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Theater-Haustarif hängt in den Seilen – Gesellschafter bereiten Plan B vor

Altenburg-Gera Theater-Haustarif hängt in den Seilen – Gesellschafter bereiten Plan B vor

Eigentlich schien alles auf einem gutem Weg für einen neuen Haustarifvertrags für das Altenburg-Geraer Theater. Doch jetzt sieht der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Wolf die Tarifverhandlungen in einer „äußerst kritischen Phase“ und hat die Belegschaft über neue Gewerkschaftsforderungen informiert. Die Gesellschaften bereiten zur Sicherheit einen Plan B vor.

Das Landestheater in Altenburg.

Quelle: Frank Hülsböhmer

Altenburg. Eigentlich schien alles auf einem gutem Weg und der Abschluss eines neuen Haustarifvertrags für das Altenburg-Geraer Theater nur noch eine Frage der Zeit und einiger Details. So zumindest hatte es Anfang Oktober den Anschein, als nach zwei gescheiterten Sondierungsgesprächen endlich Tarifverhandlungen in Angriff genommen werden konnten. Doch jetzt sieht der Aufsichtsratsvorsitzende, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), selbige in einer „äußerst kritischen Phase“ (die OVZ berichtete).

Er hat deshalb am Mittwochnachmittag auf einer vom Betriebsrat des Theaters einberufenen Belegschaftsversammlung die Mitarbeiter des Hauses über den aktuellen Stand informiert. Der Grund: Von Seiten der Gewerkschaften seien neue Forderungen aufgemacht worden, die von Arbeitgeberseite nicht zu erfüllen seien. Konkret gehe es nach Aussagen von Wolf beispielsweise darum, dass das auf 66 Stellen, aber im B-Status verbleibende Orchester auf längere Sicht wieder auf 78 aufgestockt werden soll. In einer Orchesterakademie, auf deren Gründung sich beide Seiten schon geeinigt haben, sollen mehr Musiker eingestellt werden als geplant. Drei weitere Chormitglieder seien ebenso eingefordert worden wie verlängerte Kündigungsfristen.

Generell reiche das von den drei Gesellschaftern und dem Land Thüringen bereitgestellte Geld – 19 Millionen pro Jahr – nach Auffassung der Gewerkschaften nicht. Da sie aber eingesehen hätten, dass sowohl Altenburg als auch das Altenburger Land und Gera nicht zu einer Aufstockung in der Lage seien, wollten sie laut Wolf das Land auffordern, den Zuschuss weiter zu erhöhen und mit dem zuständigen Minister ins Gespräch kommen. Dafür sei Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) sogar bereit gewesen, nach Berlin zu kommen. Doch der Treff sei von den Gewerkschaften abgesagt worden.

Nun drohe der Zeitplan ins Wanken zu kommen. „Denn wenn wir bis Jahresende keinen neuen Haustarif haben, rutschen wir automatisch in den Flächentarif mit ziemlich dramatischen Folgen für das Theater“ so Wolf.

Der Aufsichtsratschef zeigte sich im OVZ-Gespräch zufrieden mit der Belegschaftsversammlung. „Ich hatte den Eindruck, dass die Mitarbeiter dankbar waren, informiert zu werden. Es ist meiner Meinung nach notwendig, den Prozess transparent zu machen, damit sich jeder sein eigenes Bild machen kann. Es geht überhaupt nicht darum, die Gewerkschaften unter Druck zu setzen.“

Diese sehen den Vorstoß vom Michael Wolf allerdings mit einiger Skepsis. „Ich bin eigentlich grundsätzlich nicht bereit, öffentlich über laufende Verhandlungen zu berichten“, erklärte beispielsweise Martin Majewski von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), die nach Aussagen von Wolf die meisten Forderungen aufgemacht hat. „Wir stehen mit den Beschäftigten im engen Austausch, sie sind alle bestens informiert“, betonte der Rechtsanwalt, DOV-Verhandlungsführer für Thüringen. Es sei absolut nicht ungewöhnlich, zu fragen, ob nicht doch noch zusätzliche Gelder von irgendwo her kommen. „Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind“, betonte Majewski. Und: Das Gespräch mit dem Minister sei aus Terminschwierigkeiten leider nicht zustande gekommen. Es hätte nur eine der insgesamt vier Gewerkschaft gekonnt.

Michael Wolf kann dies alles trotzdem nicht verstehen. Denn der Abstand des Haustarifs zum Flächentarif soll von derzeit durchschnittlich zwölf Prozent bis 2021 auf sechs Prozent sinken, also halbiert wird. Im auslaufenden Vertrag sei hingegen nur die Rede davon, die Schere nicht weiter auseinandergehen zu lassen. „Ich frage mich, was will man denn noch? Irgendwann muss doch mal Schluss sein“, so Wolf.

Für den Fall das, dass keine Einigung erzielt wird, bereiten die Theaterleitung und die Gesellschafter bereits einen Plan B vor, denn die Rücklagen würden vermutlich nur für das Jahr 2017 reichen. Was dieser Plan konkret beinhaltet, wollte Wolf weder den Theatermitarbeitern noch der OVZ sagen. Nur soviel: Es werde nicht mehr das gleich Theater sein. Allerdings braucht man mit Blick auf frühere Szenarien kein Hellseher zu sein, um dahinter Kündigungen und Spartenschließungen zu vermuten. „Wir wollen das alles aber nicht, unser Ziel ist ein neuer Haustarif“, so Wolf nachdrücklich.

Die Tarifverhandlungen werden am 9. Dezember fortgesetzt. Am Verhandlungstisch sitzen neben der DOV die Gewerkschaft Verdi, die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger sowie die Vereinigung Deutscher Opernchöre und Bühnentänzer. Die Arbeitgeberseite wird vertreten durch den Kommunalen Arbeitgeberverband und den Deutschen Bühnenverein.

Von Ellen Paul

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