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Tödlicher Horror-Crash in Lohma verstört Einwohner und Helfer

Unfall an Bahnübergang Tödlicher Horror-Crash in Lohma verstört Einwohner und Helfer

Ein 19-Jähriger wollte am Dienstag in Lohma einen geschlossenen Bahnübergang queren. Dabei wurde das Fahrzeug von einem Güterzug erfasst und 200 Meter mitgerissen. Die drei Fahrzeuginsassen starben an der Unfallstelle. Das Unglück macht viele betroffen.

Bahnmitarbeiter sichern den beschädigten Bahnübergang in Lohma mit Trassierbändern – solange, bis die Schranken wieder funktionieren.
 

Quelle: Mario Jahn

Nöbdenitz. Die Idylle des beschaulichen Örtchens Lohma wich am Dienstagabend Trauer und Fassungslosigkeit. Das schreckliche Unglück verstörte die Menschen im Nöbdenitzer Ortsteil auch am Mittwoch noch. Auf der Fahrt nach Jena hielt ein VW-Kleintransporter gegen 16.30 Uhr vor einer geschlossenen Halbschranke der Bahnstrecke von Schmölln nach Ronneburg, die das Dörfchen teilt. Plötzlich setzte der 19-jährige Fahrer den Blinker, fuhr los. Das Auto wurde von einem Güterzug erfasst – beobachtet vom Fahrzeugführer dahinter, der kurz darauf einen Schock erlitt. Der VW wurde über 200 Meter mitgerissen, ehe die Lok an einem Wäldchen endlich stand.

Siegfried Tschenschner sah dem fassungslos zu, als er in seinem Grundstück, das unmittelbar an die Bahnstrecke grenzt, gerade auf der Wiese zu tun hatte, einen lauten Knall hörte und schon den Güterzug sah, der ein Fahrzeug kreischend vor sich herschob. „Das geht einem an die Nieren, wenn man sieht, wie die Räder und andere Teile abgerissen werden und durch die Gegend fliegen“, sagte er der OVZ.

Den fürchterlichen Krach hörte auch sein Nachbar Wolfgang Großmann, der ebenfalls bei der Gartenarbeit war, kurz entschlossen sofort in der Notrufzentrale anrief und dann an den Unglücksort eilte, um erste Hilfe zu leisten. Doch diese kam schon zu spät. Die drei Insassen, der 19-jährige Fahrer als auch die beiden ebenfalls im Auto sitzenden Frauen, 49 und 17 Jahre alt, starben noch an der Unfallstelle.

Nach OVZ-Informationen stammen alle drei aus dem benachbarten Selka. Dorthin fuhr auch Wolfgang Großmann, der das Fahrzeug erkannte und einem Familienangehörigen die schreckliche Nachricht überbrachte. „Eine Stunde saß er dann bei mir zu Hause“, sagte Großmann der OVZ. Er habe sich maßlos darüber geärgert, dass dem Angehörigen in dieser schweren Zeit nicht schon eher geholfen wurde. Der Lohmaer ahnte, dass an dem Bahnübergang irgendwann etwas passiert. Denn schon oft musste er zusehen, wie Autofahrer, vor allem junge Leute, an den geschlossenen Schranken vorbeifahren. Es wäre längst angebracht, dass im Fernsehen anstelle der Werbung den Fahrern immer mal wieder einige wichtige Verkehrsregeln in Erinnerung gerufen werden, meint Großmann.

„Die Bahnstrecke war bis 2.17 Uhr gesperrt“, sagte eine Polizeisprecherin der OVZ. Das völlig zerstörte Wrack des Kleintransporters konnte vorerst nicht geborgen werden. Ein erster Versuch eines Abschleppens am Dienstag scheiterte. Es wurde am Mittwoch mit einer Plane verdeckt und von der Polizei gesichert. Mittwochabend sollte dafür ein Bergungszug der Deutschen Bahn aus Köln anrücken. „Dann muss die Bahnstrecke nochmals kurz für den Verkehr gesperrt werden“, so ein Sprecher der Bundespolizei.

Die Bilder haben sich auch bei Volker Stubbe eingebrannt. Am Dienstag war der 52-jährige Stadtbrandmeister mit 25 weiteren Kameraden der Schmöllner Stützpunktfeuerwehr um 16.38 Uhr zu dem Bahnunglück nach Lohma gerufen worden. „Wenn man so eine Alarmierung wegen eines Unfalls zwischen einem Güterzug und einem Pkw bekommt, dann gehen einem schon gewisse Bilder durch den Kopf. Aber dann bereitet man sich auf der Hinfahrt vor und arbeitet vor Ort das Notwendige fast automatisch ab. Das richtige Nachdenken, Begreifen und Verarbeiten der Bilder, das kommt erst später“, sagt Stubbe.

Wie auch bei ihm, der schon seit 1983 Feuerwehrmann ist und so manche Tragödie miterleben musste. Am Mittwoch umschreibt er die Bilder von Lohma nur mit einem Wort: „grauenvoll“. „Der Güterzug hat den Transporter ja völlig zerfetzt. Was für einen Feuerwehrmann wohl am schlimmsten ist, ist die Ahnung angesichts der Befürchtung, dass man ohnehin nicht mehr helfen kann“, meint Stubbe, der so eine Tragödie in über 30 Dienstjahren noch nie erlebt hat. „Sollten Kameraden psychologische Hilfe benötigen, um das Erlebte zu verarbeiten, dann bekommen sie die auch.“

Da die Bahnschranke bei dem Unglück zerstört wurde, wird der Übergang seitdem von Bahnmitarbeitern mit einem Trassierband provisorisch gesichert. Auch die Technik entlang der Strecke wird seitdem repariert.

Von Jörg Wolf und Jens Rosenkranz

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