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Altenburg Sturmschäden: Flügelkreuz an Bockwindmühle Lumpzig demontiert
Region Altenburg Sturmschäden: Flügelkreuz an Bockwindmühle Lumpzig demontiert
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00:35 27.04.2018
An der Bockwindmühle in Lumpzig müssen wegen enormer Sturmschäden die Flügel abgenommen werden. Quelle: Mario Jahn
Lumpzig

Es hört sich beinahe so an, als stöhne die alte Mühle auf, als sich mit einem Knarzen die Flügel vom Rest der historischen Maschine lösen. Der Verein Altenburger Bauernhöfe, der die Bockwindmühle Lumpzig in den vergangenen Jahren mit viel Liebe und Mühe restaurierte, hatte für Dienstag schweres Geräte bestellt, um die am Donnerstag beim Sturm zerstörten Teile auszubauen. Wie berichtet, hatte Friederike einen der Flügel abgebrochen sowie die Verankerung des Flügelkreuzes aus der Königswelle gerissen.

Beide Teile wurden nun mittels Kran getrennt. „Und dann können wir überhaupt erst abschätzen, welche Schäden entstanden sind. Ich rechne fest damit, dass das, was man sofort sieht, nicht das Einzige ist“, sagt Vereinschef Martin Burkhardt – und ist dennoch froh darüber, dass die Mühle überhaupt noch steht. Wie er berichtet, nahm das Drama am Donnerstag richtig Fahrt auf, als der Orkan den gusseisernen Dorn des Flügelkreuzes, der in der Königswelle verankert ist, losriss. Damit war das Drehen der im Durchmesser 19 Meter großen Flügelpaare stundenlang nicht zu bremsen.

In der Folge bohrte sich das Flügelkreuz in die Königswelle ein, wodurch es den mächtigen fast 300 Jahre alten Eichenstamm bis zu einen Meter tief aushöhlte. „Alles, was wir neu gebaut haben, hielt stand, jedoch haben die historischen Teile nachgegeben“, so Burkhardt.

Vereinsmitglied Ulrich Müller erlebte alles vor Ort mit. Gemeinsam mit einem Enkel begab er sich als erster voller Sorge zur Mühle, als der Sturm aufzog. „Erst hat sie sich wie verrückt gedreht, als dann plötzlich – wir saßen nebenan in der Bäckerei des Mühlenhofs, weil wir ja sowieso nichts tun konnten – das Geräusch anders war“, erzählt Müller vom Brechen des Flügels. Später am Abend, als der Wind nachgelassen hatte, fixierten die Vereinsmitglieder notdürftig mit Gurten die Getriebeteile und Flügel.

„Wie wir den Einsatz heute bezahlen, wissen wir zwar noch nicht, aber wir hatten keine Wahl. Die Flügel müssen ab“, erklärt Burkhardt, während zwei Arbeiter weit oben in einem schaukelnden Korb die Flügel am Kran befestigten. Dann brauchte es nur einen Moment des Luftanhaltens und der Rotor hing frei am Haken. Nach einer ersten Inspektion hofft der Vereinschef, dass die Reparatur nicht mehr als 50 000 Euro kostet. „Dafür sind wir jetzt auf Spenden angewiesen, doch wenn jeder zehn Euro gibt, ist schon viel erreicht“, wirbt Martin Burkhardt bei der Bevölkerung um Unterstützung.

In zwei bis drei Wochen könne der genaue Schaden beziffert werden, schätzt der Vereinsvorsitzende. Bereits jetzt offensichtlich sind neben dem zerbrochenen Flügel und der beschädigten Königswelle auch fehlende Dachschindeln am Mühlenkorpus. Ebenfalls reparaturbedürftig ist die sogenannte Sturmwand, jene Außenwand hinter den Flügeln, die erhebliche Spuren vom unkontrollierten Drehen aufweist.

Nebenan der Mühlenhof hat die Sturmböen ebenfalls nicht unbeschadet überstanden. Vom gerade erst frisch gedeckten Dach sind etliche Ziegel herausgerissen, wodurch zum Teil große Löcher entstanden. Ferner vielen einige Obstbäume den Naturgewalten zum Opfer. Einzig an der Kulturscheune, ein ehemaliger Rinderoffenstall, wurden keine Sturmschäden entdeckt.

Orkan Friederike hat in der vergangenen Woche auch Schäden an der Bockwindmühle Lumpzig verursacht. Am Dienstag nun wurde das defekte Flügelrad per Kran abgenommen.

Nach den positiven Erfahrungen, die der Verein mit Crowdfunding bei der Finanzierung des Mühlenbuchs gesammelt hat, ist Burkhardt zwar guter Dinge, dass die bis dato funktionstüchtige Mühle zum wiederholten Mal instandgesetzt wird. In den vergangenen Jahrhunderten, merkt der Vereinsvorsitzende an, wurde die Lumpziger Windmühle regelmäßig durch Naturgewalten beschädigt und immer wieder aufgebaut. Was auch der letzte Müller von Lumpzig, Gotthard Weber, bestätigt. „Er hat auch gemeint, das sei nicht das erste Mal, dass ein Flügel bricht“, so Burkhardt, während er den gusseisernen Dorn inspiziert. „Den haben wir ja noch nie gesehen, weil er in der Eichenwelle steckte.“

Das Teil müsse wohl neu gegossen werden, nimmt Burkhardt an, worüber aber letztlich Experten befinden müssen. „Und wir werden wahrscheinlich die nächste Zeit jeden Cent in die Mühle stecken müssen, dafür aber mit dem Mühlenhof nicht weiter kommen. Je nachdem, wie teuer die Reparaturen werden und wie viele Spenden eingehen.“

Spendenkonto Bockwindmühle: Sparkasse Altenburger Land IBAN: DE58 8305 0200 1312 0057 14

Von Jörg Reuter

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