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Thügida in Altenburg: Lautstark, aber friedlich

Fremdenfeindlichkeit Thügida in Altenburg: Lautstark, aber friedlich

Bei seiner Premiere hat der fremdenfeindliche Pegida-Ableger Thüghida in Altenburg 2250 Teilnehmer angezogen. Aber auch am bunten Gegenprotest nahmen 1000 Menschen teil.

Protest gegen Thügida in Altenburg.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Es ist Viertel Zehn. Der heikelste Moment des Abends steht kurz bevor. Denn hier, in der Rosa-Luxemburg-Straße, genau vor dem Altenburger Theater, werden sie aufeinandertreffen: der Tross des fremdenfeindlichen Bündnisses Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes (Thügida) und seine Gegner. Als es Momente später dazu kommt, kann man kaum noch den eigenen Gedanken folgen – so laut ist es.

Während Barbarossa zum Finale der Uraufführung des Stücks „Der Kaiser spricht!“ ansetzt, dabei „das Geschwätz einiger dummer Leute“ geißelt und immer wieder „say it loud, say it clear, refugees are welcome here“ skandiert, werden er und seine Gefolgschaft aus den Thügida-Reihen mit Stinkefingern begrüßt und als „Volksverräter“ beschimpft. Die Fronten sind klar abgesteckt: Die einen wollen einen „Asylstopp“, weil sie eine „Überfremdung“ fürchten, die anderen plädieren für Menschlichkeit und eine offene Gesellschaft.

In Altenburg haben am Montagabend tausende Menschen für und gegen Thügida, den Thüringer Ableger von Pegida, demonstriert.

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Dass der Thüringer Pegida-Ableger in der Skatstadt laut Polizei-Angaben mit 2250 Teilnehmern dem vom Altenburger Aktionsbündnis organisierten Gegenprotest mit rund 1000 Leuten zahlenmäßig deutlich überlegen ist, ist zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht zu hören. Obwohl hier Welten aufeinandertreffen, bleibt es friedlich. „Bis auf einen Blockadeversuch gab es einen störungsfreien Verlauf“, lautet dann auch das Fazit des Chefs der Landespolizeiinspektion Gera, André Röder, der den Einsatz leitete. „Ich bin zufrieden.“

Auch Rico Schwertner, der Organisator der Gegendemonstration zieht ein positives Fazit. „Ich bin froh darüber, dass wir so viele verschiedene Gruppen zusammengebracht haben. Wir haben Vertreter aus Politik, Kirche, Theater und die Bürger auf die Straße bekommen.“ Laut seinen Angaben haben sich zum Montagsgebet mit anschließendem Theaterspaziergang gut 600 Leute versammelt. Dabei gibt Schwertner aber auch zu bedenken, dass, im Gegensatz zu den voran gegangenen Thügida-Demos, nicht nur Nazis durch Altenburg zogen, sondern auch normale Bürger. „Deshalb war der Nazis-Raus-Spruch verkehrt. Aber es ist schon beängstigend, wenn einem mehr als 2000 Leute gegenüberstehen. Das macht sprachlos“, sagt Schwertner.

Mit Blick auf den Markt, wo der Thügida-Zug sich in Bewegung setzt, begrüßt Pfarrer Reinhard Kwaschik all jene Altenburger, die sich vor der Brüderkirche eingefunden hatten und für die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft stark machen. Mit der Losung des Abends: „Die Unruhe und Angst ist spürbar. Aber deshalb zünden wir Kerzen an und keine Häuser.“ Dass beim Gebet die Kirche bis fast auf den letzten Platz gefüllt war, freut Kwaschik. „Es hat mich schon etwas an 1989 erinnert“, sagt der Pfarrer. Den roten Faden des Programms spinnen dabei jene Darsteller, die in die Rolle Albert Schweitzers geschlüpft waren. Dem Universalgelehrten, der bei Lebewesen weder in gut noch schlecht unterschied. Dazu gesellt sich neben dem Gospelchor jener aller Anwesenden, die „Dona-Nobis-Pacem“ quasi Mantra-gleich vor und nach jedem Programmpunkt singen.

Im Mittelpunkt stehen Redebeiträge von Landrätin Michaele Sojka (Die Linke), Superintendent Michael Wegner und Christoph Schmidt von der Diakonie. Allesamt erläutern sie, wie die Hilfe gegenüber Flüchtlingen aussieht. 2081 Menschen haben bis dato Zuflucht im Altenburger Land gefunden. Das entspricht 2,8 Prozent der Einwohner des Landkreises. Wie weit die Flüchtlingsdebatte derweil gediehen ist, zeigt die Tatsache, dass ein Betroffener sein Martyrium vortragen wollte, das aber aus Angst nicht tat.

Angeführt von Kaiser Friedrich Barbarossa hoch zu Ross begeben sich die Gegendemonstranten von der Brüderkirche gen Theaterplatz. Neben den fleischgewordenen Reinkarnationen Barbarossas, sprechen Charles Chaplin und Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert. „Die Leute fragen, warum sind wir so schweigsam. Dabei ist Schweigen manchmal kräftiger als ein lauter Schrei“, begründet sie.

Zu dem besagtem Blockadeversuch kam es kurz vor 20 Uhr. Als die Thügida-Anhänger in die Heinrich-Heine-Straße einbiegen wollen, stoppt sie die Vorhut von rund 50 Polizisten, weil gut 20 Leute still auf der Straße sitzen und etwas Müll vor sich verteilt haben. Den schiebt die Polizei mit Füßen weg, lässt die Blockierer, unter denen sich auch Flüchtlinge befinden, aber sitzen und kesselt sie lediglich ein. Dadurch kann der vom Greizer NPD-Stadt- und Kreisrat David Köckert angeführte Tross ungehindert passieren. Als er das tut, rufen die Sitzenden: „Nazis raus!“ das wiederum beantworten die Thügida-Teilnehmer mit Worten wie „Abschaum“.

„Das ist eine typische Begleiterscheinung“, sagt Polizeisprecher Sebastian Hecker. „Solche Blockaden laufen unter Spontandemo unter freiem Himmel und sind kein Problem, so lange sie friedlich sind.“ Ansonsten schätze er die Thügida-Teilnehmerzahl in Altenburg im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen anderswo als hoch ein. „In Gera hatten wir zuletzt 1300 und 1500 Thügida-Teilnehmer, woanders viel weniger.“

ovz

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