Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Taxisterben greift in Thüringen um sich
Region Altenburg Taxisterben greift in Thüringen um sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 26.03.2012
Gera

Von Robert Büssow

Wer zum Arzt oder ins Krankenhaus muss, ist vielerorts auf ein Taxi angewiesen. Die Busse fahren, wenn überhaupt, immer seltener. Doch auch Taxiunternehmen ziehen sich immer stärker aus der Fläche zurück. "Das Taxi auf dem Land verliert in Zukunft seine Daseinsberechtigung", sagt Martin Kammer, Verkehrsreferent des Landesverbands Thüringer Verkehrsgewerbe (LTV). Schuld ist die Demografie, aber auch eine alternde Bevölkerung, die sich ein Taxi kaum leisten kann. Eine Fahrt von 20 Kilometern koste im Schnitt zwischen 28,90 Euro im Kreis Hildburghausen bis in der Spitze 33,50 Euro in Altenburg, Jena und Schmalkalden-Meiningen, erklärt Kammer. Es droht ein schleichendes Taxisterben. Auf einer Fachtagung der IHK in Gera am vergangenen Freitag machten Taxi-Unternehmer ihrem Ärger Luft. Ihre Einnahmen werden immer stärker von den Kosten aufgefressen.

Selbst Krankenfahrten, die auf dem Land bis zu 80 Prozent des Geschäfts ausmachen, lohnen sich kaum noch, weil die Krankenkassen schlecht bezahlen. Martin Kammer rechnet vor: Ein Taxi verursacht im Schnitt Gesamtkosten von 44 000 Euro pro Jahr. Nur um diese zu decken, müsste ein Taxifahrer 1,30 Euro pro besetztem Kilometer verlangen. Die AOK plus, Thüringens größte Krankenkasse, zahle hingegen nur knapp über einen Euro.

"Das ist doch sittenwidrig. Das gefährdet unsere Existenz", schimpft ein Unternehmer. Seinen Namen will er nicht nennen, aus Angst vor den Konsequenzen. Denn die AOK handelt mit den Taxifirmen Einzelverträge aus und drücke so den Preis, erklärt Kammer. "Ich appelliere dazu, diese Verträge, die nicht kostendeckend sind, zu kündigen."

Der Verband hat mit den meisten anderen Kassen einen Rahmenvertrag ausgehandelt, der ein Entgelt von 1,35 Euro pro Kilometer vorsieht. Die Kritik an dem Niedrigpreis der AOK besteht seit Jahren, doch wenig hat sich bisher getan. "Es gibt noch zu viele, die fahren für diesen Preis, weil alle Einzelkämpfer sind", sagt Kammer. "Das Taxigewerbe ist so zerstritten wie kein anderes. Alle sind sich spinnefeind." Auf der Fachtagung richtete sich aber auch Kritik gegen den Verband, der mit diesen Zahlen an die Öffentlichkeit gehen müsse.

"Immer mehr Taxiunternehmer sehen sich zur Aufgabe gezwungen oder flüchten ins Mietwagengeschäft", sagt LTV-Hauptgeschäftsführer Thilo Müller. Rentabel sei aber auch dies selten. Anders als ein Taxiunternehmer, der eine Betriebspflicht rund um die Uhr zu gewährleisten hat und jeden Kunden auf jeder Strecke transportieren muss, kann eine Mietwagenfirma selbst aushandeln, wann und wen er zu welchem Preis fährt. Viele Firmen machen mittlerweile beides. Landesweite Zahlen liegen dem Verband nicht vor. Allein in der IHK-Region Ostthüringen sind eigenen Angaben zufolge 279 Unternehmer, die sowohl Taxi- als auch Mietwagenfahrten anbieten.

Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Bevölkerungsrückgang und steigende Spritpreise belasten die Bilanzen. Auch der Nachwuchs fehlt: Schlechte Arbeitszeiten, flexibler Einsatz, wenig Lohn. "Es gibt schon Unternehmer, die nicht mehr alle Schichten abdecken können", sagt Kammer. Hinzu kommt in den Städten Konkurrenz durch alternative Mobilitätskonzepte wie Carsharing und Mitfahrzentralen. Ein großes Problem seien zudem illegale Beförderungen. Reha-Einrichtungen und Krankenhäuser, erklärt Kammer, kutschieren ihre Patienten immer öfter selbst. Die Taxis haben das Nachsehen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fußball-Thüringenligist Motor Altenburg hat sich von Chef-Coach Harald Haese getrennt. Das bestätigten der 53-Jährige sowie der Mannschafts- und Abteilungsleiter Günter Grohmann gestern auf OVZ-Nachfrage.

26.03.2012

Das war denkbar knapp. Mit jeweils nur einem Tor Vorsprung gewannen die Ehrenberger Rico Rademann und Mike Pfaffenberger alle vier Bundesliga-Partien des dritten Spieltages am vergangenen Sonnabend.

26.03.2012

Die Altenburger Aufbau-Handballerinnen sind erneut mit einem Erfolgserlebnis aus Sachsen-Anhalt zurückgekehrt. Mit dem 33:25 (14:10)-Sieg über den HSV Haldensleben wurden die Oberliga-Frauen ihrer Favoritenrolle an der Börde gerecht.

26.03.2012