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Tiefensee: Altenburg kann mitTourismus punkten, mit Flugplatz nicht

Tiefensee: Altenburg kann mitTourismus punkten, mit Flugplatz nicht

Das Altenburger Land ist Thüringens neuem Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) alles andere als fremd. Als gebürtiger Geraer und langjähriger Leipziger beobachtet der 60-Jährige die Entwicklung des Kreises schon länger und spricht im OVZ-Interview offen über Stärken und Schwächen.

Während ihm der ambitionierte Flugplatz und die Idee, Altenburg zur Schlafstadt zu machen, eher Sorgen bereiten, sieht er vor allem in der Industrie, im Tourismus und in der Kreativwirtschaft Chancen.

 

 

 

Das Altenburger Land hat in Thüringen eine der höchsten Arbeitslosenquoten, das niedrigste Lohnniveau, und zahlreiche Gewerbegebiete stehen leer. Woran liegt es, dass der Kreis wirtschaftlich nicht vorankommt?

 

 

 

Die Frage ist doch eher, ob das Altenburger Land es schon geschafft hat, im Dreieck zwischen Leipzig, Chemnitz/Zwickau und Gera/Jena seine Position zu finden. Über den wirtschaftlichen Erfolg einer Region entscheiden wirtschaftliche Ausgangssituation, regionaler Strukturwandel, Verkehrsanbindung, die Einbindung in vorhandene Wirtschaftsräume und konkrete Entscheidungen vor Ort. Die Vorzüge der Region als Wirtschafts- und Tourismusstandort müssen stärker herausgearbeitet werden. Richtig ist aber, dass es Altenburg im Vergleich zu den an der Autobahn liegenden Städten wie Schmölln oder Jena schwerer hat.

 

 

 

Muss man sich angesichts dieses Nachteils vom Gedanken einer wirtschaftlichen Genesung verabschieden?

 

 

 

Nein. Es sind ja auch viele Erfolge vorzuweisen, so hat sich die Arbeitslosigkeit seit 2005 mehr als halbiert, Produktivität, Wirtschaftsleistung und die Zahl der Beschäftigten sind deutlich gestiegen. Ich denke, da gibt es keinen Grund, sein Licht unter den Scheffel zu stellen.

 

 

 

Eine Idee ist, dass Altenburg Schlafstadt für Leipzig werden soll. Für wie sinnvoll halten Sie das?

 

 

 

Diese Idee halte ich nicht für sinnvoll, weil Altenburg keine Ein- und Auspendler braucht, die hier zwar wohnen, aber wenig kaufen und keine Steuern zahlen. Was wir brauchen, sind Steuern und Arbeitsplätze.

 

 

 

Wo sehen Sie noch Potenziale, etwas herauszuholen?

 

 

 

Zum Beispiel in den Bereichen Tourismus und Kreativwirtschaft. Etwa durch Büros und Ansiedlungsflächen für Kreative, weil es günstige Mieten gibt. Kern bleibt aber die industrielle Entwicklung, etwa mit Schwerpunkten in den Bereichen Automotive, Metall und Kunststoff.

 

 

 

Bisher ist es aber nur gelungen, den Raum Schmölln als Automotive-Standort zu etablieren. Die Versuche in Altenburg sind mit dem Sportwagenhersteller Gumpert und dem Zulieferer Fräger gescheitert. Wollen Sie diesen Gedanken dennoch weiter verfolgen?

 

 

 

Ich halte viel davon, Regionen nicht zu klein zu denken. Dass Schmölln sich als Autozulieferstandort etabliert hat, sollte auch für Altenburg Ansporn und Bestätigung sein. Es bringt nichts, beide Städte gegeneinander auszuspielen.

 

 

 

Ein weiterer Versuch, den hiesigen Wirtschaftsstandort voranzubringen, ist der Flugplatz in Nobitz. Passagierflüge finden dort jedoch nicht mehr statt. Ist ein so ambitionierter Flugplatz sinnvoll und machbar bei der Konkurrenz in Leipzig, Dresden und Erfurt?

 

 

 

Wenn man sich anschaut, dass sich bundesweit praktisch keiner der kleineren Verkehrslandeplätze rechnet, bin ich da eher skeptisch. Das Land hat zwischen 1992 und 2014 fast 17 Millionen Euro in den Landeplatz investiert und zwar auf Basis der grundsätzlichen Entscheidungen zu Altenburg-Nobitz seitens der Vorgänger-Landesregierung. Dass das besonders nachhaltig angelegtes Geld ist, ist eher fraglich.

 

 

 

Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?

 

 

 

Nein! Ich will mir das in Ruhe anschauen und mit den Verantwortlichen sprechen, was es da für Potenziale gibt. Aber ich bin nicht euphorisch.

 

 

 

Zum Flugplatz gehört auch ein riesiges Gewerbegebiet, bei dem die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) wenig für flugaffine Ansiedlungen getan hat.

 

 

 

Die LEG kann nur bestimmte Standorte anbieten oder dafür werben - am Ende entscheidet immer der Investor. Die Kritik ist deshalb nicht berechtigt. Es hat durchaus Ansiedlungserfolge gegeben, die allerdings nicht von Dauer waren. Ich möchte deshalb, dass wir Schwachstellenanalysen machen und schauen, wo und was verbessert werden muss. Denn Altenburg konkurriert bei flugaffinem Gewerbe mit einer Vielzahl sehr profilierter Konkurrenzstandorte. Ein Verkehrslandeplatz ist dabei allenfalls ein Baustein.

 

Interview: Thomas Haegeler

Thomas Haegeler

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