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Altenburg Thügida-Demo stört Sonntagsrede von Ramelow in der Bartholomäi-Kirche
Region Altenburg Thügida-Demo stört Sonntagsrede von Ramelow in der Bartholomäi-Kirche
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15:40 02.05.2017
Ministerpräsident Bodo Ramelow, Landrätin Michaele Sojka und Oberbürgermeister Michael Wolf kurz vor Beginn des Gottesdienstes in der Bartholomäikirche. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Die Besuchermenge der Gottesdienste der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in Altenburg ist meist überschaubar. Doch am Sonntagvormittag war die ehrwürdige Bartholomäikirche der Brennpunkt in der Skatstadt. Dort stand unter dem Motto „Spalatin spricht“ die erste Altenburger Sonntagsrede an, für die Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gewonnen werden konnte, seine persönlichen Empfindungen als bekennender Christ zur Reformation darzulegen.

Was an diesem sonnigen, aber kühlen Sonntagvormittag die Gegner der auch von Bodo Ramelow mitgetragenen Politik – speziell in der Flüchtlingsfrage – auf den Plan rief: Kurzfristig hatte der Pegida-Ableger Thügida zur Gegendemo vor dem Gotteshaus aufgerufen, die das Landratsamt genehmigt hatte. Und so bot sich vor der Kirche ein verstörendes Bild: Heerscharen von Polizei sicherten das Areal, auf dem sich grüppchenweise die Thügida-Anhänger versammelten, während die Gottesdienst-Besucher in die Kirche traten. Der von den rund 20 Akteuren vorgetragene Protest war nicht nur lautstark, sondern auch grotesk: Die Frauen waren verschleiert und die wie Scheichs verkleideten Männer sollten offensichtlich die Folgen einer Islamisierung karikieren. Alles wurde über Lautsprecher vorgetragene Parolen verstärkt, in denen Christen als Ungläubige diffamiert wurden.

Der Vorsitzende der Kirchgemeinde, Christian Götze, bekannte, dass er sehr angespannt sei. Aber als Kirche habe man die Aufgabe, sich zu Wort zu melden und sich dem Streit zu stellen. Nachdem bekannt geworden sei, dass Thügida so einen Aufmarsch plane, habe man sogar befürchtet, dass Anhänger in die Kirche vordringen und Ramelows Vortrag stören könnten. „Die Sonntagsreden sind eingebettet in einen Gottesdienst“, stellte Götze klar. Wenn Christen ihren Gottesdienst feiern, dann seien störende Aktionen tabu. Thügida musste aufgrund der Beschwerden der Kirchgemeinde den Einsatz von Lautsprechern und Megaphonen zehn Minuten nach Beginn des Gottesdienstes deshalb beenden. So manchem der Besucher in der sehr gut besuchten Kirche war die Verstörung angesichts des Erlebten dennoch anzumerken.

Auch Ramelow ging als protestantischer Christ darauf bewusst ein: „Wir erleben tagtäglich diese moralische Herausforderung, wie gerade da draußen.“ Es sei schon entlarvend, wenn jemand „die gleichen Argumente gegen eine Moschee in Erfurt vorbringt, wie sie vor 80 Jahren gegen Synagogen vorgebracht wurden“. Dies zeige auch, dass die durch die Reformation geprägten Werte bis zum heutigen Tage Gültigkeit haben. Ramelow selber bezeichnete den 5. September 2015 als den bislang unvergesslichsten Tag als Politiker, aber vor allem als Christ. „Als ein in Gera erwarteter Zug mit 1200 Flüchtlingen plötzlich in Saalfeld ankam und wir deren Betreuung rasch organisierten.“ Besonders habe sich ihm da das Bild eines alten gebrechlichen Mannes im Rollstuhl eingeprägt, der als einer der ersten aus dem Zug gehoben wurde. „Irgendwie war dies wie ein Fingerzeig Gottes, dass auch solchen Menschen die schwere Flucht glückt.“

Fast zur Nebensache wurde da am Sonntag der symbolische Baustart für das nicht unumstrittene Georg-Spalatin-Denkmal. Rund 30 000 Euro soll der abgespeckte Entwurf des mannshohen Denkmals aus Bronze kosten. Ursprünglich waren dafür 50 000 Euro geplant. Die Gelder kommen ausschließlich aus Spenden, aber mancher bezweifelt den Sinn dieser Erinnerungsstätte. Nicht aber Christian Götze: „Spalatin hat nicht nur die Kirche nach außen getragen, sondern sich auch viele andere Verdienste für Altenburg, außerhalb der Reformation erworben.

Von Jörg Wolf

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