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Tag des offenen Denkmals: 18.000 Besucher in Altenburg zu Gast

Villen, Stuckdecken und Wohngebäude Tag des offenen Denkmals: 18.000 Besucher in Altenburg zu Gast

Am Sonntag öffneten 30 historische Bauten ihre Pforten zum bundesweiten Tag des Denkmals 2016. Fünf neue Privateigentümer waren von der Partie. Über den maroden Zustand der Villa Köhler machte sich allerdings Enttäuschung breit.

Oben hui, unten pfui: Viele Besucher waren über den baulichen Zustand der Villa Köhler in der Leipziger Straße enttäuscht.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Sogar den antiken Briefkasten von Freiheitskämpfer Siegfried Flack in der Lessingstraße 1 konnten Besucher am Sonntag bewundern. Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals, der unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ einlud, öffneten 30 historische Bauten in Altenburg ihre Pforten, darunter fünf „Neulinge“.

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Am Sonntag öffneten 30 historische Bauten in Altenburg ihre Türen zum bundesweiten Tag des Denkmals 2016.

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Das barocke Bürgerhaus in der Lessingstraße 1 (ca. 1920) war einer davon. Der Grund: Die letzte Mieterin ist gerade ausgezogen, und vor der Generalsanierung wollte die Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) Altenburg den historischen Gebäudekomplex der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Dachgeschosswohnung mit dem historischen Briefkasten verfügt über eine bemerkenswerte Vergangenheit: In der Nacht zum 22. Dezember 1949 sabotierte eine Widerstandsgruppe von dort aus die Rede des ehemaligen DDR-Staatspräsidenten Wilhelm Pieck, der anlässlich Stalins Geburtstags im Radio sprach. Siegfried Flack, Oberschulhelfer an der Karl-Marx-Oberschule (heutiges Friedrichgymnasium), und seinen Mitstreitern gelang es zwar, die Sendung zu stören und dabei zum Widerstand aufzurufen, wurden jedoch wenig später hingerichtet.

Bei den sommerlichen Temperaturen waren am Sonntag die meisten zu Fuß unterwegs und ruhten sich nur zur Mittagszeit im Biergarten des Teehauses oder in der Hofgärtnerei bei Roster und Mutzbraten aus. Manche ließen ihre Mittagsmahlzeit gar aus, zum Beispiel Rosemarie Bernard. Die Altenburgerin war schon früh auf den Beinen, weil sie auf die erstmals eröffneten Denkmäler gespannt war und nichts verpassen wollte.

Besonders interessierte Bernard, was sich hinter den Mauern der Villa Mylius (1898) in der Parkstraße 4 verbirgt. Das ehemalige DDR-Gästehaus machten die heutigen Eigentümer der Steuerkanzlei Manolikakis zugänglich. Besonders von dem Prunkzimmer mit feiner Holzvertäfelung und eingearbeiteten Schränken war die 73-Jährige begeistert. „Man geht hier immer vorbei und weiß gar nicht, dass sich hier ein Schlösschen befindet“, schwärmte sie. „Die Heizungskosten wären mir allerdings zu hoch, und putzen wöllte ich darin auch nicht“, gab die Altenburgerin lachend zu bedenken.

Ebenfalls erstmals geöffnet waren die Villa Köhler (1867) in der Leipziger Straße 2 sowie die barocken Bürgerhäuser Bei der Brüderkirche 4 (ca. 1750) und in der Burgstraße 7 (1718).

18.000 Besucher waren laut Jürgen Fröhlich von der Unteren Denkmalschutzbehörde auf den Beinen. Im Vorjahr wurden 27.000 Interessenten gezählt. Der Rückgang sei der Hitze geschuldet, so Fröhlich, der dennoch von einem „großen Erfolg mit vielen Auswärtigen“ spricht. Besonders die Abschlussveranstaltung in der Malzkaffeefabrik sei gut angenommen worden.

650 Besucher waren es am späten Nachmittag in der Burgstraße. „Ich hoffe, wir knacken heute noch die 700er-Marke“, frohlockte Eigentümer Mathias Kurth. Im dem schattigen Innenhof hatte er eine kleine Tafel aufgebaut und verköstigte Gäste mit Getränken und Kuchen. Die anderen begaben sich in das unterirdische Wabengewölbe auf Spurensuche. Bis 1945 existierten darin Tunnelverbindungen zum Schloss und zur Bartholomäikirche. Auch das barocke Bürgerhaus Bei der Brüderkirche 4 ließ Interessierte in die Kelleranlage blicken. Innere Stuckdecken, barocke Türen und eine Treppenanlage mit vielen Brettschnitt-Motiven kamen darüber zum Vorschein.

Echte Enttäuschung machte sich indes in der Leipziger Straße 2 breit. Anneliese Vogel fand, dass die Räumlichkeiten der Villa Köhler schon einmal besser ausgesehen hätten. „Hier ist nichts gemacht worden“, echauffierten sich auch Peter und Gabi Schuber, die hier in den 70er-Jahren dort öfters eingekehrt waren.

Von Melanie Steitz

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