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Tafelgärten erneut in Gefahr

Tafelgärten erneut in Gefahr

Die fünfte Runde des Projektes Tafelgärten läuft seit einigen Tagen. Unter Regie des Vereins Ost-thüringer Neue Arbeit und in Kooperation mit den Kleingärtner-Regionalverbänden Altenburg und Schmölln bauen Ein-Euro-Jobber in sonst leer stehenden Kleingärten Obst und Gemüse an, das der Sozialküche Heiste zugute kommt.

Ungewiss ist, ob das Projekt Bestand hat - denn den Sparten werden die Pachten zu viel.

 

 

 

Kleingarten-Regionalverbands-Chef Wolfgang Preuß redete auf der Mitgliederversammlung am Sonnabend nicht lange um den heißen Brei herum: "Pro Jahr kommen für jede als Tafelgarten bewirtschaftete Parzelle Kosten in Höhe von durchschnittlich 43,50 Euro zusammen. Geld, das bislang die beteiligten Anlagen sponsern", sagte er. Das summiert sich. Denn 73 Tafelgärten gab es im Vorjahr in 34 Gartensparten im ganzen Altenburger Land. Für 2013 ist die Tendenz gleichbleibend.

 

"Somit haben die beteiligten Garten-sparten 3175,50 Euro im Projekt Tafelgärten der Neuen Arbeit gesponsert", rechnete der Verbandschef vor. "Gelder, die uns aber im Haushalt fehlen." Angesichts der eigenen angespannten Finanzsituation müsse man ab 2014 diese Aufwendungen an die Neue Arbeit weiterreichen, so Preuß.

 

Die Geschäftsführerin der Neuen Arbeit, Adelheid Schatz, nahm diese Ankündigung sichtlich geschockt auf. "Ich weiß derzeit nicht, woher wir dieses Geld nehmen sollen", bekannte sie. Im Umkehrschluss: Öffnen sich nicht in nächster Zeit manche Geldhähne, wäre das erfolgreiche und nützliche Projekt wohl in seiner letzten Saison angekommen.

 

Dies weiß auch Preuß, der aber keinen anderen Ausweg sieht. Denn auch der Haushalt des Regionalverbandes ist mit laufenden Kosten von circa 53 000 Euro auf Kante genäht. "Normalerweise müssten wir als Verband in unserer Rücklage eine Summe in Höhe eines Jahresbudgets haben, um im Falle einer drohenden Insolvenz für ein Jahr arbeitsfähig zu bleiben", erklärte der Chef. Derzeit haben die Kleingärtner aber statt der rund 53 000 Euro nur 13 000 Euro auf der hohen Kante, Tendenz perspektivisch weiter sinkend. "Immerhin hatten wir schon einmal 31 000 Euro in der Rücklage."

 

Keineswegs sieht Preuß mit seinem Vorstoß die Neue Arbeit in der Pflicht, sondern die Politik. "Der Verein leistet eine hervorragende Arbeit für sozial schwache Menschen, für Bedürftige", betonte der Gärtnerboss. "Es ist einfach eine Schande, dass die Neue Arbeit regelmäßig betteln gehen muss, um Gutes zu tun. Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen, damit der Verein endlich eine solide finanzielle Ausstattung bekommt, um Planungssicherheit zu haben."

 

Zumindest erreichten diese deutlichen Worte auch Politikerohren: Vize-Landrätin Christine Gräfe (CDU): "Ich habe die finanziellen Probleme vernommen. Mit dem Jobcenter werde ich reden, denn es kann nicht sein, dass alle finanziellen Lasten auf die Kleingärtner abgewälzt werden", versprach sie.

 

Konkrete Zusagen wurden am Samstagvormittag aber nicht gemacht. Eine Lösung wäre, den Anlagen auf kommunalem Grund die Pachten für leer stehende Parzellen zu erlassen. In Lucka werde dies schon praktiziert, informierte Bürgermeisterin Kathrin Backmann (SPD).

 

Wie groß bei diesem Modell die möglichen Einsparungen für die Kleingärtner bei einem mittlerweile durchschnittlichen Leerstand von knapp zehn Prozent sein könnten, beweist die Anlage Weißer Berg in Altenburg. "Von 75 Gärten stehen derzeit zehn leer", informierte Spartenchef Matthias Busch. Zu den Pachten und Beiträgen kämen noch die Kosten der Unterhaltung dieser Gärten. "Da kommen schon um die 1000 Euro pro Jahr zusammen. Geld, dass wir gut anders einsetzen könnten", so Busch.

 

© Kommentar

Jörg Wolf

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