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Altenburg Sturmtief Friederike wütet im Altenburger Land – Katastrophenvoralarm ausgelöst
Region Altenburg Sturmtief Friederike wütet im Altenburger Land – Katastrophenvoralarm ausgelöst
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12:44 25.02.2018
Sturmtief Friederike entwurzelt im Altenburger Land flächendeckend Bäume, wie hier in der Kauerndorfer Allee in Altenburg. Zudem beschädigt der Orkan Gebäude und verursachte Stromausfälle. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Entwurzelte Bäume, eingestürzte Gebäude, Stromausfälle und ein liegengebliebener Zug. Das ist die Bilanz des Sturmtiefs Friederike im Altenburger Land. Mit bis zu 143 Stundenkilometern fegte der Orkan am Donnerstagnachmittag laut Daten des Wetterdiensts Meteo Group über den Kreis und hinterließ dabei massive Schäden. Zwischenzeitlich stellte sich die Lage so problematisch dar, dass das Landratsamt für den Krisenstab vorsorglich Katastrophenvoralarm ausgelöst hatte.

Zugreisende frieren in Nobitz

Die dramatischsten Szenen spielten sich auf den Bahngleisen zwischen den Nobitzer Ortsteilen Zehma und Lehndorf ab. Dort war gegen 17 Uhr ein Zug liegengeblieben, weil der Strom sturmbedingt ausgefallen war. Zwei Stunden später rückten mehrere Feuerwehren aus der Umgebung an, um die rund 50 Passagiere zu evakuieren. Diese wiederum froren, weil ohne Strom auch die Heizung im Zug nicht funktionierte. „Hier pfeift der Wind wie Sau und es ist kalt“, kommentierte der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) das Szenario.

Das Sturmtief Friederike hat im Altenburger Land massive Schäden hinterlassen. Am Donnerstagnachmittag und -abend fegten die Böen über den Landkreis, ließen Bäume splittern, deckten Dächer ab, drückten Autos von der Straße. In Lumpzig stürzte sogar eine Scheune teilweise ein. Tausende saßen wegen Stromausfalls im Dunkeln. Polizei und Feuerwehren waren im Großeinsatz, auch Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerkes rückten aus oder gingen in Alarmbereitschaft.

Allerdings gestaltete sich die Rettung schwierig. Da der Zug auf freier Strecke liegengeblieben war, gab es kein Licht, so dass die Kameraden ein Notstromaggregat Hunderte Meter über die Gleise tragen mussten. Kaum war das geschehen, kam der Strom wieder, so dass der aus Zwickau kommende Zug gegen 20 Uhr nach Lehndorf fahren konnte. Offen blieb allerdings, ob es bis Leipzig weiterging oder ob die Bahn die gestrandeten Fahrgäste mit Bussen abholen ließ.

Tausende stundenlang ohne Strom

Überhaupt wurde Nobitz vom Sturm mit am härtesten getroffen. So saßen auf zwischen Nobitz und Altmörbitz kurz nach 20 Uhr noch mehrere Menschen in ihren Autos fest, weil Bäume die Straße blockierten. Allerdings war der gesamte Wald bereis im Tagesverlauf für Passanten gesperrt worden. Zudem waren laut Läbe in Klausa und Mockern stundenlang rund 2200 Menschen ohne Strom. Das ist fast die Hälfte der 5000 Kunden, die nach Angaben des Netzbetreibers Mitnetz im Altenburger Land um 18.30 Uhr noch immer ohne elektrische Energie auskommen mussten.

