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Suchtberater zeichnet düsteres Bild

Suchtberater zeichnet düsteres Bild

Die Debatte um den Umgang mit dem Drogenproblem im Altenburger Land nimmt weiter Fahrt auf. So beschloss der Ausschuss für Soziales und Gesundheit Ende vergangener Woche, dem Kreistag zu empfehlen, die finanziellen Zuschüsse für die Suchtberatung zu erhöhen.

Zudem soll es im Rahmen der Woche für seelische Gesundheit eine Veranstaltung zum Thema geben. Zudem tagt heute, 18 Uhr, der Jugendhilfeausschuss in einer Sondersitzung.

 

 

 

Stein des Anstoßes war der Auftritt des Leiters der Suchtberatungsstelle des Psychosozialen Diakoniezentrums Horizonte, Martin Woratz. Nach seinen Angaben verlor der Kreis seit Gründung der Einrichtung 1991 zwar 40 000 Einwohner, aber die Klientenzahlen blieben gleich oder stiegen sogar. "Die Einwohner ziehen weg, aber die Suchtkranken bleiben", stellte er angesichts von über 520 Klienten im vergangenen Jahr fest. Dabei verschob sich das Verhältnis: Waren 2011 noch 80 Prozent der Betroffenen am Hauptsitz Altenburg und in der Außenstelle Schmölln männlich, sank ihr Anteil 2013 auf 70 Prozent.

 

"Diese Verschiebung liegt daran, dass wir mehr Angehörigengespräche haben, und dass Crystal in der Mehrzahl von Frauen konsumiert wird", erklärte Woratz. Bei den Crystal-Konsumenten, die inzwischen fast 15 Prozent der Klienten ausmachen, seien 44 Prozent Männer und 56 Prozent Frauen - darunter auch Mütter und Schwangere. "Jeder sechste Neuzugang war ein Crystal-Klient. Die Begründung, die wir oft hören, ist, dass aus Spaß angefangen wurde, um Party zu machen." Von den 16 landesweiten Drogentoten 2013 soll laut Woratz einer aus dem Altenburger Land stammen. Auch soll es im Kreis bereits Labore geben, in denen die synthetische Droge hergestellt wird. "Es ist nicht mehr weit weg, sondern nebenan."

 

Vor diesem Hintergrund wies der Experte auf fehlende Beschäftigungsangebote für Suchtkranke hin und darauf, dass man sich wegen fehlender Fachkräfte nicht ausreichend um Prävention kümmern könne. "Auch Hausbesuche bei Müttern und Familien schaffen wir nicht mehr. Wir werden überrannt." Daneben würde Crystal auch im Kreis zunehmend gespritzt statt geschnupft, um die Wirksamkeit zu erhöhen. "Dadurch steigt die Gefahr von Hepatitis A und anderen Infektionskrankheiten."

 

Vier Mitarbeiter teilen sich laut Woratz derzeit 2,75 Vollzeitstellen. Dabei wären drei Vollzeitstellen das Mindeste. "Nimmt man die aktuelle Empfehlung des Thüringer Sozialministeriums, wäre es sogar eine Fachkraft auf 15 000 Einwohner", so der Teamleiter. "Damit wären es sechs Vollzeitstellen."

 

Angesichts der von Woratz präsentierten Fakten zeigten sich die Ausschussmitglieder schockiert und kamen nach einer Diskussion über das Wann und Wie von Prävention zügig zu den einstimmigen Beschlüssen, im Rahmen der Gesundheitswoche im Herbst eine Veranstaltung zum Thema zu machen und dem Kreistag zu empfehlen, die Zuschüsse für die Personalkosten zu erhöhen. "Wir sollten uns dabei nicht am Minimalen, sondern am Optimalen orientieren", sagte der Chef des Gesundheitsamtes, Bernhard Blüher.

 

Nicht einigen konnte man sich dagegen auf eine Drogen-Sondersitzung des Ausschusses am 12. Mai. Während es einige für zu kurzfristig hielten, warf Landrätin Michaele Sojka vor allem die Kosten in die Waagschale und schlug stattdessen eine Fachtagung vor. "Das ist für den Tag aber vom Tisch, weil wir keinen Schnellschuss wollen", sagte die Linken-Politikerin gestern. "Dafür ist das Thema zu wichtig." Sie überlasse das jetzt ihren Fachleuten und finde das geänderte Bewusstsein im Kreis gut. "Denn Wegschauen hilft nicht." © Kommentar

Thomas Haegeler

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