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Altenburg Thügida zeigt in Altenburg wahres Gesicht
Region Altenburg Thügida zeigt in Altenburg wahres Gesicht
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00:25 09.12.2015
Knapp 550 Demonstranten nehmen am zweiten Thügida-Aufmarsch in Altenburg teil und starten vom Roßplan zu ihrer Kundgebung. Quelle: Jörg Reuter
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Altenburg

Im Großen und Ganzen war es ein ganz normaler Sonnabendvormittag in Altenburg. In den Geschäften und auf dem Markt herrschte vorweihnachtliche Betriebsamkeit. Kaum jemand schien sich für die vereinzelten Wortfetzen, die ins Altenburger Zentrum waberten, zu interessieren. Die Quelle des Dröhnens war der Aufmarsch der Initiative Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes (Thügida) auf dem Roßplan. Anders als beim ersten Auftritt der fremdenfeindlichen Organisation ließen sich laut Polizeiangaben diesmal lediglich 542 Menschen auf die rechtspopulistische Propaganda ein.

Zum geplanten Beginn der Veranstaltung, 10 Uhr, hatten sich einige hundert Leute auf dem Platz eingefunden. Was auffiel: Diesmal prägten Rechte und Neonazis deutlich das Bild. So demonstrierten zwei Fahnenträger mit schwarz-weiß-roten Reichskriegsflaggen die Gesinnung. Die martialische Wirkung der Banner wurde durch die Aufschrift „Deutschland meine Heimat“ sowie einer Darstellung des Reichsadlers, wie er zur Zeit des Nationalsozialismus genutzt wurde, verstärkt. Einzig im Kreis zwischen den Adlerklauen war kein Haken-, sondern ein Eisernes Kreuz.

Die gewählte Symbolik sei noch nicht verfassungsfeindlich, darüber hinaus habe die Stadt Altenburg in den Auflagen für die Demonstration die Reichskriegsflagge nicht untersagt. Deshalb gebe es keinen Grund, die Fahnen einzuziehen, erklärten die Polizeibeamten, die zur Absicherung der Veranstaltung im Einsatz waren. „Dass ich nicht lache, Deutschland meine Heimat – müssen die das mitten in Stadt machen. Ich habe Angst“, schimpfte derweil ein Anwohner des Roßplans.

Nicht nur optisch gab es wenig Spielraum für Zweifel. Auch Chef-Scharfmacher David Köckert hetzte, was das Zeug hielt. Die Zeit des Zuhörens sei vorbei, man werde bei diesem Irrsinn nicht mehr nur zuschauen, sagte der Greizer NPD-Stadt -und Kreisrat. Ähnlich wie bei den Fahnen blieben auch die Redebeiträge immer haarscharf im Verfassungsgemäßen. Weder wurde direkt zu Gewalt aufgerufen, noch wurden einzelne Personen strafrechtlich relevant verunglimpft. „Unter den Demonstranten gibt es zivile Beamte, die genau zuhören und die Reden bewerten. Stellen sie einen Verstoß fest, greifen sie ein“, erläuterte Nicole Heinold, Sprecherin der Landespolizeiinspektion Gera.

Inhaltlich wurde x-fach das wiederholt, was seit Monaten bei ähnlichen Anlässen herausposaunt wird. Medien und Politik seien ferngesteuert und hätten nur eins im Sinn, Deutschland und seine Menschen zu schädigen. „Asoziale, antideutsche Politik“ wurde speziell auch Landrätin Michaele Sojka und Ministerpräsident Bodo Ramelow (beide Linke) vorgeworfen. Diese Kommunisten würden das schöne Land vor den Baum fahren, schleuderte Köckert seinen Zuhörern entgegen. Diese klatschten frenetisch Beifall. Gern ließen sie sich Hirngespinste („Flüchtlinge sind eine islamische Invasion“), falsche Behauptungen („als Erstes bekommen Flüchtlinge in Deutschland ein iPhone geschenkt“) und haltlose Mutmaßungen („längst sind drei Millionen Flüchtlinge im Land“) als Wahrheit verkaufen.

„Wir sind das Volk“, „Merkel muss weg“, „Wir wollen keine Asylantenheime“, skandierten die Demonstranten beim anschließenden „Spaziergang“ durch die Stadt. Dieser endete gegen 13 Uhr auf dem Kornmarkt. Zum Abschied noch ein rechtsradikales Zeichen. „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“ tönte es aus den Lautsprechern.

Gegendemonstrationen gab es keine. Die Polizei bilanzierte: „Insgesamt verlief die Versammlung störungsfrei. Seitens der Polizei wurden sechs Anzeigen wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz erstattet.“

Von Jörg Reuter

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