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Thomas Wicklein und sein bewährtes Programm glänzen im Jubiläumskonzert von "Klassik bei Kerzenschein"

Thomas Wicklein und sein bewährtes Programm glänzen im Jubiläumskonzert von "Klassik bei Kerzenschein"

Thomas Wicklein hatte zum 50. Konzert "Klassik bei Kerzenschein" ins Große Haus des Landestheaters geladen und viele, viele waren gekommen.

Altenburg.

 

Fünfhundert Gratulanten sagten so dem Initiator dieser Konzertreihe Danke. 50 Mal hat Wicklein seit dem 21. Mai 2000 seinem Publikum zusammen mit dem Philharmonischen Orchester klassische Musik in lockerer und verständlicher Weise nahegebracht. Man kann nur erahnen, wie viele Stunden er für das Formen der Texte, das Entdecken noch unbekannter Werke, für die Bearbeitung und Instrumentierung der Werke und die Auswahl der Solisten aufgebracht hat.

So setzte er auch zum Jubiläum auf die bewährte Mischung aus Bekanntem und Wiederentdecktem und sein besonderes Anliegen, jungen Talenten ein Podium zu geben. Dazu begrüßte er Johannes Kilian aus Adorf und Christopher Schmitz aus Dresden. Johannes Kilian hat als Dreizehnjähriger schon mehrere Preise bei "Jugend musiziert" erspielt. Als bereits versierter Schlagzeuger spielt er in mehreren Bands. In Altenburg begeisterte er mit der für argentinische Weisen typischen Rhythmik beim Malambo "Danza Final" von Alberto Ginastera. Seine Virtuosität bei den bekannten Erinnerungen an den Zirkus Renz von Gustav Peter löste Jubel aus. Weiter verschaffte er der "Trillerpfeife" im Finale des Divertissement von Jacques Ibert Geltung. Preisverwöhnt ist auch der Pianist Christopher Schmitz. Der Student für Musiktheater an der Hochschule "Carl Maria von Weber" spielt mehrere Instrumente, fokussiert sich jedoch aufs Dirigieren. In Robert Schumanns Konzertstück für Klavier und Orchester G-Dur op. 92 fand er die richtige Balance zwischen den still-romantischen und leidenschaftlichen Passagen und erntete dafür viel anerkennenden Applaus.

Traditionell erhält das gesprochene Wort durch junge Talente in dieser Konzertreihe gebührenden Raum. Ende Februar wurde der diesjährige Wettbewerb "Jugend rezitiert" erfolgreich abgeschlossen. Mit Marie Klukas und Niclas Berger vom Altenburger Spalatin-Gymnasium sowie Yasin Baig vom Seckendorff-Gymnasium in Meuselwitz stellten sich die ersten Preisträger der oberen Klassenstufen vor. Gemäß dem Motto "Literarische Meckereien" meckerten sie erfolgreich über Befehle, Hunde und Kanonen.

Mit dem gesungenen Wort glänzten die Sopranistin Kim Sheehan und die Mezzosopranistin Chysanthi Spitadi. Ausdrucksstark und mit den Facetten bestechender Koloraturen faszinierten sie mit der Arie der Konstanze aus Mozarts "Entführung" respektive der Isabella aus Rossinis " L'italiana in Algeri". Einen anderen Farbtupfer an Gesangskunst setzte voller Koketterie und ohne Übertreibung Adelheid Brandstetter mit dem Schwips-Lied von Johann Strauß. Sie war bereits Solistin im ersten "Kerzenschein". Das hier immer noch beliebte ehemalige Ensemblemitglied aus eigenständiger Altenburger Zeit tourt heute mit Ensembles durch die ganze Welt.

Mit Olav Kröger - ebenfalls Solist der ersten "Kerze" - ist noch ein Protagonist zu würdigen, der wie Thomas Wicklein voller Enthusiasmus auf musikalische Entdeckungsreise geht. So war es sein Anliegen, Musik von Johann Ladislaus Dussek in den Blickpunkt zu rücken, dessen 200. Todestag 2012 bedacht wird. Kröger brachte den ersten Satz des Klavierkonzertes zu Gehör. Musik, die wohl in ihrer Virtuosität eigens für den Schauspielkapellmeister komponiert wurde.

Thomas Wickleins Programmatik war zudem auf weitere Jubiläen ausgerichtet, so zum Beispiel auf den auf den Tag genau 280. Geburtstag von Joseph Haydn oder den 220. Geburtstag Gioacchino Rossinis. Das Philharmonische Orchester mit den Solisten Kathrin Osten, Albrecht Pinquart, Martin Groskopff und Eckhard Becker reagierte flexibel auf alle Stilrichtungen durch die Jahrhunderte. Mit der Ouvertüre "L'italiana in Algeri" outeten sich Wicklein wie das Orchester erneut als Rossini-Spezialisten. Der Kapellmeister dankte dem Orchester ausdrücklich für das gemeinsame Musizieren in 50 Konzerten und für so manche Geduld bei der Programm-Erarbeitung. Dem schloss sich das Publikum mit reichlichem Beifall an.

Zur Überraschung des Abends gestaltete sich der Auftritt von Generalintendant Kay Kuntze. Er steuerte mit "Freunde" nach Wilhelm Busch eine eigene Liedkomposition in Uraufführung als besonderes Jubiläumsgeschenk bei, die er gekonnt selbst vortrug. Wie er verriet, ist er über sein Elternhaus - der Vater als Laie an der Hammond-Orgel - zum Komponieren gekommen. In bewegenden Worten dankten er und der Theaterverein zum Abschluss des Abends Thomas Wicklein für seine Verdienste um diese Konzertreihe. Kuntze sieht sie als festen kulturellen Bestandteil von Stadt und Region. Wicklein würde es immer wieder schaffen, die sogenannte vierte Wand zum Publikum zu durchbrechen. Selbiger formulierte angesichts der derzeitigen finanziellen Situation einen leidenschaftlichen Appell zum Erhalt des Fünfsparten-Hauses und des Orchesters mit seinen derzeitigen Möglichkeiten der musikalischen Vielfalt. Diese Botschaft wurde vom für den Konzertabend dankbaren Publikum verstanden. Es wünscht sich mit ihm den 100. "Kerzenschein".

Frieder Krause

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