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Altenburg Thomas Böse steht seit 15 Jahren auf dem Altenburger Markt – und hat viel erlebt
Region Altenburg Thomas Böse steht seit 15 Jahren auf dem Altenburger Markt – und hat viel erlebt
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00:17 16.01.2018
Thomas Böse und Mandy Markgraf kümmern sich auf dem Altenburger Markt um ihre Imbiss-Gäste. Quelle: Bastian Fischer
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Altenburg

Thomas Böse huscht emsig hin und her. Kurz eine der Bratwürste wenden, die auf dem Grill vor sich hin brutzeln, noch einen Kaffee ausschenken – „Zwei Stück Zucker, richtig?“ – dazwischen immer mal wieder ein kurzes Gespräch oder ein lockerer Spruch für seine Kunden. Keine Frage, der 52-Jährige ist ganz in seinem Element, hat hier auf dem Altenburger Markt seine Passion gefunden.

Seit inzwischen über 15 Jahren betreibt Böse, den so gut wie alle seine Kunden nur Tommy rufen, seine kleine Imbissbude. Dabei hatte er sich eigentlich nie wirklich hinter dem Tresen gesehen. Stattdessen war er von einem Gastronomen gebeten worden, eine Verkaufsstelle für einen Freisitz zu entwerfen. Böse, gelernter Ladenbauer, machte sich ans Werk, entwarf und gestaltete gemeinsam mit einem Tischler das Häuschen. Dann jedoch der Schock: „Noch während des Baus ging der Betrieb, bei dem ich angestellt war, pleite.“

Was also tun? Den Kopf in den Sand zu stecken, kam für ihn nicht in Frage. „Ich musste mich um meinen Sohn kümmern, ein Job auf Montage war also keine Option. Und einfach nur auf der Couch sitzen, das kann ich nicht“, erinnert er sich. Stattdessen entschied er sich, einfach selbst den Betrieb der Bude zu übernehmen. „Seit dem Buß- und Bettag 2002 bin ich im Einsatz.“

Fortan war Böse Herr seines eigenen Schicksals, macht alles „selbst und das ständig“, wie er schmunzelnd betont. Da störte es auch nicht, dass er – insbesondere während der Umgestaltung des Marktes – öfter umziehen musste. „Das ging bestimmt sechs oder sieben Mal hin und her, der Stand war aber stets in die Marktplanung integriert.“ Der Zuspruch wuchs über die Jahre stetig, mittlerweile beschäftigt Böse zwei zusätzliche Mitarbeiter, die ihn halbtags unterstützen. Inzwischen wandern nahezu täglich Roster, Kaffee oder Bier über den Tresen. Auch das Zusammenspiel mit den anderen Händlern am Ort funktioniert. Die Brötchen liefert der Bäcker direkt nebenan, das Fleisch für den Grill kommt aus Nöbdenitz, die Personaltoiletten stellt ein befreundeter Betrieb am Weibermarkt zur Verfügung. Im heimischen Eschefeld hat er sich inzwischen ein Haus gebaut, auch der Sohn geht mittlerweile als Chirurgiemechaniker seinen eigenen Weg.

Zurücklehnen will sich Thomas Böse deswegen jedoch noch lange nicht. Nach wie vor brennt er für seinen Job. „Natürlich treibt einen auch ein wenig der Ehrgeiz an, aber hauptsächlich macht mir die Arbeit Spaß. Wir haben viele Stammkunden, man ist immer unter Leuten, nie alleine“, beschreibt er seine Motivation.

Generell sei seine Kundschaft denkbar vielfältig. „Da sind eigentlich alle Schichten vertreten, vom Anzugträger bis zum Arbeitslosen. Selbst Leute, die nur am Wochenende zu Hause sind oder gar nur über die Feiertage nach Altenburg kommen, schauen hier vorbei“, berichtet er. Unterschiede mache er keine, „für mich sind da alle gleich“. Zu der Durchmischung trüge sicherlich auch bei, dass seine Preise vergleichsweise günstig seien, vermutet er. „Den Kaffee für 1,50 Euro kann sich eigentlich jeder leisten, gerade weil bei vielen in Altenburg das Geld nicht immer locker sitzt“, weiß er.

Für die Gäste haben Böse und sein Team dabei immer ein offenes Ohr. „Hier geht nicht nur Kaffee über den Tresen, man ist Ansprechpartner und sicher auch teils Kummerkasten für die Leute“, fasst es Kollegin Mandy Markgraf zusammen. Man hört zu, scherzt, muntert wo nötig auf, ist einfach präsent. Und das, so Markgraf, sei letzten Endes auch, warum man den Job gerne macht. „Wie früher in der Fabrik zu arbeiten kann ich mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen“, betont sie entschieden.

Bei aller Zufriedenheit, es schleicht sich auch ein wenig Sorge in Thomas Böses Blick, wenn er auf die Entwicklung des Altenburger Markts zu sprechen kommt. Zwar brächten gerade Wochen- und Bauernmarkt viel Zulauf für die Innenstadt. „Wenn allerdings die großen Anbieter wie Müller oder Rossmann nicht wären, wäre hier ansonsten wohl tote Hose“, so sein Fazit. Zudem falle durchaus ins Gewicht, dass viele Altenburger außerhalb der Stadt arbeiten, etwa als Fernfahrer unterwegs sind oder über die Woche auf Montage weilen. Auch der letztjährige Wegfall des Altstadtfestes sei unglücklich gewesen. „Ein bisschen mehr Leben, das wäre schon schön“, lautet dann auch sein Wunsch, bevor er sich wieder dem nächsten Kunden widmet.

Von Bastian Fischer

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