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Süßer die Glocken in Altenburg nie klingen

Süßer die Glocken in Altenburg nie klingen

Altenburg ist eine Stadt der Glocken. Großen und kleine dieser metallenen Klangkörper sind an vielen Stellen zu finden, zu hören und erfreuen mitunter die Menschen sogar mit Melodien.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Jonas Alder

Die teilweise tonnenschweren Klangkörper sind an ganz verschiedenen Plätzen im gesamten Stadtgebiet verteilt. Eine Glocke aus dem Jahr 1367 - und damit die älteste der Stadt - ist im Torturm des Schlosses zu finden. "Die Glocke stammt ursprünglich aus den Roten Spitzen", sagt Uta Künzl, die Leiterin des Schloss- und Spielkartenmuseums. Sie ist nach der Aufhebung der Klosterfunktionalität im Bergerkloster 1596 ins Schloss gekommen. Das Musikinstrument soll 890 Kilogramm schwer und eine von zwei Glocken auf dem Schlossgelände sein: "Eine ist auf dem Dach der Schlosskirche, in einem neogothischen Türmchen", sagt Uta Künzl. "Die Glocken läuten zu Hochzeiten, Taufen, Gottesdiensten und bei besonderen Anlässen."

Eine Große, zwei Dutzend Kleine

In der katholischen Kirche "Erscheinung des Herrn" in der Frauengasse läuten eine große und zwei Dutzend kleine Glocken. Die Große läutet täglich zur Mittagszeit und um sechs Uhr, erklärt Gemeindereferentin Gabriele Scholler. Die 24 kleinen Klangkörper sind an der Vorderseite der Kirche hinter drei Buntglasfenstern befestigt. Mittels zahlreicher Drähte, Gelenke und Metallstangen lassen sich die Glocken einzeln über eine Stockklaviatur anschlagen. Das Glockenspiel, oder auch Carillon genannt, ist Ende der 70er- oder Anfang der 80er-Jahre in die Kirche gekommen. Die Gemeinde hat zwei Carilloneure - so nennt sich derjenige, der dem Glockenspiel eine Melodie entlocken kann. Zu hören ist sie an Sonntagen, etwa eine halbe Stunde vor der heiligen Messe um zehn Uhr morgens. Die Musiker spielen dann etwa eine Viertelstunde, sagt Gabriele Scholler. "Die Lieder wählen sie passend zum Zeitpunkt im Kirchenjahr aus - also Adventslieder zur Weihnachtszeit oder etwas herbstliches wie jetzt Beispiel "Die Felder alle reifen". Auf dem Spieltisch, von wo aus der Musiker die Stöcke mit Händen und Füßen betätigen kann, liegen ein Paar Ohrenschützer bereit. "Im Raum hält man es wegen der immensen Lautstärke ohne diesen Schutz kaum aus. Wenn die Glocken ertönen, tragen sie ihren Klang bis zum Schloss", schmunzelt Gabriele Scholler. Auf dem Instrument hätten bereits Carilloneure aus verschiedenen Ländern gespielt. "Es klingt sehr schön. Schon bald kann man sich davon überzeugen. Denn zum Denkmaltag am kommenden Sonnabend ist etwa eine halbe Stunde lang das Glockenspiel zu hören", kündigt die Gemeindereferentin an.

Schweres und tontiefes Geläut

Eine der schwersten Glocken, wahrscheinlich die schwerste der Stadt überhaupt, soll dem Glockenexperten Marcus Schmidt zufolge in der Bartholomäikirche hängen. Schmidt ist Fachreferent für Glockenläuteanlagen und Turmuhren im Landeskirchenamt Erfurt. "Sie hat ein Gewicht von etwa 2,33 Tonnen", erklärt Schmidt. "Die Bartholomäikirche hat ein großes und sehr tontiefes Geläut", hebt Schmidt hervor. Die drei Glocken in der Kirche stammen von den gleichen Herstellern, die auch die Glocke für den Kölner Dom gegossen haben.

In der Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche läuten ebenfalls drei Glocken, so Schmidt. "Die Glocken sind aus dem Jahr 1955 und sogenannte Eisenhartgussglocken."

Um 1500 datiert

Viel älter ist dem Sachverständigen zufolge die Glocke auf dem Altenburger Friedhof. Das metallene Musikinstrument mit einem Durchmesser von 68 Zentimetern gebe es seit dem Mittelalter. "Ich habe sie ungefähr auf die Zeit um 1500 datiert", sagt Schmidt.

Im sogenannten Eulenturm des Spalatin-Gymnasiums läutet seit 2007 eine Bronzeglocke. Sie ist 51 Kilogramm schwer und stammt von der Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe. Die Außenseite der Glocke hat die Eisenacher Künstlerin Alexandra Husemeyer gestaltet. "Die Glocke läutet dreimal täglich", informiert Schulleiterin Birgit Kriesche. "Einmal um zehn vor acht Uhr, um anzuzeigen, dass die Schüler jetzt doch wirklich drinnen sein sollten und dann um zehn vor Zwölf zum Ende der Mittagspause. Zuletzt erklingt die Glocke noch einmal um 18 Uhr. Das bedeutet dann, dass es Feierabend ist."

15 verschiedene Lieder

Undenkbar ohne ihr Glockenspiel ist die Brüderkirche am Markt. "Im Kirchturm hängen drei Glocken", sagt Reinhard Kwaschik, geschäftsführender Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Altenburg. "Samstags um 18 Uhr ist das sogenannte Sonntagseinläuten", erklärt der Pfarrer. Die Glocken der Brüder-, Agnes und Bartholomäikiche läuteten dann gemeinsam. Am besten sei dieses Einläuten am Großen Teich zu hören, sagt er. Zwei Etagen darüber, unter der Kirchturmspitze, gibt es zusätzlich ein Carillon, das automatisch läuft. Es kann 15 Lieder spielen. "Je nach kirchlicher Jahreszeit gibt es unterschiedliche Programme." Weihnachts- und Adventslieder seien dabei, oder auch Lieder wie "Lobet den Herrn" und "Ihr Kinderlein kommet". Seit einem Unwetter sei das Glockenspiel jedoch defekt, lüftet Kwaschik das Geheimnis, warum die eingängigen und beliebten Melodien in jüngster Zeit nicht mehr zu hören sind.

Auch vom Rathaus klingt's

Das Altenburger Rathaus am Markt hat zwei Glocken. Gewartet werden sie von Thomas Kretschmann, der sich auch um die Rathaus-Uhr kümmert. Eine der beiden Glocke ist zur vollen Stunde zu hören, die andere zu den Viertelstunden.

Ohne Klang ist die Glocke in einem kleinen Türmchen auf dem Dach des Magdalenenstifts. "Wir haben sie vor etwa fünf Jahren außer Betrieb genommen", sagt Geschäftsführer Dirk Keiner. "Die Glocke ist nicht abstellbar und geht die ganze Nacht durch", weißt Keiner darauf hin, dass Glocken auch stören können.

Der Kunstturm am Kleinen Teich ist ebenfalls zur Viertelstunde mit seinem Glockenschlag zu hören. Im Nikolaikirchturm hängt ebenfalls eine Viertelstundenglocke. Direkt daneben im Kirchturm ist Platz für eine zweite Glocke, jedoch hängt dort keins der Musikinstrumente, sondern nur noch ein Klöppel.

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