Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Teile von Denkmal für Altenburger Herzog tauchen nach 100 Jahren wieder auf

Spannender Fund Teile von Denkmal für Altenburger Herzog tauchen nach 100 Jahren wieder auf

Neben der schon Ende April ausgegrabenen kopflosen Statue sind in der Mäderstraße vier weitere Figuren gefunden worden. Sie gehören zu einem Denkmal-Ensemble zu Ehren des Altenburger Herzog Ernst I, das 1917 angefertigt und vor dem Theater-Platz aufgestellt werden sollte. Doch dazu kam es nie. Eine sechste Figur und die Herzog-Statue sind noch verschollen.

Unter den Augen der Fotografen und Kameraleute lädt Bauhof-Mitarbeiter Tino Rößler eine der 3,5 Tonnen schweren Figuren ab, die in der Erich-Mäder-Straße ausgegraben wurden.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Sie war 3,5 Tonnen schwer und stellte Experten vor ein großes Rätsel: Eine kopflose Statue, die Bauarbeiter Ende April in der Erich-Mäder-Straße fanden. Die Schlagzeilen, die der Fund auslöste, dürften nun noch größer werden. Denn unterdessen wurden vier weitere steinerne Figuren an der gleichen Baustelle gefunden, die Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) am Donnerstag auf dem Gelände des städtischen Bauhofs der Presse präsentierte, inklusive einer fast unglaublichen Lösung des Rätsels um
die kopflose Schönheit. Sie und die vier anderen Funde gehören zu einem vor genau hundert Jahren fertiggestellten, aber lange verschollenen Denkmal für Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg (1826 – 1908). Das haben Recherchen der Unteren Denkmalschutzbehörde und der in Altenburg ansässigen Archive ergeben.

Nach dem Tod des Herzogs wollten die Altenburger ihm ein Denkmal setzen. Dazu sammelten sie 42 000 Mark. Weitere 20 000 Mark steuerten die Residenzstadt und 20 000 der Staat bei, so dass für das Denkmal die 102 000 Mark zur Verfügung standen – umgerechnet wären das heute über 400 000 Euro. An einem 1911 ausgerufenen Ideenwettbewerb beteiligten sich fünf namhafte Künstler, ihre Entwürfe und Gipsmodelle wurden 1912 öffentlich ausgestellt. Am Ende entschied man sich für die Idee des Karlsruher Professors Hermann Volz, der sich dann auch an die Arbeit machte. Den Mittelpunkt seines Werkes bildete ein aus italienischem Marmor gefertigtes, 3,20 Meter hohes Standbild des Herzogs in Generalsuniform. Eigentlich sollte Ernst, wie damals für Herrscher üblich, auf einem Pferd sitzen, doch dazu reichte wohl das Geld nicht, wie Jürgen Fröhlich, der Leiter der Unteren Denkmalbehörde mutmaßt.

Im Halbkreis um das Standbild sollten drei jeweils sechs Meter lange Ruhebänke angeordnet werden. An ihnen lagen überlebensgroße, allegorische Figuren, je zwei pro Bank, insgesamt drei männliche und drei weibliche. Fünf von ihnen wurden nun entdeckt. Die aus Kalkstein gefertigten Figuren symbolisierten Kunst und Wissenschaft, Frieden und Krieg sowie Landwirtschaft und Handwerk. Im Hauskalender wird die Bedeutung der sechs Steingestalten so zusammengefasst: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt“.

Das Denkmal wurde 1917 fertiggestellt. Alle Figuren und Einzelblöcke, die zusammen fast 60 000 Kilo gewogen haben sollen, wurden von Karlsruhe nach Altenburg gebracht und im Bauhof des Herzogs eingelagert. Aufgestellt werden sollte das Ensemble vor dem Theater, etwa zwischen Treppenaufgang und dem jetzigen Reisebüro. Es wäre 14 Meter breit und 12 Meter tief gewesen. Doch dazu kam es nie.

Denn nach dem Ende des Ersten Weltkriegs regierten in Altenburg die Sozialdemokraten, die vor dem Theater keinen Adligen sehen wollten. So verblieben Standbild und Figuren unbeachtet im Bauhof. Erst 1930 wurde erneut Geld für das Gedenken an den Herzog gesammelt, es reichte immerhin, um dessen Standbild – ohne die Figuren – im Agnesgarten des Schlosshofes zu platzieren. Dort stand es von 1932 bis vermutlich 1949. Denn seitdem ist es verschwunden. Das Schicksal der sechs anderen Figuren kann Fröhlichs Angaben zufolge noch bis etwa 1963 verfolgt werden. Zu dieser Zeit waren sie in einer Scheune des Bauhofs untergebracht, der sich in der Münsaer Straße befand. Als diese abgerissen wurde, sollten die Statuen sogar zum Bau der Mole in Rostock-Warnemünde eingesetzt werden, gelangten vermutlich mangels Sprit zum Glück nie dorthin, sondern wurden beim Anlegen eines Wäschetrockenplatzes für neu errichtete Wohnblöcke in der Erich-Mäder-Straße verbuddelt.

Wer sich daran noch erinnern oder Angaben zum Verbleib der Herzog-Ernst-Statue machen kann, meldet sich bitte unter Tel. 03447 574918.

Von Jens Rosenkranz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr