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Altenburg Tolle Nacht im Russenpuff
Region Altenburg Tolle Nacht im Russenpuff
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17:01 12.10.2011

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Angesprochen, diesen am Freitagabend zu besuchen, lehnen sie bedauernd ab, da sie dann nicht mehr hier seien. Es wäre auch fraglich gewesen, ob sie noch Einlass gefunden hätten, denn die Einheimischen stürmten den umgewerteten Musentempel und besetzten ihn bis auf den letzten Platz hoch oben im Rang.

Eröffnet hat diesen ganz besonderen Puff der Russe Semjon Alexandrowitsch alias Tom Pauls mit seinem schießwütigen Diener Kusmin alias Detlev Rothe in Altenburg eröffnet und präsentiert nun seine Madels alias Katrin Weber in vielerlei Varianten.

Den ersten rauschenden Beifall gibt es, als Tom Pauls als "waschechter Russe" in Maske und Kostüm die Bühne betritt und nach hinten seinem Diener zuruft: "Kusmin, die Deutschen sind da!" Danach beginnt ein turbulenter Abend, den sich der Dresdner Regisseur Holger Böhme ausgedacht und inszeniert hat als eine Mischung aus Theaterburleske, Kabarett, Varieté und Musicalshow, die in erster Linie von der schauspielerischen Leistung des Tom Pauls und der musikalischen Variabilität der Katrin Weber lebt - unterstützt von der instrumentalen Professionalität an Klavier und Akkordeon des Musikers Detlev Rothe. Da wird von dem Trio gekonnt parodiert, exzellent gesungen, meisterlich geschauspielert und Klamotte gespielt, wobei der Gürtel manchmal so locker saß, dass einige Dinge unter dessen Linie fielen.

Tom Pauls schwadroniert in gebrochenem Russisch mit gebrochenem Deutsch und aktiviert dabei längst vergessene Russischkenntnisse des Publikums. In seiner Moderation und im Dialog mit seinem Diener bedient er fast alle Klischees der Russen und lässt auch die Deutschen nicht ungeschoren. Das bringt ihm ein ums andere Mal reichen Beifall ein und zeigt ihn als einen Komödianten, der eigentlich seinesgleichen landesweit nicht hat.

Und erst die Webern! Sie gibt sich als Nutte in so vielen nationalen Varianten, die man sich als Bordell-Uneingeweihter gar nicht ausdenken kann. Da kann sie ihrem Affen Zucker geben und sich in ihren Liedern austoben: als Wienerische mit dem Lied vom fehlenden Vorderzahn, als russisches Prachtweib über die Entstehung des Filets à la Stroganoff oder als russische Passagierin auf harter Holzbank in der Transsib. Ihren Gipfel erreicht sie als volltrunkene Ami-Schlampe, als sie auf allen Vieren über die Sitzreihen klettern will und rechtzeitig von Semjon Alexandrowitsch zurück geholt werden kann, bevor sie alle 13 Parkettreihen überwunden hat. Daneben gibt es viel russisches Liedgut, meist kitschig-romantisch verunstaltet und vom gesamten Trio interpretiert, von dem das Lied über die Stadt Nishni-Nowgorod zum Kalauer werden könnte, wenn man den ganzen Text besäße.

Die Dialoge sind meist geistreich, sehr oft frivol, hin und wieder politisch aktuell und immer hochprozentig: Denn es wird gesoffen, was das Zeug hält. Und als am Ende Ilse Bähnert im Puff auftaucht, wünschte man, dass die Nacht in diesem Russen-Etablissement nicht enden möge. Beifall über Beifall.

Manfred Hainich

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