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Suizid in Schmölln: Staatsanwalt lässt Psychiatrie-Akten beschlagnahmen

Toter Somali Suizid in Schmölln: Staatsanwalt lässt Psychiatrie-Akten beschlagnahmen

Im Fall des toten Somalis aus Schmölln hat sich Suizid als Todesursache bestätigt. Wie Staatsanwalt Jens Wörmann auf Nachfrage sagte, habe er zum Todeszeitpunkt auch „keinen Alkohol und keine Drogen im Blut gehabt“. Ansatz für weitere Ermittlungen sehe er einzig bei der Psychiatrie in Stadtroda, weswegen nun die Krankenakten beschlagnahmt werden.

Aus dem obersten Stock dieses Wohnblocks war ein 15-jähriger Somali am 21. Oktober in den Tod gesprungen. Inzwischen berichten sogar internationale Medien über den Vorfall in Zusammenhang mit vermeintlichen „Spring-doch“-Aufforderungen.
 

Quelle: Frank Prenzel

Altenburg.  Der Suizid des somalischen Flüchtlings in Schmölln schlägt immer höhere Wellen. So berichteten in der Vorwoche namhafte nationale und internationale Medien über den Vorfall und die vermeintlichen Anfeuerungen, sich das Leben zu nehmen. Während für die amerikanischen Tageszeitungen New York Times und Washington Post Schaulustige „anscheinend“ den Satz „Spring doch!“ gerufen haben sollen, steht für das britische Boulevardblatt Daily Mail fest, dass „deutsche Neonazi-Nachbarn einer Flüchtlingsunterkunft einen depressiven Somali angestachelt haben, in den Tod zu springen“. Auch der Spiegel widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe – freilich distanziert und faktenorientiert – auf zwei Seiten der Geschichte.

Das Nachrichtenmagazin kommt dabei zu dem Schluss, dass man „vielleicht nie herausfinden“ wird, „ob dieser Satz so gefallen ist oder nicht“. Das sieht der Geraer Staatsanwalt Jens Wörmann ähnlich. Zumindest haben die bisherigen Ermittlungen diese anfangs von Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) verbreitete Information nicht erhärten können. „Auch wenn sich die Polizei bei ihren Ermittlungen stark darauf konzentriert hat“, sagt der zuständige Staatsanwalt – und verweist erneut darauf, dass diese Rufe zwar moralisch verwerflich, aber strafrechtlich irrelevant seien. „Denn Suizid ist keine Straftat, weswegen es auch die Aufforderung dazu nicht sein kann.“

Daher hält sich Wörmann lieber an die Fakten. Und davon gibt es einige neue. So ist der 15-jährige Somali inzwischen gerichtsmedizinisch untersucht worden. „Es gibt keine Überraschungen“, erklärt der Staatsanwalt. Er sei seinen Sturzverletzungen erlegen. „Todesursache war letztlich ein Herzkammerbeutelriss.“ Auch habe der junge Mann zum Todeszeitpunkt „keinen Alkohol und keine Drogen im Blut gehabt“.

Nach OVZ-Informationen war der Somali erst am Vormittag des 21. Oktober ausgenüchtert aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Stadtroda entlassen worden, wo er am Abend zuvor wiederholt betrunken eingeliefert worden war. Dass die Klinik ihn trotz des Alkoholproblems und der sich dadurch verstärkten psychischen Auffälligkeit wieder entlassen hat, weil sie ihn – aufgrund mehrfacher Aufenthalte und eines psychopathologischen Bildes – weder als Gefahr für sich noch für andere einschätzte, sieht Wörmann dagegen kritisch. „Das könnte ein Ansatzpunkt sein“, sagt er. Daher würden die Krankenakten nun beschlagnahmt und überprüft. Sollte daraus hervorgehen, dass man in Stadtroda keine akute Selbst- und Fremdgefährdung erkannt habe, nennt das der Staatsanwalt „zumindest merkwürdig“.

Für diesen Fall kündigt Wörmann zudem ein neutrales Gutachten an. „Auch wenn es bei psychiatrischen Einschätzungen noch schwieriger ist, Fehler nachzuweisen als bei anderen Ärzten“, so der Staatsanwalt Er erwäge daher, das Verfahren an die darauf spezialisierte Sonderabteilung der Geraer Staatsanwaltschaft abzugeben. Offen bleibt darüber hinaus, wie sich das Stadtrodaer Personal bei seinem letzten Aufenthalt mit dem 15-Jährigen verständigt hat. Sprach er doch nur ein paar Brocken Deutsch und einen seltenen somalischen Dialekt, für den es in ganz Mitteldeutschland nur sehr wenige Dolmetscher gibt.

Abgesehen davon sieht Wörmann „keine Anhaltspunkte“ für strafrechtlich relevante Fehler. Auch wenn kein Psychologe anwesend war, weil die Zeit zu kurz war, um das zu ändern. Laut Ermittlungen hat sich der Somali seitlich vom Fenster abgestoßen, was für eine bewusste Entscheidung spricht. „Somit konnten die Rettungskräfte nicht mehr reagieren“, sagt Wörmann und Schmöllns Stadtbrandmeister Volker Stubbe ergänzt: „Alle Feuerwehrleute haben professionell, schnell und fehlerlos gehandelt.“ Die Kameraden hätten das Lot unter der Absprungstelle gefällt und genau darunter das vier mal vier Meter messende Sprungtuch ausgebreitet, das acht Feuerwehrleute hielten. Zudem habe man eine Drehleiter zur Rettung angeboten und die Vordächer mit Matten abgepolstert.

Nach OVZ- und Spiegel-Informationen sprang der Somali jedoch erst, als zumindest ein Polizist nach einer Stunde ins Zimmer stürmte. Offenbar hatte man die Geduld verloren. Nachfragen dazu ließ die Polizei jedoch unbeantwortet.

Von Thomas Haegeler und Jörg Wolf

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