Wie viele Menschen im Kreis in der Spitze ohne Strom dastanden, konnte Mitnetz bisher noch nicht genau sagen. Fest steht aber, dass wenigstens Starkenberg und Lumpzig länger vom Netz getrennt waren. Ursache war hier offenbar eine Freileitung in Hartha, die der Wind zerstört hatte und die auf die Landstraße zwischen Altenburg und Gera gekracht war. „Neben umgestürzten Bäumen und herabfallenden Ästen beschädigen vor allem umherfliegende Gegenstände die Maste, Leitungen und weitere Anlagen“, teilte Mitnetz am Abend mit. Die Reparaturen dauerten weiter an, seien aber wegen Dunkelheit, Straßensperrungen und Unfallgefahr nur eingeschränkt möglich.“

Wie durch Wunder keine Verletzten

Schon bevor Frederike im Kreis ihre volle Kraft erreichte, richtete sie verheerende Schäden an. So ließ das Sturmtief gegen 14.15 Uhr eine Scheune im Lumpziger Ortsteil Braunshain teilweise einstürzen. Die Bewohner eines Hauses gleich gegenüber kamen mit dem Schrecken davon. Auch im Nobitzer Ortsteil Bornshain wehte es eine Scheune regelrecht um. „So was habe ich nach dem Hochwasser von 2013 noch nicht erlebt“, gestand Bürgermeister Läbe, der davon ausging, dass sich die Aufräumarbeiten mindestens über die Nacht hinziehen werden.

Ab 15 Uhr spitzte sich die Situation minütlich zu. Die Rettungsleitstelle Gera kam kaum hinterher. Denn im gesamten Kreis stürzten Bäume wie Streichhölzer um – oft gleich mehrere an einer Stelle. Das bestätigte Kreisbrandinspektor Uwe Engert: „Viele Wehren arbeiten auf Sicht ihre Einsätze ab.“ Eine Windböe warf in Lucka kurz vor 15.30 Uhr einen Lkw um. Der Fahrer war eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr gerettet werden. Bei der Lumpziger Wehr nahm das Einsatzfahrzeug Schaden, als dort ein Ast in eine Scheibe krachte. Wie durch ein Wunder wurde hier niemand verletzt.

Viele Gegenden wie ausgestorben

Auch im Wieratal wütete Frederike. Laut Bürgermeister Carsten Helbig (SPD) stürzte in Langenleuba-Niederhain ein Baum auf eine Garage und zerstörte diese teilweise. Auf der Straße nach Neuenmörbitz zählte Helbig, der auch den Bauhof der Gemeinde leitet, „gefühlte 100 Bäume“, die umgestürzt waren.

Wie ausgestorben wirkte auch Altenburg. Aus gutem Grund. Denn große Äste, wie an der Marstallstraße am Fuße des Schlosses, zeugten von Friederikes Kraft. Vereinzelt fanden sich zudem Trümmer von Dachziegeln, die nur Minuten zuvor noch Häuser bedeckt hatten. Um Personen nicht zu gefährden, sperrte die Polizei auch die Johannisstraße voll. Grund: Der Dachstuhl eins leer stehenden Hauses drohte einzustürzen. Herabfallende Dachziegel waren ebenfalls der Grund, warum in Schmölln Teile eines Supermarkts gesperrt werden mussten.

Orkan mit Folgen für Politik

Doch der Wind hatte den Kreis schon im Griff, bevor er richtig da war. So schlossen am frühen Nachmittag aus Sicherheitsgründen einige Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Abgesehen davon stellte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) den Eltern für Freitag frei, ob sie ihre Kinder zur Schule gehen lassen oder nicht. Zudem riefen Kindertagesstätten dazu auf, ihre Steppkes vorzeitig abzuholen.

Auch für die Politik blieb Friederike nicht folgenlos. So sagte Die Linke ihre für 17 Uhr geplante Mitgliederversammlung ab, auf der Landrätin Michaele Sojka offiziell als Kandidatin gekürt werden sollte. Selbst der Altenburger Schloss- und Kulturdirektor Christian Horn beschloss, das Residenzschloss bereits um 14 Uhr dicht zu machen: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor.“

Von Bastian Fischer, Thomas Haegeler, Jörg Reuter, Jens Rosenkranz, Jörg Wolf und Kay Würker

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