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Topmodel Zohre Esmaeli zu Gast in Altenburg

Integration Topmodel Zohre Esmaeli zu Gast in Altenburg

Zohre Esmaeli ist als Teenager mit ihrer Familie von Afghanistan nach Deutschland geflohen. Kurz darauf war sie auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie. Heute ist die 30-Jährige ein international bekanntes Model und setzt sich in der aktuellen Flüchtlingskrise für die Integration der Hilfesuchenden ein.

Topmodell Zohre Esmaeli präsentiert im Geschäft von Constanze Petzold in der Baderei Kleidung eines Labels.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Sie ist ein international bekanntes Model, war in den bekannten Modemagazinen Vogue und Cosmopolitan abgebildet, designt Prêt-à-Porter und Haute Couture, Mode in den höchsten Preissegmenten. Und: Sie war ein Flüchtling. Zohre Esmaeli ist 1999 mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. „Hinter mir lagen sechs Monate Flucht. Als ich dann endlich in Deutschland war, bin ich noch einmal geflohen: vor meiner eigenen Familie“, erzählt Esmaeli, die zuletzt im Modegeschäft Constanzes Life Style in der Altenburger Innenstadt die Kollektion eines Labels präsentierte und den Kunden eine Einkaufsberatung anbot. „Heutzutage erwarten die Menschen mehr von einem Model, als bloß gut auszusehen“, scherzt die 30-Jährige.

Es ist ihr zweiter Besuch in der Skatstadt. „Zohre ist als Model in der Kartei eines Labels, das wir verkaufen, und war auch schon in meinen anderen Geschäften. Sie ist so ein interessanter Mensch. Deshalb bin ich jedes Mal froh, wenn sie bei mir ist“, erklärt Constanze Petzold, Inhaberin der Boutique, die seit 1999 in der Baderei Bestand hat. Auch Zohre Esmaeli freut sich, wenn ihr Job sie von Berlin, ihrer Wahlheimat, in das beschauliche Altenburg führt. „Es ist immer schön hier. Ich habe sogar Blumen und frischgebackenen Kuchen bekommen. Constanze ist wirklich sehr nett und auch die Kunden freuen sich immer sehr, wenn ich da bin. Die Stadt ist toll. Es macht einfach Spaß hier“, erklärt sie. Zunächst wurde Esmaeli vom Label, bei dem sie unter Vertrag steht, ausgewählt, um bei Petzold zu modeln. Nachdem die beiden Frauen sich das erste Mal getroffen haben, war für die Boutique-Besitzerin klar: „Zohre muss wieder kommen. Sie ist mehr als nur ein schönes Model. Ihre Geschichte ist beeindruckend!“

Diese Geschichte hat das Model 2014 in einem Buch niedergeschrieben, das jetzt verfilmt werden soll. In „Meine neue Freiheit. Von Kabul über den Laufsteg zu mir selbst“ spricht sie offen über das Gefühl, in zwei Gesellschaften zu leben, über ihre Modelkarriere und das Leben als Flüchtling. Ihre eigenen Erfahrungen sollen den Menschen, die derzeit Schutz in Deutschland suchen, helfen. „Ich bin sehr dankbar dafür, wie ich aufgenommen wurde und dafür, dass ich mir hier etwas aufbauen konnte“, sagt sie. Der Schlüssel für sie sei Integration, und die müsse bei den Erwachsenen ansetzen, denn „sie sind der Schlüssel zu den Kindern“. Um das zu erreichen, arbeitet sie aktuell an dem Projekt „Culture Coaches“, dessen Konzept sie erstmals Ende 2015 vorgestellt hat. „Es ist eine Art Integrationskurs, der auf meine eigenen Erfahrungen beruht“, so das Model.

Im Mittelpunkt würde neben der Aus- und Fortbildung der Migranten der Einblick in die deutsche Kultur, die Vermittlung der gesellschaftlichen Werte und des Umgangs miteinander stehen. Außerdem gehe es darum, die Unterschiede zu den Heimatkulturen aufzuarbeiten, ohne die kulturelle Identität der Menschen in Frage zu stellen. Das Pilotprojekt startet voraussichtlich im Spätsommer. Seit Jahren engagiert das Model sich außerdem für den Verein „Afghanistan – Hilfe die ankommt“, der sich um Bildung und medizinische Grundversorgung vor Ort bemüht. Und sie ist Botschafterin und Mitbegründerin des gemeinnützigen Vereins „Save Society“, der sich gegen Diskriminierung jeglicher Art engagiert.

Zohre Esmaeli selbst sagt, dass sie als junges Mädchen in der Schule oft Anfeindungen anderer Kinder erlitten habe, als Erwachsene aber bliebe ihr das erspart. „Das hat aber vielleicht auch etwas mit meinem Job zu tun, die Modebranche ist ja sehr international“, sagt sie. Die aktuelle Situation mache ihr Sorgen, aber man dürfe auch die Asylkritiker nicht verurteilen. Man müsse Verständnis für ihre Ängste zeigen und stets den Dialog suchen.

Den Flüchtlingen empfiehlt sie, auf die Menschen zuzugehen. „Zu mir hat mal jemand gesagt: ,Zohre, du musst auf die Menschen zugehen. Sie haben Hemmungen vor dir.ʻ Das hat mir sehr geholfen. Die Menschen müssen sich öffnen und aufeinander zugehen.“ Sie möchte in Zukunft in einer besseren Gesellschaft leben und sieht in der Krise die Chance dazu. „Ich bin mir sicher, die Deutschen – wir – schaffen das.“

Von Nathalie Helene Rippich

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