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Altenburg Tafelgärten im Altenburger Land steht nach sechs Jahren vor dem Aus
Region Altenburg Tafelgärten im Altenburger Land steht nach sechs Jahren vor dem Aus
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00:18 05.05.2017
Einer der Tafelgärten in Altenburg. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Nach der Insolvenz des Sozialvereins Ostthüringer Neue Arbeit steht auch das Projekt der Tafelgärten vor dem weitgehenden Aus. In den zurückliegenden sechs Jahren hatte darin die Neue Arbeit in Kooperation mit den Regionalverbänden der Kleingärtner in Altenburg und Schmölln in den dortigen Anlagen leerstehende Parzellen durch Ein-Euro-Jobber bewirtschaften lassen, um das dort geerntete Obst und Gemüse in der Vereinseigenen Küche sowie den Tafelläden Bedürftigen zugute kommen zu lassen.

„Zu Spitzenzeiten waren in das Projekt bis zu 130 sonst leer stehende Gärten in 40 Anlagen eingebunden, die von bis zu 80 Teilnehmern bewirtschaftet wurden, die die Agentur für Arbeit stellte“, teilte der Chef des Regionalverbandes der Kleingärtner Altenburg, Wolfgang Preuß, auf der jüngsten Verbandsversammlung auch Nachfrage mit. „Allerdings ist es der Thüringer Arbeitsloseninitiative (Talisa), die nach der Insolvenz der Neuen Arbeit im Februar diesen Jahres die Projekte übernahm, unmöglich, ein allein logistisch so umfangreiches Projekt weiterzuführen“, so Preuß deutlich. Nach derzeitigem Kenntnisstand betreibe Talisa hier nur eine Hand voll Gärten weiter, um mit den erzielten Ernten die Sortimente der beiden Tafelläden in Altenburg und Schmölln für die Kundschaft zu decken.

„Aus den 130 Tafelgärten wurden im Schnitt zwischen 15 und 17 Tonnen Obst und Gemüse gewonnen. Um solche Mengen zu verarbeiten, braucht es riesige Kühlstrecken oder eine Küche. All dies hat Talisa nicht“, so Preuß.

Bei der thüringenweit agierenden Talisa für Altenburg zuständig ist das Regionalbüro Ost in Gera. Regionalleiterin Marion Beyer: „In dem bisherigen Umfang solche Gärten zu betreiben, übersteigt bei weitem unsere Möglichkeiten und ist auch nicht notwendig. Wir haben aus anderen Projekten auch etliche Erfahrungswerte, die wir auch in Altenburg anwenden. Die besagen, dass drei Tafelgärten in Altenburg den Bedarf voll decken, einen wird es zudem in Lucka geben“, sagt Beyer. Und wachse der Bedarf an, dann könne man weitere Gärten für das Projekt dazunehmen.

Für Wolfgang Preuß waren den Tafelgärten ohnehin Grenzen gesetzt. Ins Leben gerufen wurden die einst unter anderem auch, um dem wachsenden Leerstand in den Kleingartenanlagen entgegen zu wirken. „Solche Tafelgärten sind weder die originäre Aufgabe des Kleingartenwesens, noch sind sie ein Allheilmittel im Kampf gegen die wachsenden Leerstände“, sagte er deutlich. Da nun aber schlagartig die Nutzung als Tafelgärten wegfalle, steige die Zahl ungenutzter Parzellen und perspektivisch auch deren Verwilderung schlagartig an.

„Noch in diesem Jahr werden wir deshalb gemeinsam mit der Stadt beginnen, unser Leerstandsmanagement umzusetzen“, sagt Preuß. In allen Mitgliedssparten werden 2017 Begehungen stattfinden, um dort den Bestand an zusammenhängenden Flächen zu ermitteln, die nicht mehr kleingärtnerisch genutzt werden. Ziel ist es dann, diese Flächen aus der Nutzung als Gärten herauszunehmen und anderweitig zu vermarkten, beispielsweise als Bauland.

Von Jörg Wolf

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