. Denn während der Kopf noch klar ist, wollen seit einiger Zeit die Beine nicht mehr so recht mitmachen. Doch davon lässt sich die Mundartdichterin nicht unterkriegen. Wenn es irgendwie geht, nimmt sie noch heute an Veranstaltungen teil. Zuletzt zum Meuselwitzer Stadtfest beim dritten „Kaffeeklatsch mit Luise“. „Allein geht das aber nicht mehr, denn ich brauche jemanden, der mich fährt und eine Begleitung“, sagt sie. Das übernehmen oft ihre beiden Töchter oder die Enkel.

Die Mundartdichterin, die in vielen Städten und Dörfern des Landkreises durch ihre Gedichte bekannt geworden ist, kann das Schreiben bis heute nicht lassen. Auf dem Tisch in der Stube müssen immer Stift, Papier und Brille liegen, erzählt Tochter Heidrun, die wie ihre Schwester Brunhilde ganz in der Nähe wohnt. Gedichte in Altenburger Mundart zu verfassen, das mache ihrer Mutter nach wie vor große Freude. Selbst zum Geburtstag bekommen Freunde und Bekannte nicht die normalen Glückwünsche, sondern ein Gedicht.

Vor vielen Menschen auf der Bühne zu stehen, das hat der Frau, die jede Menge zu erzählen hat, nie Probleme bereitet. „Mit fünf Jahren stand ich in Rolika zum ersten Mal allein auf der Bühne und habe gesungen. Die anderen Kinder zierten sich“, erinnert sie sich. Um schön auszusehen, habe sie sich für den Auftritt in eine Gardine gewickelt. Wenn sie sich später in Schale warf, dann in eine Altenburger Bauerntracht.

Die Altenburger Mundart liegt der ehemaligen Verkäuferin sehr am Herzen, deshalb nutzte und nutzt sie jede Gelegenheit, diese publik zu machen, damit die weit über 150 Jahre alte Sprache nicht in Vergessenheit gerät und ausstirbt. Viele ihrer Gedichte sind in zwei Broschüren und einem Buch für die Nachwelt festgehalten. Wie viel Gedichte sie geschrieben hat, vermag die Frau mit den kurzen grauen Haaren nicht zu sagen. „Es sind aber bestimmt mehr als 300“, schätzt sie.

Luise war in der zweiten Klasse, als die Eltern von Dobitschen nach Meuselwitz zogen, wo der Vater in der Maschinenfabrik arbeitete. Hier kam es immer wieder zu Begegnungen mit dem wohl bekanntesten Heimatdichter der Region – Ernst Daube. Von ihm habe sie sich so einiges abgeschaut, verrät Luise Perchner. Mit ihrer humorvoller Art hat sie mit ihren Gedichten dann so manchen Zeitgenosse auf die Schippe genommen.

Wenn sie vom ersten Altenburger Bauernreiten nach der Wende im Jahr 1995 spricht, leuchten ihre Augen. „Da habe ich auf dem Markt in Bauerntracht ein selbstverfasstes neunseitiges Gedicht in Altenburger Mundart vorgetragen“, erzählt sie voller Stolz. Dadurch wurde sie im gesamten Altenburger Land bekannt. In den Folgejahren wurde sie deshalb zu zahlreichen Anlässen eingeladen, beispielsweise zu Neujahrsempfängen in Meuselwitz, Altenburg oder Lucka. Überall habe sie ihre Gedichte mit lokalem Bezug vorgetragen und für Schmunzeln gesorgt. Regelmäßiger Gast war sie auch in Rositz bei der Kirmes.

An Auftritte mit dem Altenburger Folkloreensemble oder dem Luckaer Blasorchester und seinem Urgestein Has Taube erinnert sie sich ebenso gern, wie an die bei den Landfrauen in Dobitschen. Dorthin habe sie all die Jahre den Kontakt gehalten.

Neben dem Schreiben von Gedichten hat die Senioren noch einen anderen Zeitvertreib – das Sammeln von Autogrammen bekannter Menschen. In ihrem dicken Album stecken Autogrammkarten von Barack Obama neben denen von Joachim Gauck, Thomas Gottschalk, Horst Lichter oder von Vertretern vieler Königshäusern. „Die Autogrammkarte von Senta Berger ist erst vor zwei Wochen angekommen“, sagt sie. Um an die Autogramme zu kommen, führt das Meuselwitzer Urgestein einen regen Schriftverkehr oder greift auch mal zum Telefon und bittet die Promis oder ihre Agenten persönlich um ein solches.

Ihre Liebe zum Schreiben hat die alte Dame an ihre Töchter vererbt, denn Brunhilde schreibt ebenfalls Gedichte und Heidrun verfasst Kurzgeschichten. Einiges davon wird sicher auf der Geburtstagsfeier zu hören sein,garantiert auch in Altenburger Mundart.

For Luisen zen 30. Uktower

In unsen scheenen Pleißenlond

do gibt’s o Modom Schtodtbekonnt.

Luise brengts uff neinzig Gohre

un will su fix nich uff de Bohre.

Zwor bormelt se: Mer fahlt ollene

e rachtes Poor Jongweibsenbeene.

Denn Varsche brengsch genuch un sott

nuch immer hen forsch Toocheblott.

Un jedermonn dar freits’ch su richtj

wenn de Froo Perchner nau gedicht’t.

Mor winschen drum, wos o nich wunnert:

Luise bleib fit bis zor Hunnert.

 von Wido Hertzsch

Von Marlies Neumann

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