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Tote Hose bei Initiative „Wir sind Altenburg“

Zeichen gegen Rassismus? Tote Hose bei Initiative „Wir sind Altenburg“

Seit mehr als vier Monaten ist tote Hose bei der Initiative „Wir sind Altenburg“. Auf der Internetseite fehlen die versprochenen Videos, und auch die Zahl der Unterstützer hat sich nicht erhöht. Dabei war das das erklärte Ziel, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. OB Michael Wolf (SPD) stellt das als bewussten Akt dar, weil man kein weiteres Öl ins Feuer gießen wolle.

Seit mehr als vier Monaten hat sich auf der Homepage der Initiative „Wir sind Altenburg“ nichts getan.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg. „Wir sind Altenburg“, heißt es auf der Startseite der gleichnamigen Internetpräsenz. Dann folgt die Aufforderung: „Senden Sie uns jetzt Ihre Video-Botschaft!“ So steht es nun schon seit rund vier Monaten dort. Etwas getan hat sich darüber hinaus aber nicht. Zumindest nicht sichtbar. Weder gibt es – abgesehen vom 20-sekündigen-Imgagetrailer – Videos zu sehen, noch hat sich die Anzahl der Einträge in der Unterstützerliste vermehrt.

Dabei waren doch genau diese beiden Dinge das Ziel der Initiative, als Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) sie beim ersten „Kulturpolitischen Dialog“ im Altenburger Rathaus am 14. März dieses Jahres öffentlichkeitswirksam vorstellte. So erklärten Wolf am Ende der Diskussion und tags darauf auch der Altenburger Verleger Klaus-Jürgen Kamprad in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung, dass sich Bürger mit ihrer Unterschrift auf einem Flyer gegen Rassismus und Nationalismus aussprechen und mit Videobotschaften auf besagter Internetseite die Verbundenheit zur und die Vielfalt der Skatstadt zeigen könnten.

Ist die Initiative also eingeschlafen und hat Altenburg im Umkehrschluss doch mehr Probleme, als Verantwortungsträger zugeben wollen? „Nein“, sagt OB Wolf. „Es ist eine Aktivität gegen Rassismus, um ein kleines Signal zu setzen.“ Man habe die Strategie in der Tasche. „Aber wir haben sie bewusst nicht auf hohem Level weitergefahren, weil wir keine Lust haben, weiter Öl ins Feuer zu gießen.“ Man könne die Kampagne jedoch jederzeit wieder aus der Tasche ziehen und wiederbeleben, wenn es nötig werden sollte. Allerdings sei die Diskussion zu dem Thema abgeebbt, weshalb man sich ebenfalls zurückhalte.

Dennoch stehen die Gründungsunterstützer weiter hinter der Initiative und zu ihrer Entscheidung, dabei zu sein. „Man muss jede Gelegenheit nutzen, um zu zeigen, dass Altenburg schön ist und keine braune Soße“, sagt Rechtsanwalt Sten Wagner. Bereut hat der Vorsitzende des größten Sportvereins des Kreises, des SV Aufbau Altenburg, seine Entscheidung bisher nicht: „Es bleibt kein fader Beigeschmack.“

Auch CDU-Stadtrat Christian Götze fühlt sich von Wolf nicht instrumentalisiert. „Dass beim OB Hintergedanken dabei waren, ist mir bewusst gewesen“, so der Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Kirchgemeinde Altenburg, als der er die Aktion unterstützt. Ihm sei es aber zuvorderst darum gegangen, den Ruf der Stadt wiederherzustellen. „Denn Altenburg besteht nicht nur aus Menschen mit kruden Weltansichten.“

Anlass für „Wir sind Altenburg – eine Stadt mit Standpunkten“ war die Debatte, ob Altenburg eine Hochburg rechten Gedankengutes sei und sich Ausländer hier nicht sicher fühlen könnten. Ausgelöst wurden diese wiederum durch das Bürgerforum Altenburger Land, das im Herbst 2016 zum Boykott des Theaters aufgerufen hatte. Dann sickerte durch, dass Schauspieler mit ausländischen Wurzeln verbal und tätlich angegriffen worden seien und auch deswegen ihr Engagement am Haus nicht verlängern. Es folgte eine Welle bundesweiter Negativ-Schlagzeilen.

Zu den Gründungsunterstützern zählen neben Wolf, Kamprad, Götze und Wagner auch Thomas Lahr (Präsident Motor Altenburg und Schulleiter des Friedrich-Gymnasiums), Wolfgang Preuß (Stadtrat SPD-Fraktion und Vorsitzender des Regionalverbandes Altenburger Land der Kleingärtner), Bernd Wannenwetsch (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Altenburger Land) und Dirk Schwerd (SPD-Fraktionschef im Kreistag und Vorsitzender des Strafverteidigernotdienstes Mitteldeutschland).

Abgesehen von fehlenden Aktivitäten enthält die Internetseite noch einen Fehler. Denn Wagner wird im Impressum als Vorsitzender des SV Altenburg vorgestellt, ist aber Chef des SV Aufbau. Das wäre nur missverständlich, wenn der Link im Vereinsnamen nicht zum SV Lerchenberg Altenburg führen würde...

Von Thomas Haegeler

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