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Altenburg Thüringens Ministerpräsidentin: "Altenburg ist attraktiv wegen seiner Kultur"
Region Altenburg Thüringens Ministerpräsidentin: "Altenburg ist attraktiv wegen seiner Kultur"
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21:03 14.03.2012
Christine Lieberknecht
Erfurt

" Gleichzeitig ruft sie den Koalitionspartner zur Ordnung: "Es ist keine Zeit für taktische Spiele und Klamauk." In der Thüringer SPD droht ein Machtkampf an der Parteispitze und ein vorzeitiges Koalitionsaus.

OVZ: Sie haben die Entwicklung Thüringens wie keine andere Politikerin mitbestimmt: als Ministerin, als Partei- und CDU-Fraktionsvorsitzende, jetzt als Ministerpräsidentin. Ist der Aufbau Thüringens so gelungen, wie Sie es sich damals vorgestellt haben?

Christine Lieberknecht: Der Aufbau Thüringens ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben die blühenden Landschaften, um die uns manchmal schon westdeutsche Kommunen beneiden. Wir haben die höchste Unternehmensdichte unter den Flächenländern. Aber natürlich ist weiter Ausbaubedarf. Die vielen kleinen Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, stärker zu werden. Und wir haben heute andere Herausforderungen als vor zwanzig Jahren, beispielsweise die demografische Entwicklung, die damals so nicht absehbar war.

Man jammert ja gern: der Osten hinkt immer noch hinterher, die Löhne sind niedriger, die Abwanderung ist nicht gestoppt. Fehlt den "Ossis" noch immer das Selbstbewusstsein?

Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein. Für die Attraktivität unseres Landes werben wir nicht mit Jammern und Klagen, sondern indem wir selbstbewusst zeigen, was wir geschafft haben. Thüringen ist ein spannendes Land, mit neuen Ideen, ein Land mit hohen Bildungschancen und mit guten Arbeitsplätzen, für die wir aber bessere gute Löhne erreichen müssen.

Gerade in der Randregion Altenburger Land fühlen sich manche vernachlässigt. Es gab die Debatte: zurück nach Sachsen. Stimmt das Gefühl mit den Tatsachen überein?

Auch für das Altenburger Land gilt: Werbung ist angesagt, Chancen nutzen. Das Altenburger Land ist nicht Randlage, sondern Eingangstor für Westsachsen nach Thüringen. Altenburg ist attraktiv wegen seiner Kultur: Das bundesdeutsche Trachtenfest wird in diesem Jahr hier gefeiert. Wir sollten Altenburg noch enger vernetzen mit Westsachsen und dem Großraum Leipzig. Es ist ein starkes Zentrum in Ostthüringen. Deswegen gilt dieser alten Residenzstadt meine größte Sympathie.

Ein Blick in die Glaskugel: Wie wird Thüringen in 20 Jahren aussehen?

Wir gestalten eine Konsolidierung mit dem Ziel, bereits 2020 Thüringen auf eigene Füße zu stellen. Dazu gehört natürlich, dass danach nicht Schluss ist. Ich bin ganz sicher, wir werden den Trend zur Abwanderung nicht nur stoppen, sondern auch umkehren. Wir haben attraktive Firmen, wir haben die Metropolregion mit Jena, Halle und Leipzig - und Altenburg liegt mitten drin. Ich bin sicher, wir werden eine der leistungsfähigsten Regionen innerhalb Deutschlands und Europas werden.

Nach der Wulff-Affäre: Ist es für Sie persönlich anstrengend, moralische Instanz sein zu müssen und keine Fehler machen zu dürfen?

Ich finde, unsere Gesellschaft braucht Vorbilder. Vorbilder, die authentisch sind und zu dem stehen, was sie tun. Das heißt nicht, dass sie fehlerlos sind. Als Christin weiß ich, kein Mensch ist vollkommen. Dass ist auch nicht erforderlich. Es geht darum, dass wir das Bestmögliche tun. Politiker und erst recht eine Ministerpräsidentin sind zum Dienst am Gemeinwesen verpflichtet. Auch ich mache Fehler. Aber auch im Umgang mit Fehlern kann man, wenn man ehrlich ist, zu sich selbst steht und Einsicht zeigt, letztlich Vorbild für andere sein.

In der Thüringer SPD rumpelt es. Es bahnt sich ein Machtkampf an der Parteispitze an. Haben Sie Sorge um Ihre Koalition?

Ich habe hier eine klare Erwartung: Menschen wählen Politiker nicht dafür, ständig taktische Überlegungen anzustellen, was möglicherweise die bessere Position für die nächsten Wahlen ist. Sie wählen, damit wir Verantwortung für unser Land wahrnehmen. Das erwarte ich auch von meinen Ministern. Wir haben genügend Aufgaben im Kabinett, die wir zusammen erledigen müssen. Es ist keine Zeit für taktische Spiele und Klamauk. Wir sind gewählt, um das Land voranzubringen. Interview:

Robert Büssow

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