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Still und leise: Klinik-Konzern übernimmt Strahlentherapie in Altenburg

Heidelberger SRH-Gruppe Still und leise: Klinik-Konzern übernimmt Strahlentherapie in Altenburg

Die zum SRH-Konzern gehörende Poliklinik des Waldklinikums Gera hat die Praxis für Strahlentherapie im Altenburger Medicum übernommen. Geräte seien gekauft, die Räume gemietet und die Mitarbeiter übernommen worden, erfuhr OVZ. Die Übernahme wurde seit Anfang 2016 intern eingefädelt, weil die Praxis rote Zahlen geschrieben hatte.

Bei der Eröffnung der Strahlentherapie 2013 zeigten Susann Hensel (links) und Maria Gehrt, wie die teure Technik genutzt wird.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Sie ist hochmodern, wichtig bei der Krebsbehandlung und das Herzstück des 25 Millionen Euro teuren Medicums. Im Frühjahr 2013 nahm die dortige Praxis für Strahlentherapie ihre Arbeit auf, betrieben durch die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), einer Tochtergesellschaft des Klinikums Altenburger Land.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Still und leise haben Klinikleitung und Aufsichtsrat seit Anfang 2016 einen Betreiberwechsel und sogar einen Verkauf der Praxisausstattung an einen Privatkonzern vorgenommen. Die Öffentlichkeit erfuhr über diese Pläne nichts, auch eine öffentliche Beratung im Kreistag fand dazu nicht statt. Der Wechsel wurde lediglich vom Aufsichtsrat, dem unter anderem Landrätin Michaele Sojka (Linke) und Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) angehören, intern abgesegnet. Sowohl Klinikum als auch MVZ befinden sich in Eigentum des Kreises. Erst den zu Jahresbeginn vollzogenen Wechsel teilte die Geschäftsführung mit – Ende Februar.

Danach wird die Praxis für Strahlentherapie in Altenburg seither durch die SHR Poliklinik betrieben, eine Tochterfirma des SRH Waldklinikums Gera, das wiederum der SRH Kliniken GmbH gehört, die Krankenhäuser und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt betreibt und ihren Hauptsitz in Heidelberg hat. Dort befindet sich auch die Zentrale des SRH-Konzerns, des Eigentümers der gleichnamigen Klinikgruppe.

Die Übergabe an SRH erfolgte, um bei gestiegenen Anforderungen die Qualität zu erhalten und Raum für zusätzliche Innovationen zu gewinnen. Das teilte die Geschäftsführung des Klinikums mit. Insbesondere die Anforderungen des Strahlenschutzes verlangten erhebliche Anstrengungen. So sei zum Beispiel die Sicherstellung der unterbrechungsfreien Fortführung der Therapie bei einem Ausfall der Bestrahlungsanlage immer wieder eine Herausforderung gewesen, wenn auch nur eine theoretische, da längere Ausfälle nicht vorgekommen seien. Deshalb habe man nach einem Partner gesucht, der aufgrund eigener Strukturen die Prozesse in Altenburg unterstützen kann. So wie eben die SRH-Poliklinik.

Hinter dem Wechsel verbergen sich allerdings knallharte ökonomische Zwänge. Denn die Praxis schrieb rote Zahlen und zog damit das gesamte MVZ tief ins Minus. So wies der Geschäftsbericht von 2014 einen Fehlbetrag von 569 000 Euro aus. Die negative Entwicklung ging so weit, dass das Klinikum und der Kreis als Gesellschafter Geld zuschießen und zusätzlich zwei Kredite aufgenommen werden mussten, ohne die die Zahlungs- und Investitionsfähigkeit der Tochter nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Verantwortlich für das Minus waren „hinter den Erwartungen zurückbleibende Patientenzahlen in der Strahlentherapie“, so die Geschäftsleitung. Auf der anderen Seite gab es Mehrkosten für Personal und Betriebsmittel. Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen sollte diesem negativen Trend entgegengesteuert werden, wie Geschäftsführer Lutz Blase der OVZ im Mai 2016 erläuterte. Einen Betreiberwechsel bei der Strahlentherapie nannte er dabei allerdings nicht.

Vor dem Wechsel hatte die SRH die Praxisausstattung gekauft, allerdings nicht direkt vom MVZ, sondern über einen Arzt, der sie weiterveräußerte. Der Kaufpreis sei vertraulich, entspreche jedoch dem Zeitwert der veräußerten Gegenstände, teilte Klinikum-Sprecherin Christine Helbig der OVZ auf eine Anfrage mit. Die Praxisräume einschließlich der festen Einbauten werden an SRH vermietet, dazu gibt es einen langfristigen Vertrag. Schon im Vorfeld hatte SRH die Zulassung der Versorgung der Patienten durch die Strahlentherapie vom Klinikum übernommen. Auch das fachliche Zusammenwirken zwischen Klinikum und MVZ werde durch die SRH Poliklinik weitergeführt, die ebenso sämtliche Mitarbeiter der Strahlentherapie übernahm. Ebenso habe SRH eine Garantie für den Standort-Erhalt zugesichert. „Diese Zusage war wesentlich“, sagte Helbig. Auf diese Weise bleibe für die Altenburger Patienten die wohnortnahe Versorgung erhalten. Zudem seien im Klinikum viele Behandlungsprozesse auf eine vor Ort verfügbare Strahlentherapie abgestimmt.

Weitere Betreiberwechsel im Klinikum oder dem MVZ seien weder geplant noch konzeptionell in der Diskussion.

Von Jens Rosenkranz

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