Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Surreale Gesellschaftskritik in der Pleißenaue
Region Altenburg Surreale Gesellschaftskritik in der Pleißenaue
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 17.04.2018
Froschmann auf dem Trockenen: Unter anderem in Lehma wurden Szenen für den Kurzfilm „Der Kupfermann“ gedreht. Quelle: Mario Jahn
Anzeige
Treben

Überall auf dem Boden türmen sich alte Gerätschaften. Metallstreben verzweigen sich mit Ästen, Dosen und Tonnen liegen herum, die Szenerie wird von einer starken Lampe grell erleuchtet. Im Lichtkegel sitzt, reglos, ein Mann, auf dem Kopf den Helm eines Taucheranzugs, wie man ihn aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts kennt.

Optimale Bedingungen

Reichlich surreal ging es mitunter in den vergangenen Tagen im Norden des Kreises und in der Skatstadt zu. An gleich mehreren Orten wurden Scheinwerfer aufgebaut, rollten die Kameras, um Szenen für den Kurzfilm „Der Kupfermann“ einzufangen. Für den Kurzfilm der Produktionsfirma Reynard Films aus Leipzig bot sich insbesondere in der Pleißenaue die optimale Umgebung, um die gewünschten Szenen einzufangen.

„Die Entscheidung für das Altenburger Land ist aus zwei Gründen gefallen“, erklärt auf Nachfrage Katharina Weser, die den Film gemeinsam mit ihrem Partner Georg Neubert realisiert. „Zum einen erhalten wir Fördermittel vom Freistaat, zum anderen haben wir hier gleich mehrere passende Drehorte gefunden.“ Neben der Scheune in Lehma, in der die Szenen mit dem Taucher entstehen, wurden weitere Sets in der ehemaligen Fockendorfer Papierfabrik, in einem leerstehenden Geschäft in der Altenburger Amtsgasse sowie in einem alten, ungenutzten Haus in Treben errichtet.

Über Letzteres freut sich Weser ganz besonders. „Wir wollten ein Haus, in dem die Übergänge etwa von der Küche zum Esszimmer nicht abgeschlossen sind und das hohe Räume zum besseren Filmen hat“, berichtet sie. Da zudem die Außenansicht, etwa der Fenster, zu bereits getätigten Aufnahmen in Mecklenburg-Vorpommern passe, sei die Wahl letztlich leicht gefallen.

Hochaktuelles Thema

Erzählt wird die Geschichte von Bertram, der sich an seinem Lebensabend noch einmal einem letzten Projekt widmet und dabei über die verlorene Zeit mit seiner Familie reflektiert. Ein hochaktuelles Thema, wie Katharina Weser findet. „Es gibt mehr und mehr Menschen, die ihre vermeintlich erfüllende Arbeit ins Zentrum ihres Lebens stellen und darüber vergessen, dass es daneben auch noch ein anderes Leben gibt.“ Teils werde die bewusste Entscheidung, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen sogar als Scheitern aufgefasst, so ihre Erfahrung. Dieser Sichtweise wollen Weser und Neubert mit ihrem Film entgegen treten.

Das lebendige Set

Dafür, dass die Visionen der beiden Filmemacher schlussendlich auch passend umgesetzt werden können, ist nicht zuletzt Szenenbildnerin Mona Otterbach zuständig. „Ein gutes Set muss lebendig sein, nicht zu steril wirken. Man muss in den Räumen Gewohnheiten sichtbar machen“, erläutert sie. Entsprechend sind die Räumlichkeiten, etwa in Treben, ausgestattet.

Im Wohnzimmer hat das fünfköpfige Team nicht nur eine neue Tapete angebracht, alle Gegenstände, vom Sofa bis zur Kücheneinrichtung, sind akribisch ausgesucht und platziert worden. „Alles muss zur Geschichte passen, deshalb stehen hier auch keine Ikea-Möbel. Das wäre nur störend und reißt den Zuschauer womöglich noch aus der Immersion heraus.“

Fündig geworden sind die Filmemacher für die Ausstattung der Räume dabei an ganz unterschiedlichen Orten. „Der Eigentümer des Hauses hat uns etwa den Wohnzimmerschrank überlassen, andere Utensilien haben wir aus dem Fundus des MDR“, zählt Otterbach auf. Die Gärtnerei Staacke steuerte einige Pflanzen bei, große Teile der Küchenutensilien wiederum sind aus dem Fockendorfer Heimatmuseum. „Generell waren alle, egal ob Bürgermeister, Anwohner oder Vereine, sehr hilfsbereit“, zeigt sich die 26-Jährige dankbar für die breite Unterstützung für das Projekt.

Premiere im Herbst

Läuft alles nach Plan, sollen die Arbeiten an „Der Kupfermann“ bis zum Spätsommer abgeschlossen sein. Danach wolle man sich zunächst für Festivals bewerben. Und natürlich, betont Katharina Weser, werde der Film dann auch seine lokale Premiere im Altenburger Land erleben – voraussichtlich im Herbst kann man prüfen, wie gut sich der Kreis auf der Leinwand präsentiert.

Von Bastian Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wer am Sonntag nicht allein auf die Ergebnisse der Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen warten möchte, hat dazu einige Gelegenheit. So treffen sich die meisten Parteien am Abend in Altenburg zu Wahlpartys.

17.04.2018

Das hat schon Tradition: Das Christliche Spalatin-Gymnasium Altenburg hatte diese Woche wieder französische Schüler aus der Partnerschule „Jules Ferry“ aus Conty zu Gast. Die Acht- bis Zehntklässler aus dem Norden des Nachbarlandes unternahmen zum Beispiel eine Stadtrallye durch Altenburg und begaben sich auf die Spuren Jules Vernes.

13.04.2018

Reform-Vorstoß in Altenburg: Bei einem Besuch des Technischen Hilfswerks hat sich Innenminister Georg Maier (SPD) für eine Reduktion der Rettungsleitstellen in Thüringen ausgesprochen. Zugleich will er in die verbleibenden Zentralen investieren.

16.04.2018
Anzeige