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Altenburg Streuobstwiese in Graicha illegal abgeholzt – Neupflanzung zugesichert
Region Altenburg Streuobstwiese in Graicha illegal abgeholzt – Neupflanzung zugesichert
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00:30 28.11.2015
Die abgeholzte Streuobstwiese in Graicha – auf ihr fehlen acht Obstbäume. Quelle: Torsten Pröhl
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Wildenbörten

In dem von großflächigen Feldern eingerahmtem Dorf Graicha (Gemeinde Wildenbörten) fehlen acht Obstbäume. Sie sind kürzlich umgehauen worden. Kümmert das jemanden? Eigentlich nicht. Im Falle Graicha schon. Denn das Gelände mit uralten Bäumen war eine klassische Streuobstwiese. Sie gehörte dem inzwischen verstorbenen Naturfreund Günther Wolfermann aus Graicha. Durch die jahrzehntelange Pflege und Gestaltung seines Grundstücks gelang es ihm, eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen anzusiedeln. Das meint Torsten Pröhl vom Naturschutzbund (Nabu) Altenburger Land. Zu den Tieren gehörten bedrohte und streng geschützte Arten von Fledermäusen und höhlenbrütenden Vögeln. „Obstbäume brauchen nun einmal fast 100 Jahre, bis sie wirklich wertvoll sind“, sagte Pröhl. Deshalb sieht der Naturschützer das Lebenswerk von Günter Wolfermann zerstört. Sein Hof wurde verkauft. „Die neuen Eigentümer haben die herrliche Streuobstwiese mit vielen uralten Obstbäumen komplett gerodet – eine Straftat“, meint Naturfreund Pröhl.

Streuobstwiesen sind Flächen mit mehr als zehn zusammenstehenden Obstbäumen, die verstreut gepflanzt sind und sich häufig aus verschiedenen Sorten zusammensetzen. Seit den 50er-Jahren sind sie im Altenburger Land stark zurückgegangen. Die Wiesen stehen deshalb unter Naturschutz. Sie bieten weit mehr Tierarten ein Zuhause, als beispielsweise eine konventionelle Obstplantage. Studien haben gezeigt, dass beispielsweise 14 Vogelarten in einer Streuobstwiese gebrütet haben, während in einer niedrigstämmigen Plantage nur fünf Arten gefunden worden. Eine Streuobstwiese ohne Genehmigung abzuholzen, ist illegal. Dennoch haben vor allem in den 90er-Jahren Besitzer eine Strafe dafür in Kauf genommen, um gewinnbringend Bauland zu nutzen. Denn kommerziell lassen sich die Wiesen nicht verwerten. Die Ernte ist mühseliger, als bei niedrigstämmigen Bäumen, der Ertrag geringer.

Die Umweltbehörde des Kreises hat sich vorgestern sofort nach Bekanntwerden der Rodung das Gelände in Graicha angesehen und den Besitzer zur Rede gestellt. Das erklärte Fachbereichsleiterin Brigit Seiler. Da die Gehölze seit Jahren nicht gepflegt und völlig mit Gestrüpp zugewuchert waren, habe er die Bäume nicht als Streuobstwiese erkannt. Das und seine sofortige Ankündigung, bereits im Frühjahr mindestens zehn neuen Bäume nachzupflanzen, sei der Grund, von einem Bußgeld abzusehen. Auch sei durch die vernachlässigte Pflege die Biotop-Qualität zurückgegangen. „Wir wollen aber, dass die Streuobstwiesen in Pflege bleiben“, sagt Seiler, die sich auch von Torsten Pröhl gewünscht hätte, eher über den Zustand in Graicha informiert worden zu sein.

Für Pröhl ist dies zu wenig. Das Verschwinden der Wiese könne mit noch so vielen Ausgleichsmaßnahmen nicht gelindert werden. „Es gibt schließlich nicht mehr viele alte Streuobstwiesen.“ Auch sollten Umweltstraftaten nicht weiter wie Bagatellen behandelt werden, um weitere Taten zu verhindern, fordert er.

Von Jens Rosenkranz

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