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Susi lacht sich eins

Susi lacht sich eins

Mehrere Tonnen gefangener Fisch und zahllose zufriedene und gutgelaunte Besucher sind das Ergebnis des zweiten Fischgeflüsters am Sonnabend und Sonntag am Großen Teich in Altenburg.

Altenburg.

Das Abfischen förderte zudem die Erkenntnis zutage, dass es dem wichtigsten Gewässer der Kreisstadt etwas besser geht als in den Vorjahren.

 

Die Teichpromenade, unterhalb der Schwimmhalle zwischen Teichknoten und Stadtwald, verwandelte sich am Wochenende in eine einzigartige und fast 500 Meter lange Flaniermeile. Anziehungspunkt waren bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 17 Grad ja nicht allein die Fischer und ihr Fang. Kurzweil und Unterhaltung bot außerdem ein langgezogener Floh- und Trödelmarkt, dazu gab es reichlich kulinarische Genüsse, bei denen natürlich die zubereiteten schwimmenden Tiere im Mittelpunkt standen: Räucherfisch, Fischsuppe, Fischbrötchen, Backfisch.

 

Auf ihre Kosten kamen aber nicht nur Fischliebhaber. Auch der Flohmarkt bot zwischen Militaria, alten Schallplatten und allerlei Krimskrams sogar einige Raritäten. Wie beispielsweise am Stand von Bernd Erler aus Grimma, der alte Radiogeräte anbot. Seine Lieblingsstücke diesmal waren ein Röhren-Kofferradio der Marke Schaub aus den 40er-Jahren und das nicht ganz so betagte RFT-Gerät "Sonneberg". Viel verkaufen konnte der Sammler in Altenburg aber nicht. "Die Leute freuen sich über die alten Radios, weil damit Erinnerungen wach werden", sagte der Händler. Kaufen aber wolle kaum jemand. Auch wenn der Grimmaer an diesem Wochenende nur ein paar kleine Ersatzteile losgeworden ist, will er im nächsten Jahr wiederkommen.

 

Höhepunkte an beiden Nachmittagen war selbstverständlich das Abfischen. Als die bis zur Hüfte im Wasser stehenden Fischer ihre Netze enger zogen und der Kran die zappelnde Fracht an die Bottiche bugsierte, reckten sich die Hälse, gab es Geschiebe und Gedränge. Hechte, Karpfen und Zander, kleine und große, zappelten auf dem Sortiertisch und flogen in hohem Bogen in die Bassins, das Wasser spritzte bis in die ersten Zuschauerreihen. Nichts für zarte Gemüter. Den meisten aber gefiel's.

 

Etwas über zwei Tonnen Karpfen wurden an beiden Tagen "geerntet", schätzte Stefan Schröer ein. Zum zweiten Mal hatte der Pächter des Großen Teiches zum Fischgeflüster eingeladen, das sein Fischereibetrieb Altenburger Land mit Sitz in Wilchwitz gemeinsam mit einem Betrieb in Deutzen organisierte. Doch die zwei Tonnen waren für Schröer viel zu wenig. Der Hauptgrund dafür lag für ihn darin, dass man in die Ecken und Ränder des Teiches gar nicht kam, weil dort Äste und Baumreste liegen und diese die Netze gefährdet hätten. Dennoch freute sich der Fischer. Denn jene Zander, Hechte und Karpfen, die herausgeholt wurden, waren gesund, fidel und hatten eine gute Farbe. Dies lag vor allem an der Reduzierung der sogenannten Wildfische. Von den Plötzen, Barschen und Rotfedern gab es bis zum letzten Jahr viel zu viele. Sie fraßen den anderen Fischen das Futter weg und sorgten im Sommer außerdem für schlechte Sauerstoffwerte, was auch zu dem immer wieder beobachteten Fischsterben führt. Deshalb wurden im letzten Winter 200 Hechte in den Großen Teich eingesetzt, die den Bestand an Wildfischen etwas reduzierten, aber noch nicht so, wie sich das Schröer wünscht. Ehe ein optimaler Fischbesatz erreicht ist, braucht es noch ein paar Jahre. Außerdem müsste das Gewässer einmal richtig abgelassen werden, damit der Schlamm austrocknen und ausfrieren kann, sodass auch die unteren Schichten mehr Sauerstoff bekommen. Doch eine vollständige Entleerung des Teiches lässt der Abfluss gar nicht zu, schätzt der Experte ein. Dennoch soll noch, so gut es eben geht, weiter Wasser ablaufen und in diesem Monat nochmals abgefischt werden - freilich ohne öffentliches Spektakel.

 

Eine aber freute es diebisch, dass der Teich noch viel zu viel Wasser hatte: Karpfen-Dame Susi. Sie war im letzten Jahr ins Netz gegangen und brachte 22 Kilo auf die Waage, ehe sie wieder ins Wasser gelassen wurde. Diesmal aber schlug Susi den Fischern ein Schnäppchen und lachte sich eins.

 

© Kommentar

Jens Rosenkranz

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