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Stummfilm mit Live-Musik

Stummfilm mit Live-Musik

Es war eine glänzende und originelle Idee des Altenburg-Geraer Theaters, zum 200. Geburtstag Richard Wagners mit einer multimedialen Aufführung aufzuwarten, nämlich den 1913 produzierten Stummfilm über den Komponisten in ein sinfonisches Konzert einzubetten.

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Die Bühne des Landestheaters wird zum Kino-Saal.

Quelle: Jens Paul Taubert

Die Begeisterung des Publikums nach dem Philharmonischen

 

Zum einen umging man damit sehr geschickt, ein Sinfoniekonzert zu präsentieren, in dem allenfalls einige Ouvertüren von Wagner und vielleicht noch seine Jugendsinfonie in C-Dur erklungen wären. Also ein Programm anzubieten, das derzeit wohl allerorten auf den Spielplänen steht. Zum anderen nutzte man die günstige Gelegenheit, den bemerkenswerten und sehr selten aufgeführten Stummfilm der Regisseure Carl Froelich und William Wauer einmal mit großem Orchester als Live-Musik vorzustellen. Das war schon ein einmaliges und außergewöhnliches Projekt.

 

Natürlich durfte man von diesem vor hundert Jahren auf dem Höhepunkt der Stummfilm-Ära gedrehten Streifen keine authentische Dokumentation über das Leben des großen Meisters aus Bayreuth inklusive detaillierter zeitgeschichtlicher Bezüge oder gar eine Lovestory nach dem Vorbild Hollywoods erwarten. In fünf Akten mit diversen Einzelszenen wird das Leben Wagners von seinem achten Lebensjahr bis zum Tod dargestellt: Manchmal fast heroisch idealisierend, manchmal zu sehr ins nebensächliche Detail verliebt und manchmal auch glatt an der historischen Wahrheit vorbei inszeniert. Dieser Film ist trotzdem ein denkwürdiges Zeitdokument. Dazu kommt die Filmmusik, seinerzeit arrangiert von Giuseppe Becce und nach dessen Klaviervorlage von Bernd Schultheis 2013 für den Film aufbereitet. Aus urheberrechtlichen Gründen durfte 1913 kein einziger Ton aus Wagners Partituren verwendet werden, sodass Becce auf Haydn, Mozart, Beethoven oder gar auf Rossini zurückgreifen musste und dazu eigene Passagen einfügte.

 

So entstand ein Konglomerat, bei dem die unterschiedlichsten Stile aufeinander prallen, wie zum Beispiel bei den Ausschnitten aus Mozarts g-Moll Sinfonie oder aus Rossinis Ouvertüre zum Barbier von Sevilla. Was im ersten Moment fast befremdlich wirkt, nimmt sich dann im weiteren Verlauf des Filmes doch recht gut und passend aus. Vor allem dann, wenn Becce mit Anleihen an Wagners Themen mittels eigenen Tongemälden die stürmische Stimmung des Fliegenden Holländers oder die schwüle Treibhaus-Atmosphäre von Tristan und Isolde nachzeichnet.

 

Für das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera am Freitagabend zum 8. Philharmonischen Konzert der Spielzeit keine unbedingt leichte Aufgabe, diese oft sehr konträr wirkende und abrupt wechselnde Musik einschließlich diverser Klaviersoli überzeugend und vor allem synchron zum Geschehen auf der Leinwand in 75 Minuten ohne Pause darzubieten. Extra dafür hatte man einen Spezialisten für Filmmusik als Dirigenten engagiert, Frank Strobel. Er leitete das Orchester trotz der abgedunkelten Bühne bravourös und mit der notwendigen Sicherheit sowie mit klarem Dirigat fernab von allem übertriebenem Pathos.

 

Das zahlte sich aus, denn alle Musiker spielten mit großem Engagement und der nötigen Ausstrahlung für dieses außergewöhnliche Konzert. Da taten minimale Ungenauigkeiten in der Präzision und der Intonation überhaupt nichts zur Sache. Das Publikum war zurecht sehr begeistert und bekundete dies mit Rhythmusklatschen, Trampeln und lang anhaltendem Beifall.

Felix Friedrich

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