Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Straßenkreuzer mit Sofas als Sitze
Region Altenburg Straßenkreuzer mit Sofas als Sitze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 09.05.2013
Rolf Gast mit seinem einst im USA-Bundesstaat Arizona zugelassenen Lincoln, Baujahr 1971, auf dem Markt in Altenburg. Quelle: Mario Jahn
Anzeige

Derweil stehen in Amerika Autos bei Händlern, die direkt aus der Zukunft zu kommen scheinen - etwa der Lincoln Continental. Rolf Gast aus Altenburg nennt solch einen Lincoln Continental, Baujahr 1971, sein Eigen. Während beim Trabant seinerzeit unter Luxusausstattung eine Ablagefläche unter der Instrumententafel, Intervall-Scheibenwischer sowie eine Warnblinkanlage verstanden wurde, punktete der Lincoln auf ganz anderem Niveau. "Der hat eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Sitze, Servolenkung, eine Zentralverriegelung, ein Kassettenradio und Klappscheinwerfer", zählt der stolze Besitzer auf und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Keine Frage - der Lincoln ist ein Traumauto. Immer noch und erst recht vor 42 Jahren. Leisten konnte sich den rund 5,71 Meter langen Straßenkreuzer nicht jeder. "Es war ein Auto für die Schönen und Reichen", meint Rolf Gast und öffnet die Tür zum riesigen Fahrgastraum. Die zwei Sofa ähnlichen Sitzbänke vorn und hinten bieten Platz für sechs Personen. Dieser Wagen gehörte einst einer Frau in Arizona. Viel mehr weiß der Altenburger nicht über den Vorbesitzer. Es ist ihm auch egal. Wichtig hingegen sei, dass das Auto 26 Jahre in Arizona zugelassen war. In dem Wüstenstaat im Südwesten der USA fallen durchschnittlich nur zwischen 100 und 500 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Ein natürlicher Rostschutz, wie er nicht besser sein könnte.

1999 entdeckte Rolf Gast den Oldtimer in Gießen, fackelte nicht lange und kaufte. "Es sollte unbedingt ein amerikanischer Wagen sein, die haben mir schon immer gefallen", sagt der 71-Jährige und schwärmt fast schon verliebt von der Form, von der geschwungenen Seiten-Linie und von der Motorleistung. Und die kann sich sehen lassen. Der Achtzylinder-V-Motor aus dem Ford-Konzern, zu dem Lincoln gehörte, wandelt die etwa 7,5 Liter Hubraum in knapp 300 PS um. Wirklich schnell wird der tonnenschwere Luxuswagen damit aber nicht. "Um Gotteswillen, 200 bin ich damit noch nicht gefahren. Maximal so 160 km/h. Und dann ist es schon schwierig, das Auto in der Spur zu halten", erzählt Rolf Gast. Und was braucht der Lincoln an Sprit? Der Rentner lächelt und sagt: "Na, wenn ich sparsam fahre, so zwölf Liter Super Plus - auf 50Kilometer." Es sei eben kein Stehzeug, sondern ein Fahrzeug, flachst der Rentner. Und so holt er das schmucke Kraftpaket gern bei schönem Wetter heraus und dreht mit seiner Frau und den zwei Enkeln ein Runde.

Leidenschaftlich nimmt er auch an Oldtimer-Treffen teil, wie dem am 25. Mai in Altenburg. Schrauben muss er an dem Lincoln Continental eigentlich kaum. "Der ist gebaut für die Ewigkeit und ich bastele an dem Auto auch nur, wenn es sein muss", gesteht der gelernte Schlosser. Als er vor 13 Jahren den Wagen erworben hatte, musste er das Fahrwerk erneuern und die Vordersitzbank beziehen lassen. Die meiste Arbeit machte damals der Lack. Die heiße Wüstensonne Arizonas hatte ihn über Jahre stumpf werden lassen. Viele Stunden und unzählige Büchsen Politur waren nötig, um den alten Glanz zurückzuholen. Es gelang.

"Das ist noch der Originallack", erklärt der Altenburger und zeigt auf eine gelbe Signatur, die vor über 40 Jahren bei der Herstellung aufgestempelt wurde. Überhaupt ist der Wagen praktisch noch im Originalzustand, und außer dem Radio funktioniert alles einwandfrei. Rolf Gast dreht den Zündschlüssel und der Lincoln erwacht zum Leben.

Jörg Reuter

Jörg Reuter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Musik und Dichtung ist die beste Verbindung zwischen zwei Künsten. Jedes Jahr im Frühjahr beweist sich die Richtigkeit dieser goetheschen Aussage in Altenburg - und das nun schon 15 Jahre lang.

07.05.2013

Er ist der Dirigent des nächsten Konzertes des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera und damit der nächste Bewerber um die seit fast zwei Jahren vakante Stelle des Generalmusikdirektors - Christopher Ward.

07.05.2013

Im Stiftsgraben hat am Montag gegen 17.15 Uhr ein 54-jähriger Hyundaifahrer einen neunjährigen Jungen angefahren. Das Kind wurde dabei am Bein schwer verletzt.

07.05.2013
Anzeige