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"Teamgeist nach Trainerwechsel" / Linke schickt Michael Sonntag als OB-Kandidaten ins Rennen

"Teamgeist nach Trainerwechsel" / Linke schickt Michael Sonntag als OB-Kandidaten ins Rennen

"Ich ziehe jetzt ganz offiziell meine Prognose, dass es in Altenburg ohne Stichwahl abgehen wird, zurück", sagt der Kreischef der Linken, Frank Tempel, und strahlt.

Denn es ist genau diese, im OVZ-Interview gemachte Aussage, die seiner Partei nun doch noch einen eigenen OB-Kandidaten beschert hat. Nach seiner überraschenden Zusage vor gut zwei Wochen ist Michael Sonntag gestern Abend vom Altenburger Stadtverband nominiert worden.

Für den 43-jährigen, parteilosen Bau- und Verwaltungsfachmann, der den Linken bislang trotz hartnäckigen Werbens einen Korb gegeben hat, war die Tempel-Voraussage das Zünglein an der Waage. "Wenn ihr tatsächlich keinen anderen findet, dann mach' ich es", beschied der kurzerhand.

Viel mehr noch als Frank Tempel fiel damit Birgit Klaubert ein Stein vom Herzen. Die Chefin der Stadtrats-Fraktion hatte nämlich nach der OB-Wahl 2006, als ihre Partei auf einen eigenen Kandidaten verzichtete, vollmundig erklärt: "Das passiert uns nie wieder." Denn der wiedergewählte Amtsinhaber Michael Wolf (SPD) hatte "zum Dank" für die Unterstützung der Linken nach der Wahl die große Koalition mit der CDU ausgerufen. Doch Klaubert hehres Versprechen schien noch bis vor zwei Wochen ein leeres zu bleiben.

Die Rettung aus diesem Dilemma heißt Michael Sonntag, der keinen Hehl daraus macht, es mit seiner Kandidatur wirklich ernst zu meinen. "Und genau das war unsere Prämisse", betont Tempel. "Diesen oder jenen Parteisoldaten hätten wir schon viel früher aufstellen können. Doch wir wollten keinen Alibi-Kandidaten, sondern einen, der wirklich in der Lage ist, diesen Job zu machen."

Sonntag erfülle die Voraussetzungen aber nicht nur mit seiner beruflichen Qualifikation, sondern auch menschlich. Obwohl er 2007 vom Altenburger ins Erfurter Rathaus wechselte, blieb der gebürtige Oelsnitzer seiner Wahlheimat trotzdem treu. "Ich bin in diese Stadt gezogen, weil ich sie mag. Ich trete an aus Liebe und Verantwortung für meine Stadt", so sein Credo.

Verlassen hat er seinen Arbeitsplatz als Referatsleiter in der Stadtverwaltung nämlich nicht aus freien Stücken, sondern schweren Herzens. "Meine Ideen als Stadtplaner waren offensichtlich nicht mehr gewollt. Ich wurde mehr und mehr ausgegrenzt." Von Ja-Sagern im Umfeld von OB Michael Wolf ist die Rede, die dessen Vorstellungen guthießen und deshalb wohl gelitten waren.

Trotz des beruflichen Weggangs sei er Altenburg aber im Ehrenamt erhalten geblieben und habe die Entwicklung der Stadt stets weiter verfolgt - teils mit Entsetzen. Altenburg ist nach Meinung von Michael Sonntag nicht Motor, sondern Bremsklotz für die Region. Große Teile der Bevölkerung seien in Lethargie verfallen, nehmen keinen Anteil mehr. Genau das will er ändern. "Jetzt gilt es, das Steuer herumzureißen. 2018 ist es dafür zu spät." Selbstbewusste Bürger wünsche er sich. Ein Stadtentwicklungskonzept, das nicht von oben nach unten entsteht, sondern umgekehrt. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen will er stärker ins Blickfeld rücken, den Haushalt nicht auf Kosten der Rathaus-Mitarbeiter sanieren.

"Teamgeist nach Trainerwechsel" ist deshalb sein Wahlkampf überschrieben. "Lassen Sie uns den Obertrainer austauschen. Ich stehe für den Posten zur Verfügung", sagt Sonntag unter dem Beifall der Genossen. 29 von 30 anwesenden Parteimitgliedern geben ihm ihre Stimme. Ellen Paul

 

-Standpunkt

 

 

 

 

Der studierte Stadtplaner und Verwaltungsfachwirt ist im Erfurter Rathaus für den Bereich Stadterneuerung zuständig. Trotz seiner auswärtigen Tätigkeit engagiert er sich weiter für seine Wahlheimat, beispielsweise als berufener Bürger im Bauausschuss des Stadtrates sowie im Stadtforum, das sich insbesondere für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzt. Seit vier Jahren ist der 43-Jährige Mitglied im Gemeindekirchenrat der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Altenburg. Sonntag ist parteilos, verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

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