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Thüringer Team mit Altenburger Beteiligung siegt bei Race Across America

„Völlige Grenzerfahrung“ Thüringer Team mit Altenburger Beteiligung siegt bei Race Across America

Das Thüringer XXL-Co-Creative-Team hat den Mixed-Wettbewerb des Race Across America gewonnen. Nach sechs Tagen, 17 Stunden und 56 Minuten hatte das Quartett um die Altenburgerin Nicole Bauer und den Weidaer Sven Ole Müller die etwas mehr als 5000 Kilometer von der West- zur Ostküste der USA geschafft – und dabei einiges erlebt.

Geschafft: Überglücklich feiert das Thüringer XXL-Co-Creative-Team seinen Sieg im Mixed-Wettbewerb des Race Across America.

Quelle: Abgedreht Productions

Altenburg. Sie kamen, fuhren – und siegten. „Wir haben es tatsächlich geschafft“, sagt Sven Ole Müller stolz. Was das Thüringer Team um den Weidaer und die Altenburgerin Nicole Bauer vor gut zwei Wochen gewonnen hat, war nun aber nicht irgendein Radrennen, sondern das härteste der Welt: das Race Across America (RAAM), das von Oceanside an der West- bis nach Annapolis an die Ostküste der USA führte. „Wir sind 5000 Kilometer mit dem Rad gefahren, nur um Kosten und Flugzeit zu sparen“, scherzt Müller. Schließlich koste ein Flug von der Ostküste nach Deutschland nur die Hälfte.

Dass der Selbstständige seinen Humor trotz erdrückender Müdigkeit und schier unmenschlicher Strapazen nicht verloren hat, liegt an einer professionellen und penibel geplanten Vorbereitung. Das erklärt auch, warum er zum Sieg in der Kategorie Mixed U50 sagt: „Das war mit Ansage. Wir wussten es!“ Gut 13 Monate vergingen von der Idee bis zur Umsetzung. Und der ohnehin schon harte Ritt hatte es in sich. Denn dieses Jahr herrschten beim RAAM extreme Bedingungen, wie die Hitzeperiode in Arizona mit knapp 50 Grad Celsius im Schatten zeigt.

Dort habe man dennoch eine 40er-Pace hingelegt, beschreibt Müller ein prägendes Erlebnis. „Die Haut kribbelt, das Blut kocht. Das war eine völlige Grenzerfahrung. Dabei haben wir uns regelrecht die Atemwege verbrannt.“ Rund 240 Liter Wasser verbrauchte die insgesamt 13-köpfige Crew zu dieser Zeit pro Tag. Die 38 Grad im Wohnmobil machten es auch bei den Fahrpausen nicht leichter. An Schlaf war kaum zu denken – und auch die Kommunikation war wegen fehlender Netzabdeckung problematisch. Extreme ins Quadrat.

An Umständen wie diesen, aber auch an Umleitungen wegen Tornado-Warnungen, lag es, dass sich das Quartett – neben Müller und Bauer fuhren noch Lars Schlutter und Robby Wilke mit – ziemlich zügig vom Vorhaben eines neuen Streckenrekordes verabschiedete. Am Ende brauchte man für die etwas mehr als 5000 Kilometer inklusive rund 50 000 bezwungener Höhenmeter, die in 100-Kilometer-Einsätzen abwechselnd absolviert wurden, sechs Tage, 17 Stunden und 56 Minuten. Heruntergerechnet ergibt das einen Schnitt von fast 31 km/h – inklusive Abfahrten mit 90 km/h, einer Stunde Zeitstrafe und Stillstand, wie jenen 26 Minuten als man an einer Schranke auf einen Güterzug wartete. Trotz der Strafe, die es in Summe für falsches Licht und zu enges Einscheren nach Überholvorgängen gab, gewann man mit fünf Stunden Vorsprung die Mixed-Wertung und wurde in der Gesamtwertung Zehnter von 41 Teams.

Endgültig ins Gedächtnis der Rennleitung brannten sich die Thüringer dann aber kurz vor Schluss ein. „Es gab Ärger, weil wir als langsamstes Team ins Ziel gefahren sind“, erzählt Müller. 90 Kilometer vor dem Ziel verspürte man Hunger und wollte zudem die hügelige Ostküsten-Landschaft genießen. Also entschied man sich, zusammen zu fahren und das Tempo rauszunehmen. Problem: Ab kurz vor Annapolis gibt es ein streng geplantes Zeitfenster. Prompt kam der anklagende Anruf...

Doch den eigentlichen Grund für den Ruf des RAAM als härtestes Rennen der Welt bringt Nicole Bauer auf den Punkt: „Die Rennleitung bricht niemals ab.“ Was auch passiert, es geht immer weiter. Egal, ob Hundeattacken oder Bären-Alarm, Stürze, Tierkadaver, Unwetter oder Hitze. „Das muss man mental einarbeiten“, sagt die Altenburger Rechtsanwältin und berichtet von Sekundenschlaf und einer Brechattacke wegen fetthaltiger Avocado-Creme. „Insgesamt hat man aber keine Zeit und Kraft, sich groß damit zu beschäftigen.“

Auch wenn die meisten Erschöpfungssymptome inzwischen abgeklungen sind, steht für die Extrem-Radler fest: Eine Wiederholung wird es nicht geben. „Das machst du nur einmal“, sagt Bauer und Müller ergänzt: „Wir haben jetzt zwar die Qualifikation, solo zu fahren, aber keine Motivation.“ Schließlich wollte man neben der individuellen Herausforderung vor allem sehen, wozu ein eingeschworenes Team fähig ist. Und genau diese Erfahrung wird man in Vorträgen als Botschafter der Akademie für Potentialentfaltung des Göttinger Professors Gerald Hüther weitergeben. Dorthin fließen auch alle Mittel, die man nicht braucht, um den noch offenen Rest des 123 000 Euro teuren Projekts zu finanzieren.

Von Thomas Haegeler

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