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Altenburg Theater legt Million auf die hohe Kante
Region Altenburg Theater legt Million auf die hohe Kante
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00:34 03.08.2015
Silvana Schröders Ballet "KeimZeit" mit Musik der gleichnamigen Band um Norbert Leisegang gehörte zu den Magneten des Theaters. Quelle: Stephan Walzl
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Damit wachsen die verfügbaren Reserven der Gesellschaft auf knapp 7,85 Millionen Euro. Die Risiken für das Theater, die die Geschäftsführung vor allem in veraltender Technik und Räumlichkeiten sowie Tarifsteigerungen und der dünnen Personaldecke sieht, bleiben aber bestehen.

Angesichts des finanziellen Aufschwungs am Theater in den vergangenen vier Jahren wundern Lobeshymnen auf die bereits verabschiedete kaufmännische Geschäftsführerin Andrea Schappmann nicht. Schließlich führte sie die Gesellschaft, die zu 60 Prozent der Stadt Gera und zu je 20 Prozent der Stadt Altenburg und dem Kreis Altenburger Land gehört, von einem Millionenverlust aus Matthias Oldags Zeiten zu einem Millionengewinn. "Ich möchte Frau Schappmann für ihre Arbeit und das super Ergebnis danken, was uns in die Lage versetzt, unser Haus erhobenen Hauptes als Fünf-Sparten-Theater anzupreisen, was großes Ansehen genießt", sagte Aufsichtsratsmitglied und Landrätin Michaele Sojka (Linke).

Das größte Kompliment machte aber Aufsichtsratschef Michael Wolf (SPD). Der Altenburger Oberbürgermeister holte die Finanzexpertin trotz eines Konkurrenzangebots ab 1. August an die Spitze der Stadtwerke, weswegen der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung neben der Bilanz auch die Abberufung Schappmanns einstimmig beschloss. "Frau Schappmann war eine enorme Bereicherung in einer schwierigen Zeit", erklärte der Vorsitzende des Kreistags, Christian Gumprecht (CDU). "Ihre Monatsberichte waren präzise, sauber und differenziert. Damit hat sie Maßstäbe gesetzt."

Nicht minder differenziert fiel dann auch der Jahresabschluss aus, den Schappmann und Generalintendant Kay Kuntze gemeinsam zu verantworten haben. Trotz des rekordverdächtigen Überschusses, der sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 479 000 Euro erhöhte, wird dort relativiert. Denn das erwirtschaftete Ergebnis geht hauptsächlich auf höhere Zuschüsse bei Drittmitteln der Bundeskulturstiftung und einer Kostenerstattung für Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 (+195 000 Euro) zurück sowie auf gesunkene Personalkosten durch vakante Stellen (-145 000 Euro) und geringere Abschreibungen (-279 000 Euro). Dem gegenüber erhöhten sich im Vergleich zu 2013 die Ausgaben für Reparaturen, Wartung und Instandhaltung von Maschinen, Bauten und Betriebsausstattung. Darüber hinaus stellte man erneut 186 000 Euro für eine Tariferhöhung ein.

Damit kommen die Geschäftsführer in ihrem Lagebericht zugleich an eine neuralgische Stelle. "Der Fortbestand der Gesellschaft steht und fällt unverändert mit der Zuschussfinanzierung", stellen sie dort unmissverständlich klar. Auch sei das Erreichen geplanter Umsatzerlöse elementar mit der Verfügbarkeit der Spielstätten verbunden. So wird wiederholt darauf hingewiesen, "dass die Bühnenmaschinerie im Landestheater Altenburg seit Jahren sanierungsbedürftig ist".

Während dieses Problem dank eines früheren Kreistagsbeschlusses nun angegangen wird (die OVZ berichtete), bleiben weitere Risiken zunächst ohne Lösungen. So "bestehen mehrere technische Mängel in den einzelnen Spielstätten des Landestheaters Altenburg und des Puppentheaters". Da dafür die Gebäudeeigentümer - der Landkreis und die Stadt Gera - zuständig sind, aber kaum über finanzielle Mittel verfügen, schwebt dieses Damoklesschwert weiter über dem Theater.

"Ein weiteres Risiko besteht auf personeller Ebene", erklären Schappmann und Kuntze über das Problem der Tarifsteigerungen hinaus. "Aufgrund der geringen Personalstärke in allen Bereichen sind im seltensten Fall Vertretungspositionen vorgesehen. Bei einem Ausfall wird der Betriebsablauf gestört, und so weit es sich nicht um einen kurzfristigen Ausfall handelt, verursacht dies zusätzliche Aushilfskosten."

Abgesehen von den erwähnten unkalkulierbaren Risiken, gehen Schappmann und Kuntze dennoch für dieses und nächstes Jahr davon aus, dass ein ausgeglichenes Unternehmensergebnis erreicht werden kann. Basis dafür seien Finanzierungszusagen und geschlossene Haustarifverträge, aber auch das Erreichen geplanter Umsätze, und dass die Ausgaben nicht durch Selbstverschulden überschritten werden. Wie realistisch diese Einschätzungen sind, zeigen die nahezu unveränderte (- ein Prozent) und im Bundesschnitt liegende Vorstellungsauslastung von 74 Prozent sowie der Fakt, dass der damit erwirtschaftete Eigenanteil an den Kosten bei nur zwölf Prozent liegt. Der Rest sind Zuschüsse.

Thomas Haegeler

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