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Tolle Auslastung, viele Publikumsrenner und bald ein Abendkassen-Aufschlag

Die Theater-Chefs zum Spielzeit-Ausklang Tolle Auslastung, viele Publikumsrenner und bald ein Abendkassen-Aufschlag

Der Vorhang ist gefallen. Das Altenburg-Geraer Theater hat sich in seine achtwöchige Sommerpause verabschiedet. Die OVZ bat die beiden Theaterchefs – Generalintendant Kay Kuntze (50) und den kaufmännischen Geschäftsführer Volker Arnold (53) –, ein Fazit der Spielzeit zu ziehen und einige Besucherfragen zu beantworten.

Gehört zu den absoluten Publikumsrenner – das Musical „Jekyll und Hyde“ mit Randy Diamond in der Titelrolle.

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg. Der Vorhang ist gefallen. Das Altenburg-Geraer Theater hat sich in seine achtwöchige Sommerpause verabschiedet und dies zum wiederholten Male mit einem spektakulären Open Air getan. Auch wenn Wetter- und Fußballgott am zweiten Tag der „Cavalleria Rusticana“-Aufführung in Altenburg nicht ganz mitspielten. Die OVZ bat die beiden Theaterchefs – Generalintendant Kay Kuntze (50) und den kaufmännischen Geschäftsführer Volker Arnold (53) –, ein Fazit der Spielzeit zu ziehen.

Wie positiv die zurückliegende Saison für das Theater gelaufen ist, haben
Sie verbal schon mehrfach betont. Können Sie das auch mit Zahlen untermauern?

Kay Kuntze: Selbstverständlich. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Zahlen, die uns jetzt vorliegen, sich auf das Geschäftsjahr 2015 und nicht auf die Spielzeit 2015/2016 beziehen. Das ist unserem Abrechnungsmodus geschuldet. Im vergangenen Jahr hatten wir in Altenburg und Gera zusammen 140 000 Besucher. Das sind 5000 mehr als 2014. Die Auslastung liegt damit bei 76,7 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Häusern sehr hoch. Jeder Intendant und kaufmännische Geschäftsführer kann sich über eine Auslastung, bei der eine sieben vorn steht, glücklich schätzen. Diese fast 77 Prozent sind übrigens der höchste Wert seit meinem Amtsantritt 2011.

Verteilt sich der Zuwachs auf alle Vorstellungen oder gab es wieder Renner?

Kay Kuntze: Jedes Theater hat seine Renner, also auch wir. Dazu gehören unter anderem das Musical „Jekyll & Hyde“, das wir deshalb auch in der neuen Spielzeit wieder im Programm haben, außerdem das Ballett „KeimZeit“, in Gera die Balletttage, in Altenburg das Musical „Barbarossa ausgeKYFFt“. Nennen möchte ich vom Schauspiel „Effi Briest“ und der in Gera häufig ausverkaufte „Rigoletto“. Altenburg kann sich also auf eine große Repertoire-Oper freuen. Sichern sollten sich Interessierte auch schnell Karten für das Ballett „Piaf – La vie en rose“, für das es in Gera lange Wartelisten gab. Und auf keinen Fall vergessen möchte ich die aktualisierte Fassung von „Die Schutzlosen – Les Zéros-Morts“, das viel beachtete Stück über die Flüchtlingsproblematik. Es ist ein Beispiel für die Notwendigkeit, in dieser Zeit im Theater noch politischer zu werden.

Die Theatersaison 2015/2016 ist zu Ende. Für Sie, Herr Arnold, ist es die erste an Ihrer neuen Wirkungsstätte gewesen. Hat sie Ihren Erwartungen entsprochen?

Volker Arnold: Den Reaktionen unserer Zuschauern, der Politik, der Gesellschafter und des Aufsichtsrats entnehme ich, dass wir die Spielzeit sehr erfolgreich mit vielen Höhepunkten und großem Teamgeist gestalten konnten. Glücklicherweise hatte ich einen schnellen Einstieg, da mir die Spezifika eines Theaters allgemein und ganz besonders von fusionierten Häusern nicht unbekannt sind. Ich würde es sogar als Vorteil betrachten, denn man kann im Vergleich noch bessere Entscheidungen treffen und abwägen. Ich bin also angekommen und fühle mich wohl.

Ich habe gehört, dass Sie sämtliche Stücke, die aktuell am Theater laufen, gesehen haben. Welches hat sie am meisten beeindruckt und welches am wenigstens? Und sagen Sie als Finanz-Verantwortlicher den Künstlern auch Ihre Meinung?

