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Altenburg Thüsac testet Zusatz-Haltestellen und Rufbus-System
Region Altenburg Thüsac testet Zusatz-Haltestellen und Rufbus-System
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16:37 04.11.2018
Der Busverkehr im Altenburger Land soll an Flexibilität gewinnen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Schmölln

Mehr Flexibilität im öffentlichen Busverkehr: Dafür macht sich der Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel stark. „Ein- und Ausstiege außerhalb regulärer Haltestellen würden die Attraktivität des Linienbusverkehrs im ländlichen Raum erhöhen“, sagt der CDU-Politiker. Und läuft mit seiner Forderung nach frischen Denkweisen beim örtlichen Busunternehmen Thüsac offene Türen ein. Allerdings betrachtet Thüsac-Geschäftsführerin Tatjana Bonert das Thema differenziert: „Das Angebot muss bedarfsgerecht und wirtschaftlich sein. Verschiedene Gebiete erfordern deshalb verschiedene Lösungen.“

Schmölln: Neue Linien, temporäre Haltestellen

Was sie damit meint, ist aktuell im Raum Schmölln, Gößnitz und Nobitz zu erleben. Dort läuft das Projekt „Schmölln macht mobil“ in Kooperation mit dem Landkreis, der Stadt Schmölln und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund. Zum 7. Dezember wird dort in einer ersten Stufe der neue Stadtverkehr in Schmölln umgesetzt.

Dann soll es in Schmölln nicht nur zwei neue Stadtbus-Linien namens „H“ und „F“ geben, sondern auch mehr Haltestellen. „Wir richten im Stadtgebiet sieben temporäre Haltestellen ein, um zu testen, wie die zusätzlichen Haltepunkte angenommen werden“, erklärt Tatjana Bonert. Drei Jahre lang laufe diese Testphase – die Extrakosten dafür seien überschaubar. „Bewährt es sich, kann dann über den Ausbau der Haltestellen, zum Beispiel mit Einbuchtungen und Häuschen, nachgedacht werden.“

Politiker Vogel will individuelle Stopps

Ziel der temporären Haltestellen sei eine Verdichtung des bestehenden Haltestellennetzes, um die Zustiegspunkte näher an die Wohnorte der potenziellen Fahrgäste zu bringen. Damit nimmt die Thüsac in ähnliche Richtung Kurs wie der Bundespolitiker Vogel. Der ruft zur Einführung sogenannter Tramp-Busse auf. Aus rechtlicher Sicht könnten Fahrgäste innerorts entlang der Linienführung jederzeit auch abseits von Haltestellen zu- und aussteigen, erklärt er. Vorausgesetzt, es bestehe kein Halteverbot und die Verkehrssicherheit lasse es zu.

„Die langgestreckten kleinen Ortschaften in Ostthüringen verfügen wegen ihrer geringen Einwohnerzahl meist nur über wenige Haltestellen. Die Nutzer, darunter viele Senioren, haben lange Wege, obwohl der Bus quasi an ihrem Haus vorbeifährt“, schildert Vogel. „Das muss nicht sein.“

Verkehrsunternehmen könnten den „Halt auf Wunsch“ in ihre Beförderungsbedingungen aufnehmen, sofern die behördliche Genehmigung erteilt werde, regt er an. „Letztlich entscheidet aber immer der Fahrer je nach Verkehrssituation, ob er hält oder nicht“, betont Vogel. Den Schülerverkehr würde er vom „Halt auf Wunsch“ ausnehmen. „Schon zu ihrer eigenen Sicherheit sollten Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg ausschließlich an den Haltestellen zu- und aussteigen“, sagt er.

Thüsac-Chefin: Die Finanzierung muss stehen

Der Ausstieg außerhalb regulärer Haltestellen nach 20 Uhr und an Wochenenden sei vielerorts bereits seit Jahrzehnten gelebte Praxis und dort auch in den Fahrplänen und Beförderungsbedingungen festgeschrieben, so Vogel. Tatjana Bonert stemmt sich nicht gegen ein Plus an Flexibilität. Im Gegenteil: „Ich kann das nur begrüßen“, unterstreicht sie auf OVZ-Anfrage. „Entscheidend ist für mich allerdings weniger die Art und Weise der Bedienung, also Linien-, Bestell- oder Tramp-Bus, sondern vielmehr dass der Bus überhaupt rollt, dass es ein möglichst dichtes ÖPNV-Netz im ländlichen Raum gibt.“

Um das zu gewährleisten, müsse die Finanzierung klappen – „daran scheitern leider viele ÖPNV-Projekte“. Jeder Bus-Kilometer koste nun mal Geld, egal ob Fahrgäste drin sitzen oder nicht. Und die Distanzen zwischen den Dörfern sind oft erheblich. Außerdem verlängern sich Fahrzeiten, je öfter der Bus hält, was wiederum in der Planung berücksichtigt werden müsse. „Damit es funktioniert, müssen Angebot und Nachfrage Stück für Stück im Einklang wachsen.“

Das Projekt „Schmölln macht mobil“ sei dafür ein wichtiger Baustein. Bewährt sich das Modell, temporäre Zusatzhaltestellen zu Testzwecken einzuführen, könnte es auf weitere Teile des Landkreises ausgedehnt werden. Auch ein Rufbus-System ist bei der Thüsac in Vorbereitung. Dabei können Busse auf einer festgelegten Route bedarfsgerecht angefordert werden. Noch ist das Zukunftsmusik. Doch im zweiten Teil des Schmöllner Projektes soll es erprobt werden.

Von Kay Würker

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