Volker Arnold: Leider war ich bei einem Konzert terminlich verhindert – und das gerade bei der Neunten von Bruckner. Ansonsten habe ich tatsächlich alles gesehen. Nicht nur die Premieren, denn es gab ja noch Nachholbedarf mit Inszenierungen aus der alten Spielzeit. Es wäre aber unfair, nun bestimmte Inszenierungen und Künstler aus unseren fünf Sparten für Lob und Tadel herauszugreifen – dann hätten Sie keinen Platz mehr für andere Fragen… Der Kontakt mit den Mitarbeitern, auch den Künstlern, ist die Geschäftsgrundlage meiner Tätigkeit, um unser Theater insgesamt noch besser und gemeinsam mit dem Generalintendanten „zu dirigieren“.

Wie ist das Theater derzeit finanziell aufgestellt? Welche Herausforderungen kommen auf Altenburg und Gera zu?

Volker Arnold: Derzeit ist es möglich, mit einem Haustarifvertrag ein Fünf-Sparten-Theater zu betreiben. Mit circa 12 bis 13 Prozent verzichten die Mitarbeiter seit Jahren auf Lohn/Gehalt und Gage, sonst wäre die Finanzierung nicht ausreichend. Das muss man immer wieder hervorheben. Die Herausforderung ist es jetzt, trotz größter finanzieller Schwierigkeiten die Schere zwischen Haustarif- und Flächentarifvertrag zu reduzieren, ohne substanzielle Einschränkungen im Theater hinnehmen zu müssen. Solch eine Reduzierung hätte auch den Effekt, dass sich der Lohnverzichts-Ausgleich für die Beschäftigten durch freie Tagen vermindert und das Theater öfter spielt, also auch mehr Einnahmen erzielt. Was aber wiederum veränderte Voraussetzungen nötig macht, etwa bei der technischen Besetzung.

Sind Sie in Sachen Abschluss eines neuen Haustarifvertrags optimistisch?

Volker Arnold: Verhalten optimistisch. Die derzeitige Situation unterscheidet sich völlig von der Lage beim letzten Haustarifvertrag. Das Geheimnis ist der Kompromiss, der gefunden werden muss, um möglichst langfristige Verträge mit dem Erhalt der Sparten zu erreichen.

Von der Gesamtsituation nun zu ein paar eher profan wirkenden, Ihre Besucher aber durchaus sehr interessierenden Fragen. So wurde jüngst auf einer Sitzung des Altenburger Theatervereins von einer Besucherin beklagt, dass sie eine Vorstellung aus ihrem Abo für das Große Haus, zu der sie verhindert war, nicht mit einer Vorstellung im Heizhaus tauschen konnte. Und dies, obwohl die Karten im Heizhaus ja deutlich billiger sind. Ist hier inzwischen eine Lösung gefunden worden?

Kay Kuntze: Es ist bilanztechnisch außerordentlich schwierig, eine einmal gekaufte Karte zu tauschen. Wer ein solches Problem hat, sollte sich an uns wenden. Wir finden eine kulante Lösung, wie wir es im angesprochenen Fall auch getan haben.

Vereinschefin Barbara Grubitzsch bat zum wiederholten Mal darum, gekaufte Tickets beispielsweise im Krankheitsfall zurückgeben zu können, wie das
anderswo möglich sei. Warum zeigt sich das Theater nicht auch hier kulant?

Kay Kuntze: Hier gilt das Gleiche: gekauft ist gekauft. Wer kein Risiko eingehen möchte, kann ja die Möglichkeit der Reservierung nutzen. Eine solche lässt sich problemlos stornieren.

Eine weitere Besucherin erhielt für ihre schon gekauften Karten, die sie verschenken wollte, keine Geschenkumschläge. Begründung: Die gebe es nur für Gutscheine. Das ist doch nun aber wahrlich nicht besucherfreundlich.

Kay Kuntze: Damals waren diese, für Gutscheine vorgesehenen Umschläge gerade sehr knapp. Das Problem ist inzwischen vom Tisch.

Warum muss man ab neuer Spielzeit für Karten, die erst ab 60 Minuten
vor Vorstellungsbeginn gekauft werden, zwei Euro Aufschlag bezahlen?

Volker Arnold: Der Abendkassenaufschlag ist nichts Ungewöhnliches und wird an vielen anderen Theatern schon lange gehandhabt. Es gibt permanente Forderungen der Gesellschafter an uns, die Einnahmen zu erhöhen und den Zuschuss pro Theaterkarte zu senken. Durch diese Gebühr lassen sich Kassenkräfte am Abend reduzieren, aber vor allem sind effektive Maßnahmen für Werbung/Marketing möglich, um eine höhere Auslastung der Vorstellungen zu erreichen. Wichtig ist: Die Abendkassengebühr ist keine Preiserhöhung. Denn die Gebühr lässt sich vermeiden, wenn man die Karten eher abholt oder man noch besser ein Abonnement zu günstigeren Preisen erwirbt. Dann gibt es keine Ausrede mehr, nicht ins Theater zu gehen. Und dort freue ich mich, die Besucher herzlich zu begrüßen.

Von Ellen Paul

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